Microsoft warnt, dass Angreifer manche Schwachstellen inzwischen bereits innerhalb weniger Stunden nach ihrer Offenlegung ausnutzen können.
Igor Sakhnov, Corporate Vice President und General Manager für Azure Networking bei Microsoft, erklärt in einem Blogbeitrag, das klassische Modell der Schwachstellenverwaltung habe stets darauf beruht, dass Verteidiger sich schneller bewegen könnten als Angreifer, was über lange Zeit tatsächlich häufig zutraf. Früher benötigten Sicherheitsforschung, öffentliche Offenlegungen, Machbarkeitsnachweise für Exploits sowie Bedrohungsanalysen Tage oder sogar Wochen, um sich innerhalb der Sicherheits-Community zu verbreiten, inzwischen geschieht dies bereits innerhalb weniger Stunden. Die Art und Weise, wie Sicherheitsteams Unternehmensumgebungen verwalten, habe sich im gleichen Zeitraum jedoch kaum verändert, wodurch laut Sakhnov eine der gefährlichsten Perioden der modernen Cybersicherheit entstehe.
Nach seiner Einschätzung hilft künstliche Intelligenz Unternehmen zwar erheblich dabei, den eigenen Patch-Prozess zu beschleunigen, gleichzeitig ermöglicht dieselbe Technologie jedoch auch Angreifern, sich deutlich schneller zu bewegen als zuvor.
Schwachstellen: Netzwerkkontrollen als schnellere Alternative zum Patch
Sakhnov erklärte dazu:
„Die klassische Schwachstellenverwaltung beruhte auf der Annahme, dass sich Verteidiger schneller bewegen können als Angreifer.“
Igor Sakhnov, Corporate Vice President und General Manager für Azure Networking bei Microsoft
Angesichts des weiter schrumpfenden Zeitfensters brauche die Branche nun ergänzende Ansätze, die zusätzlich zu klassischen Behebungsstrategien schnell die eigene Angriffsfläche verringern und Verteidigern die zunehmend knapper werdende Ressource Zeit zurückgeben.
Konkret schlägt Sakhnov vor, verstärkt auf Netzwerkmaßnahmen zu setzen, die sich in der Regel schneller und einfacher umsetzen lassen als die vollständige Prüfung und Verteilung eines Software-Patches. Dazu zählen die gezielte Beschränkung des Zugriffs auf verwundbare Systeme, die Eindämmung von Möglichkeiten zur seitlichen Bewegung innerhalb eines Netzwerks sowie eine konsequente Netzwerksegmentierung, die sich nach Einschätzung von Sakhnov zunehmend als die für Unternehmen am schnellsten verfügbare Kontrollebene erweisen.
(red)