Eine Studie deckt auf, dass Cyber-Risiken in Deutschland häufig hausgemacht sind. Während technische Angriffe von außen gefürchtet werden, mangelt es intern oft an Resilienz und dem Bewusstsein für den Faktor Mensch. Besonders das Risiko durch Social Engineering wird massiv unterschätzt.
Die digitale Bedrohungslage für die deutsche Wirtschaft hat eine neue Qualität erreicht. Während in den vergangenen Jahren vor allem spektakuläre Hackerangriffe aus dem Ausland die Schlagzeilen dominierten, rückt nun eine weitaus subtilere Gefahr in den Fokus: das eigene Unternehmen. Eine neue YouGov-Studie im Auftrag von 1&1 Versatel zeigt deutlich, dass viele Sicherheitslücken nicht durch technische Überlegenheit der Angreifer entstehen, sondern durch Versäumnisse innerhalb der eigenen vier Wände.
Social Engineering: Der Faktor Mensch als Einfallstor
Eines der zentralen Ergebnisse der Befragung unter 533 Entscheidungsträgern ist die wachsende Bedeutung von Social Engineering. Hierbei versuchen Kriminelle nicht etwa eine Firewall zu durchbrechen, sondern manipulieren gezielt Mitarbeitende, um an sensible Daten zu gelangen. Der Anteil der Firmen, die dieses Risiko als relevant einstufen, ist seit 2024 um ein Drittel auf nunmehr 20 Prozent gestiegen. Dennoch klafft zwischen der theoretischen Erkenntnis und dem praktischen Schutz eine tiefe Lücke. 35 Prozent der Unternehmen identifizieren menschliches oder organisatorisches Versagen als erhebliches Sicherheitsrisiko. Phishing-Mails, fingierte Anrufe oder gefälschte digitale Identitäten umgehen selbst hochmoderne Schutzsysteme, wenn das Personal nicht ausreichend sensibilisiert ist.
Die Infrastruktur als unterschätztes Risiko
Neben der menschlichen Komponente offenbart die Studie auch eklatante Mängel in der technischen Basis. Rund 18 Prozent der Unternehmen geben offen zu, dass fehlende Redundanz und mangelhafte Backups konkrete Schwachstellen in ihrer IT-Infrastruktur darstellen. Das bedeutet im Ernstfall: Fällt eine Leitung aus oder verschlüsselt eine Malware die Daten, steht der Betrieb still, weil keine Sicherheitskopien oder Ersatzwege vorhanden sind.
„Cyber-Sicherheit endet nicht bei Mitarbeitern oder Firewalls. Ohne redundante Anbindungen, stabile Netze und durchdachte Backup-Strategien bleiben Unternehmen verwundbar. Sicherheit beginnt bei der Infrastruktur.“
Frank Rosenberger, CEO von 1&1 Versatel
Obwohl 40 Prozent der Betriebe bereits in Sicherheitsmaßnahmen investiert haben und weitere 31 Prozent dies planen, agiert fast ein Drittel der deutschen Firmen noch immer ohne konkrete Strategie. In einer Zeit, in der 82 Prozent der Unternehmen leistungsstarkes Internet als überlebenswichtig für ihr Geschäft einstufen, wirkt diese strategische Leere besonders riskant.
Glasfaser als Fundament für KI und Wettbewerbsfähigkeit
Ein weiteres Kernthema der Studie ist der Zusammenhang zwischen Konnektivität und technologischem Fortschritt. Für 76 Prozent der Befragten ist eine leistungsfähige Internetverbindung entscheidend für den Erfolg von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Doch genau hier stoßen viele an ihre Grenzen: Über 40 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, die benötigte Bandbreite für ihre KI-Anwendungen überhaupt bereitzustellen.
Dies hat weitreichende wirtschaftliche Folgen. 80 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass langsames Internet Unternehmen sehr viel Geld kostet. Die Unzufriedenheit mit dem schleppenden Glasfaser-Ausbau in Deutschland ist entsprechend groß. 83 Prozent der Entscheider befürchten, dass das Land im internationalen Vergleich wirtschaftlich zurückfallen wird, wenn der Ausbau nicht massiv beschleunigt wird. Für 78 Prozent ist ein fehlender Zugang zu Highspeed-Internet sogar ein valider Grund, einen Firmenstandort komplett in ein besser erschlossenes Gebiet zu verlegen.
Resilienz muss zur strategischen Kernaufgabe werden
Die Studie zeigt, dass der Wunsch nach Auswahl bei den Telekommunikationsanbietern groß ist: 83 Prozent der Firmen legen Wert auf Wettbewerb im Glasfaserbereich. Digitale Investitionen stehen zwar bei vielen auf der Agenda, wobei Prozessoptimierung und IT-Sicherheit die wichtigsten Treiber sind. Doch solange die grundlegende Hausaufgabe, die Schaffung einer ausfallsicheren Netzinfrastruktur, nicht erledigt ist, bleiben alle darüber liegenden Softwareschichten anfällig für Störungen.
Der Fokus der digitalen Transformation in Deutschland verschiebt sich weg von der reinen Abwehr externer Hacker hin zur Schaffung einer ganzheitlichen, resilienten Unternehmenskultur und Infrastruktur. Nur wer den Faktor Mensch und die physische Netzverbindung gleichermaßen schützt, wird in der KI-getriebenen Wirtschaft der Zukunft bestehen können.