SSD Secure Disclosure zeigt, wie sich per VoLTE-Videoanruf voller Android-Kernel-Zugriff erlangen lässt, ein Patch fehlt bislang.
Die am 17. August veröffentlichte Sicherheitsmitteilung bildet die zweite Stufe einer bereits im März 2026 begonnenen Offenlegung, bei der SSD zunächst eine über einen fehlerhaft formatierten SIP-Videoanruf ausnutzbare Schwachstelle zur Remotecodeausführung in derselben Firmware dokumentiert hatte. Für die vollständige Angriffskette benötigt ein Angreifer zusätzlich Kontrolle über ein eigenes privates 4G-Mobilfunknetz, zudem muss das Opfer den eingehenden Videoanruf tatsächlich annehmen. Die als CWE-1189 eingestufte Schwachstelle betrifft die von mehreren Unisoc-Chipsätzen gemeinsam genutzte Modemfirmware, darunter den T606 im Motorola E13, den T612 im Realme C33 sowie den T7250 im Xiaomi Redmi A5. Der aus Shanghai stammende, früher als Spreadtrum bekannte Chiphersteller Unisoc beliefert nach Angaben der Sicherheitsmitteilung Marken wie Motorola, Realme und Xiaomi für Geräte in mehr als 140 Ländern.
Sobald ein Angreifer über die erste Schwachstelle Code auf dem Modemprozessor ausführen kann, nutzt die eigentliche Rechteausweitung eine fehlende Trennung zwischen Modem- und Anwendungsprozessor innerhalb des Chips aus: Über Co-Prozessor-Register schreibt der Angriff eine Konfiguration in die Speicherschutzeinheit des Modems, die den gesamten 32-Bit-Adressraum des Geräts als les-, schreib- und ausführbar markiert, einschließlich der Speicherbereiche, in denen der Android-Kernel läuft. Die Forscher bestätigten die erfolgreiche Codeausführung auf Kernel-Ebene auf einem Testgerät anhand entsprechender Protokollausgaben. Betroffen waren dabei auch Geräte mit vergleichsweise aktuellen Sicherheitspatches, ein Motorola E13 mit Patch-Stand Februar 2025 sowie ein Xiaomi Redmi A5 mit Patch-Stand Januar 2026.
Bereits zweites dokumentiertes Beispiel für dieselbe Architekturschwäche
Weder im August-Sicherheitsbulletin für Android noch in einer eigenen Mitteilung von Unisoc wird die Schwachstelle bislang adressiert, eine offizielle CVE-Kennung wurde ihr bislang nicht zugewiesen. SSD Secure Disclosure erklärte, das Unternehmen habe wiederholt über E-Mail und LinkedIn versucht, Unisoc zu kontaktieren, jedoch keinerlei Rückmeldung erhalten, dieselbe Aussage traf bereits auf die vorangegangene Offenlegung vom März zu. Betroffenen Gerätebesitzern steht aktuell weder ein Patch noch eine anderweitige Schutzmaßnahme zur Verfügung, ein Update müsste über den jeweiligen Gerätehersteller bereitgestellt werden.
Die Offenlegung folgt auf eine bereits im November 2025 veröffentlichte, unabhängige Untersuchung von Kaspersky ICS CERT, die dieselbe grundlegende Architekturschwäche bei einem anderen Unisoc-Chip fand, dem in Fahrzeug-Infotainmentsystemen eingesetzten UIS7862A. Auch dort gelang es den Forschern nach einer eigenen Schwachstelle im Modem, über denselben gemeinsam genutzten physischen Adressraum auf den laufenden Android-Kernel zuzugreifen und diesen zu verändern.
Kaspersky beschrieb einen der dabei genutzten Wege über eine versteckte Speicherzugriffskomponente sogar als reines Hardwareproblem, das sich grundsätzlich nicht per Software-Update beheben lasse. Die nun von SSD genutzte Methode über die Speicherschutzeinheit wäre dagegen grundsätzlich per Firmware-Update behebbar, ein entsprechendes Update hat Unisoc bislang jedoch nicht zugesagt. Bereits 2022 hatte Check Point Research eine andere, koordiniert gemeldete Unisoc-Schwachstelle aufgedeckt, die der Hersteller damals patchte und über das offizielle Android-Sicherheitsbulletin verteilte, eine vergleichbare Zusicherung gibt es für die beiden aktuell offengelegten Lücken bislang nicht.
(red)