Widerstandsfähige Sicherheitsstrategie erforderlich

Cyberangriffe setzen Europas Einzelhandel unter Druck

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Der europäische Einzelhandel bleibt ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle: Laut einer aktuellen Untersuchung von Kaspersky waren 97 Prozent der befragten Handelsunternehmen innerhalb eines Jahres von Cybervorfällen betroffen.

Neben etablierten Methoden wie Phishing und Cyberspionage gewinnen dabei auch Schwachstellen in KI-Systemen an Bedeutung.

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Kundendaten und Geschäftsprozesse im Visier

Online-Shops, Kundenkonten, digitale Bezahlsysteme und Bonusprogramme haben den Handel zu einer stark vernetzten Branche gemacht. Gleichzeitig steigt damit die Zahl der digitalen Angriffspunkte.

Bei den von Kaspersky untersuchten Unternehmen waren Cyberspionage mit 26 Prozent und Phishing mit 24 Prozent die am häufigsten genannten Angriffsarten. Jeweils 18 Prozent berichteten von groß angelegten Malware-Angriffen sowie von Attacken, bei denen Schwachstellen in KI-Systemen ausgenutzt wurden. DDoS-Angriffe machten 15 Prozent der genannten Vorfälle aus.

Dass KI-Schwachstellen inzwischen auf dem Niveau klassischer Malware-Angriffe liegen, deutet auf eine Veränderung der Bedrohungslage hin. Neue Technologien schaffen nicht nur zusätzliche Möglichkeiten für Unternehmen, sondern auch neue Angriffsflächen.

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Die Schäden gehen weit über IT-Ausfälle hinaus

Besonders schwerwiegende Sicherheitsvorfälle können für Handelsunternehmen schnell zu einem geschäftlichen Problem werden. Am häufigsten wurde der Diebstahl persönlicher Kundendaten genannt. 33 Prozent der Unternehmen waren davon betroffen.

30 Prozent meldeten finanzielle Schäden, bei 27 Prozent wurden Geschäftsabläufe beeinträchtigt. Weitere 24 Prozent verloren Daten dauerhaft. Jeweils 21 Prozent berichteten von zeitweisen Ausfällen kundenbezogener Dienste, dem Verlust der Kontrolle über IT- oder IoT-Systeme sowie Reputationsschäden.

Damit beschränken sich die Folgen erfolgreicher Angriffe längst nicht mehr auf die IT-Abteilung. Sie können Kundenbeziehungen, Umsatz, operative Abläufe und das Vertrauen in ein Unternehmen gleichermaßen beeinträchtigen.

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Sicherheitslücken und menschliches Verhalten bleiben zentrale Risiken

Als größtes Sicherheitsproblem nannten 32 Prozent der befragten Unternehmen verzögerte Updates und Patch-Prozesse. An zweiter Stelle stand mit 26 Prozent ein unzureichendes Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeitenden.

Jeweils 24 Prozent sehen zudem fehlende Fachkenntnisse im Sicherheitsteam, unzureichende Schutzlösungen, eine zu hohe Zahl an Sicherheitswarnungen oder mangelnde Unterstützung durch die Unternehmensführung als relevante Risiken. 21 Prozent bemängelten fehlende regelmäßige Risikobewertungen.

Auch das alltägliche Verhalten der Beschäftigten spielt eine wichtige Rolle. Die Hälfte der Unternehmen beobachtete die Nutzung externer KI-Dienste wie ChatGPT oder DeepSeek für berufliche Aufgaben. Bei 38 Prozent wurden Sicherheitswarnungen ignoriert. 32 Prozent nannten die unsichere Verbindung von Unternehmensgeräten mit öffentlichen WLANs als Problem.

Daneben spielen private Geräte und ein unsicherer Umgang mit Unternehmensdaten und Passwörtern eine Rolle.

Unternehmen reagieren mit höheren Sicherheitsausgaben

Die hohe Zahl an Vorfällen führt bei der Mehrheit der Handelsunternehmen zu zusätzlichen Investitionen. 85 Prozent haben ihr Budget für IT-Sicherheit innerhalb eines Jahres erhöht. Nur 15 Prozent hielten die Ausgaben ungefähr auf dem bisherigen Niveau.

Ein großer Teil der zusätzlichen Mittel fließt in Personal. 45 Prozent der Unternehmen bauten ihre internen IT- und Sicherheitsteams aus. Gleichzeitig setzten 41 Prozent verstärkt auf externe Unterstützung, beispielsweise für Schulungen oder Managed Security Services.

Weitere Investitionen betreffen Cloud- und Hybrid-Infrastrukturen, Datenschutztechnologien sowie die Widerstandsfähigkeit der IT-Systeme. 31 Prozent erhöhten außerdem ihre Ausgaben für umfassendere und fortschrittlichere Sicherheitslösungen.

Externe Expertise gewinnt an Bedeutung

Elizaveta Komarova, Solution Architect Finance & Retail bei Kaspersky, sieht angesichts der dynamischen Anforderungen im Handel einen zunehmenden Bedarf an spezialisierten Dienstleistern. „Der Einzelhandel ist eine äußerst dynamische Branche: Geschäftsprioritäten, Arbeitslasten, Anforderungen an die Infrastruktur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich schnell. Damit die Cybersicherheit mit diesen Veränderungen Schritt halten kann, greifen Einzelhandelsunternehmen auf externe Sicherheitsdienstleister zurück.“

Gerade zu umsatzstarken Zeiten kann die Verfügbarkeit der IT-Sicherheit entscheidend sein. Saisonale Verkaufsaktionen, Feiertage und Phasen besonders hoher Nachfrage erhöhen gleichzeitig den Wert eines stabilen Geschäftsbetriebs und die möglichen Kosten eines Ausfalls.

KI braucht klare Regeln im Unternehmen

Ein besonderer Handlungsbedarf ergibt sich aus der zunehmenden Nutzung generativer KI. Unternehmen sollten deshalb festlegen, welche externen KI-Dienste verwendet werden dürfen und welche Informationen dort verarbeitet werden können.

Dabei geht es insbesondere um den Schutz vertraulicher Kunden- und Unternehmensdaten. Klare Vorgaben zur Eingabe sensibler Informationen, zur Anonymisierung und zu zugelassenen Diensten können das Risiko unkontrollierter Datenabflüsse reduzieren.

Parallel dazu sollte Cybersicherheit regelmäßig geschult werden. Awareness-Maßnahmen müssen dabei nicht nur allgemeine Phishing-Beispiele behandeln, sondern auch aktuelle Angriffsmethoden und konkrete Situationen aus dem Arbeitsalltag berücksichtigen.

Schutz muss bei den wichtigsten Geschäftsprozessen beginnen

Für Handelsunternehmen reicht es nicht aus, möglichst viele Systeme pauschal abzusichern. Zunächst sollten besonders wertvolle Daten, kritische Anwendungen und zentrale Geschäftsprozesse identifiziert werden.

Dazu gehören insbesondere Kundendaten, digitale Verkaufsplattformen, Bezahlsysteme und wichtige Bestandteile der Lieferkette. Auf dieser Grundlage lässt sich festlegen, welche Systeme besonders geschützt und überwacht werden müssen.

Ebenso wichtig ist eine kontinuierliche Bewertung der Bedrohungslage. Unternehmen sollten verfolgen, welche Angreifer, Schwachstellen und Angriffsmethoden für ihre Branche besonders relevant sind und ihre Schutzmaßnahmen entsprechend anpassen.

Der Einzelhandel braucht eine widerstandsfähige Sicherheitsstrategie

Die Untersuchung von Kaspersky macht deutlich, dass Cybersecurity im Handel zunehmend zu einer Frage der betrieblichen Widerstandsfähigkeit wird. Technische Schutzmaßnahmen bleiben unverzichtbar, reichen allein aber nicht aus.

Regelmäßige Updates, qualifizierte Sicherheitsteams, klare Vorgaben für KI, geschulte Mitarbeitende und eine kontinuierliche Überwachung der digitalen Infrastruktur müssen zusammenspielen. Gerade weil Handelsunternehmen stark von digitalen Prozessen abhängig sind, kann ein Sicherheitsvorfall schnell vom technischen Problem zur unmittelbaren Geschäftsbedrohung werden.

(red/Kaspersky)

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