Flatpak hat mit Version 1.18.1 zehn Sicherheitslücken geschlossen, die schwerste erlaubte vollen Zugriff auf das Host-System. Flatpak ist ein Framework zur Verteilung und Installation von Linux-Anwendungen.
Flatpak-Anwendungen erhalten normalerweise eigene, voneinander abgeschottete private Verzeichnisse. Die gravierendste der behobenen Lücken beruhte darauf, dass Flatpak nicht prüfte, ob ein Angreifer ein solches privates Verzeichnis heimlich durch einen symbolischen Link ersetzt hatte, der stattdessen auf beliebige andere Bereiche des Systems verweist, etwa das Home-Verzeichnis eines Nutzers. In der zugehörigen Sicherheitsmitteilung auf GitHub erklärten die Entwickler dazu:
„Ein schädlicher symbolischer Link kann auf beliebige Speicherorte auf dem Host-System verweisen und wird dennoch innerhalb der Sandbox eingebunden.“
Flatpak
Auf diesem Weg ließ sich aus der eigentlich isolierten Umgebung heraus beliebiger Lese- und Schreibzugriff auf das Host-Dateisystem erlangen, der sich weiter bis zur vollständigen Codeausführung auf dem System ausbauen ließ.
Neben dieser Kernschwachstelle schlossen die Entwickler neun weitere, ebenfalls als schwerwiegend eingestufte Lücken. Dazu zählen eine lokale Rechteausweitung bis auf Root-Ebene durch Pfad-Traversal in der Komponente revokefs in Kombination mit manipulierten Commits, zwei weitere Wege zum Schreiben beliebiger Dateien mit Root-Rechten über symbolische Links und Pfad-Traversal bei der Extraktion sogenannter Extra-Data-Pakete sowie beim Befehl flatpak build-init. Außerdem ein beliebiges Auslesen von Host-Dateien über Hardlink-Pfad-Traversal bei der Extraktion von OCI-Archiven, ein Pfad-Traversal-Fehler über einen nicht validierten Architekturparameter.
Ebenso wurden geschlossen: ein Pufferüberlauf bei OCI-Delta-Datenströmen auf 32-Bit-Systemen, ein Pfad-Traversal-Fehler in Erweiterungsmetadaten, der das Erkunden des Host-Dateisystems und unbeabsichtigte Einhängepunkte ermöglichte, sowie ein Umgehen der eigentlich vorgesehenen Sperre gegen das Herabstufen installierter Systemanwendungen auf ältere, bereits als unsicher bekannte Versionen.
Alle älteren Versionen als verwundbar eingestuft
Nach Angaben der Entwickler auf der Mailingliste oss-security gelten sämtliche älteren Flatpak-Versionen als von allen zehn Schwachstellen betroffen. Die Entwickler schreiben dazu: „Falls möglich, aktualisieren Sie bitte auf die neueste stabile Version 1.18.1. Für Nutzer von Entwicklungs-Vorabversionen behebt auch die Vorabversion 1.19.0 dieselben Schwachstellen.“
Für zwei der insgesamt zehn Schwachstellen wurden die CVE-Kennungen bereits von Red Hat vergeben, für die übrigen acht waren entsprechende Kennungen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch angefragt. Größere Linux-Distributionen, die Flatpak standardmäßig mitliefern, darunter Fedora, hatten die neue Version 1.18.1 zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht in ihre eigenen stabilen Veröffentlichungskanäle übernommen, wodurch betroffene Nutzer bis zur jeweiligen Aktualisierung durch ihre Distribution weiterhin verwundbar blieben.
Bereits frühere Sandbox-Ausbrüche bei Flatpak bekannt
Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Sandbox-Isolation von Flatpak als durchlässig erweist. Bereits im April 2026 war mit CVE-2026-34078 eine Schwachstelle offengelegt worden, die von der US-amerikanischen Schwachstellendatenbank NVD mit dem höchstmöglichen Wert von 10,0 bewertet wurde und ebenfalls eine Codeausführung über präparierte symbolische Links in sogenannten Sandbox-Expose-Optionen ermöglichte.
Auch in den Jahren zuvor waren wiederholt ähnliche Muster aufgetreten, etwa ein 2024 bekannt gewordener Fehler, bei dem die Flatpak-Option –persist für dauerhaften Speicher einer Anwendung ebenfalls über einen symbolischen Link auf sensible Bereiche außerhalb der eigentlich vorgesehenen Sandbox umgeleitet werden konnte. Sicherheitsforscher werten die aktuelle Häufung erneut auffindbarer Symlink-Schwachstellen als Hinweis darauf, dass die grundlegende Absicherung von Dateisystempfaden in Sandbox-Technologien wie Flatpak weiterhin ein wiederkehrender Schwachpunkt bleibt.
(red)