Die US-Sicherheitsbehörde CISA warnt vor Angriffen auf die PLM-Software PTC Windchill, bei denen Angreifer über Schadcode komplette Systeme übernehmen.
Die US-amerikanische Cybersicherheitsbehörde CISA hat die Schwachstelle CVE-2026-12569 in ihr Verzeichnis bekanntermaßen ausgenutzter Sicherheitslücken aufgenommen. Dies ist das erste Mal, dass ein Produkt des Herstellers PTC in dieser Liste aufgeführt wird. US-Bundesbehörden wurden angewiesen, die Sicherheitslücke bis zum 28. Juni 2026 zu schließen. Die Schwachstelle betrifft die Plattformen Windchill und FlexPLM, die für das Product Lifecycle Management eingesetzt werden. Ein entfernter Angreifer ohne Authentifizierung kann die fehlerhafte Eingabevalidierung ausnutzen, um über speziell manipulierte Anfragen beliebigen Code auf den Zielsystemen auszuführen.
Platzierung von Webshells und Datendiebstahl in Windchill
Der Softwarehersteller PTC hat bereits am 17. Juni 2026 mit der Bereitstellung von Sicherheitsupdates und Maßnahmen zur Risikominderung begonnen. Einen Tag später veröffentlichte das Unternehmen Indikatoren für eine Kompromittierung. Demnach nutzen Angreifer die Schwachstelle aus, um dauerhafte JavaServer Pages Webshells auf den Servern zu installieren. Diese Webshells ermöglichen den Tätern die Fernausführung von Befehlen sowie das unbefugte Abfließen von Unternehmensdaten. Wer hinter den aktuellen Angriffen steckt, ist bislang unklar. PTC aktualisierte seine Sicherheitswarnung und gab bekannt, dass Berichte über eine „erhöhte Bedrohungsaktivität“ eingegangen seien.
Relevanz für kritische Lieferketten
Bereits im März 2026 hatten deutsche Polizeibehörden Unternehmen physisch vor den Risiken einer anderen Schwachstelle in PTC Windchill gewarnt, für die zu diesem Zeitpunkt Angriffe drohten. Bei der nun ausgenutzten Sicherheitslücke CVE-2026-12569 ist die reale Ausnutzung im Internet erstmals bestätigt. Da die Software Windchill in der industriellen Fertigung, unter anderem in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, der Verteidigungsindustrie und im Schwermaschinenbau, flächendeckend eingesetzt wird, stellt die aktive Ausnutzung eine Bedrohung für betriebstechnische Umgebungen und kritische Lieferketten dar.
(red)