Compliance

Kontrolle der E-Mail-Kommunikation ist oft nur Gefühlssache

E-Mail

Viele Unternehmen verwechseln stabile E-Mail-Systeme mit echter Kontrolle. Nachweisfähigkeit, Rechtssicherheit und Unabhängigkeit vom Anbieter bestehen oft nur auf dem Papier.

Spätestens im Audit-Fall oder bei regulatorischem Druck durch NIS2 wird deutlich, wie groß die Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Souveränität wirklich ist.

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Regulatorische Vorgaben wie NIS2 verschärfen den Blick auf ein Thema, das für Unternehmen zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnt: die tatsächliche Kontrolle über die E-Mail-Kommunikation. Eine aktuelle Studie von Retarus zeigt, dass hier ein Lücke zwischen Gefühl und Wirklichkeit besteht: 80 Prozent der europäischen Unternehmen glauben, ihre E-Mail-Kommunikation weitgehend im Griff zu haben. Nur 41 Prozent könnten jedoch kurzfristig auf eine Audit-Anfrage reagieren. Die übrigen Unternehmen benötigen aufwendige Vorbereitung, um Abläufe zu rekonstruieren und Nachweise zusammenzuführen.

Wenn Stabilität täuscht

Dass Handlungsbedarf besteht, ist vielen Unternehmen bewusst – die Kluft zwischen Wissen und Handeln bleibt jedoch groß. Unternehmen bewerten die Kontrolle über ihre E-Mail-Kommunikation oft anhand Kriterien wie einem durchgehenden Betrieb, stabilen Systemen oder ausbleibenden Störungen. Systemstabilität und Nachweisfähigkeit lassen sich jedoch nicht gleichsetzen: 92 Prozent der Unternehmen halten ein umfassendes Reporting für unverzichtbar, doch nur ein Bruchteil kann ein solches tatsächlich vorweisen. Genau diese Lücke wird zum Risiko, sobald im Rahmen von NIS2 ein Audit ansteht und belastbare Nachweise gefordert sind.

Ähnlich verhält es sich beim Speicherort. Vielen IT-Entscheidern ist bekannt, dass Hosting in Europa keine automatische Garantie für Datenschutz und Kontrolle darstellt und der dahinterliegende Rechtsrahmen entscheidend ist. Nur so lässt sich beantworten, wer unter welchen Bedingungen Zugriff auf Unternehmensdaten verlangen kann. Denn der Serverstandort verliert seine Schutzwirkung, sobald Anbieter oder Mutterkonzern der Rechtshoheit eines Staates außerhalb der EU unterliegen. Dass dieses Risiko durchaus real eingeschätzt wird, zeigen die Zahlen: 56 Prozent der Unternehmen befürchten, dass ihre Daten extraterritorialen Gesetzen wie dem Cloud Act unterliegen könnten. Konsequenzen bleiben dennoch aus – 45 Prozent sind noch von außereuropäischen Anbietern abhängig. Zwar verfügen 77 Prozent über zertifizierte vertragliche Garantien zu Speicherort und Zugangsbedingungen, doch 22 Prozent räumen selbst ein, dass diese nur teilweise greifen. 

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Stückwerk statt Nachweiskette

E-Mails durchlaufen heute eine Abfolge von Schichten, etwa Cloud-Plattformen, Fachanwendungen, interne Tools und Dienste von Drittanbietern. Jede Komponente funktioniert für sich zuverlässig. Genau darin liegt jedoch die Krux: Alle Komponenten erzeugen ein eigenes Protokoll in eigenem Format und mit eigener Aufbewahrungsfrist. Aus vielen einzeln funktionierenden Bausteinen entsteht keine durchgängige Nachweiskette, sondern ein fragmentiertes System, dessen Lücken im Alltag unsichtbar bleiben. Sichtbar werden sie erst, wenn der Weg einer E-Mail lückenlos rekonstruiert werden muss. Dann müssen Unternehmen Informationen aus mehreren, häufig inkompatiblen Systemen zusammenführen, unter Zeitdruck und ohne die Möglichkeit, die Architektur im Nachhinein zu vereinfachen.

Diese Situation entsteht nicht nur im Audit, sondern auch im Tagesgeschäft, etwa bei verzögerten Rechnungen oder blockierten Bestellungen. Regulatorischer Druck durch NIS2, interne Kontrollen oder Kundenaudits erhöht dabei die Taktung, in der genau dieser Ernstfall eintritt. So greifen 52 Prozent der Unternehmen drei bis fünf Mal pro Jahr auf ihre Daten zu oder bereiten sie für Prüfzwecke auf.

Kontrolle über E-Mail lässt sich dabei auf zwei Ebenen messen. Die erste Ebene betrifft den laufenden Betrieb. So setzen 61 Prozent der Unternehmen ihre Sicherheitsrichtlinien eigenständig um, was im Alltag ein trügerisches Gefühl von Kontrolle vermittelt. Die zweite Ebene betrifft die strukturelle Unabhängigkeit vom Anbieter. Nur 49 Prozent können E-Mail-Konten verwalten oder migrieren, ohne auf ihren Dienstleister angewiesen zu sein. Genau das zählt jedoch im Ernstfall, etwa bei einem Anbieterwechsel, einem Sicherheitsvorfall oder einem Audit, wenn Nachweise kurzfristig und vollständig vorliegen müssen. Strukturen, die im Tagesgeschäft selten geprüft werden, entscheiden über die Reaktionsfähigkeit von Unternehmen.

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Souveränität wird zum Auswahlkriterium

Diese Erkenntnisse verändern, wonach Unternehmen bei der Wahl eines E-Mail-Anbieters suchen. 94 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass Souveränität ihre Anbieterwahl maßgeblich beeinflusst, 89 Prozent stufen sie als strategische Priorität ein. Dabei rückt die Reversibilität von Verträgen stärker in den Fokus. Darunter fällt die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln, ohne durch technische Verflechtung oder hohe Ausstiegskosten daran gehindert zu werden. 49 Prozent der Unternehmen geben zudem an, dass Modularität und Unabhängigkeit vom Dienstleister ihre Entscheidung für einen Anbieterwechsel direkt beeinflussen. 

Hinzu kommt, dass 84 Prozent lokalen Support für unverzichtbar oder sehr wichtig halten, für 46 Prozent wäre dieser ein Wechselgrund. Zudem berücksichtigen 65 Prozent Compliance-Anforderungen oder den Zugang zu Audits bei der Wahl eines neuen Dienstleisters. Zusammengenommen zeichnen diese Werte ein Anforderungsprofil, das über technische Leistungsfähigkeit hinausgeht und Entscheidungskriterien wie einen europäischen Rechtsrahmen oder nachvollziehbare Vertragsbedingungen stärker gewichtet.

Anbieterwahl entscheidet über tatsächliche Kontrolle

Die Studienergebnisse zeigen: Wer E-Mail-Kommunikation heute wirklich kontrollieren will, braucht mehr als stabile Systeme. Rechtliche Klarheit über den Anbieter, operative Unabhängigkeit vom Dienstleister und ein Support, der im Ernstfall erreichbar ist, sind zentral. Nur wer diese drei Voraussetzungen frühzeitig schafft, verhindert, dass aus der Nachweispflicht unter Audit oder Compliance-Druck durch Richtlinien wie NIS2 ein Stresstest wird.

Paetz

Oliver

Paetz

Head of Product Management

Transactional Email

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