Die Mehrheit der deutschen Unternehmen richtet ihre Cybersicherheit noch immer vor allem auf die Bewältigung bereits eingetretener Angriffe aus.
Deutsche Unternehmen bleiben bei Cyberangriffen meist im Reaktionsmodus

Laut dem aktuellen Relentless Defense Report von Cisco können 61 Prozent der untersuchten Organisationen Bedrohungen nicht ausreichend vorausschauend begegnen. Nur sieben Prozent erreichen eine besonders hohe Reife bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Sicherheitsmaßnahmen.
Nur wenige Unternehmen erreichen ein hohes Sicherheitsniveau
Für den Report hat Cisco die Angaben von 300 IT-Sicherheitsexpertinnen und -experten aus Deutschland ausgewertet und die Unternehmen anhand eines Scores in vier Reifegruppen eingeteilt. Die Spitzengruppe der sogenannten Relentless Defenders erreicht Werte zwischen 80 und 100 Punkten. Ihre Sicherheitsprozesse sind umfassend etabliert und werden kontinuierlich verbessert.
32 Prozent der deutschen Unternehmen gehören zu den Established Defenders. Sie verfügen über solide Schutzmaßnahmen und können sich nach Vorfällen vergleichsweise gut erholen. Abstimmungsprozesse können ihre Reaktionsfähigkeit allerdings verzögern.
Deutlich größer ist der Anteil der Reactive Defenders mit 49 Prozent. Bei ihnen sind Sicherheitsfunktionen zwar vorhanden, jedoch häufig nur in einzelnen Unternehmensbereichen etabliert. Weitere zwölf Prozent zählen zu den Exposed Defenders, bei denen grundlegende Schutzmaßnahmen noch Lücken aufweisen und Anpassungen zu lange dauern.
Im europäischen Vergleich landet Deutschland mit einem Anteil von 61 Prozent in den beiden schwächeren Kategorien auf Platz sieben von neun untersuchten Ländern. Höhere Anteile weisen unter anderem die Schweiz mit 72 Prozent und Schweden mit 65 Prozent auf. Großbritannien, Italien und Frankreich schneiden mit 40, 48 beziehungsweise 50 Prozent besser ab.
Wie groß die Folgen unzureichender Schutzmaßnahmen sein können, zeigt eine weitere Zahl aus der Befragung: 89 Prozent der deutschen Teilnehmer berichten von mindestens einem geschäftsschädigenden Cybervorfall innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
Abstimmungsprobleme behindern die Sicherheitsarbeit
Neben technischen Schwächen identifiziert Cisco vor allem organisatorische Hindernisse. Getrennte Zuständigkeiten, langwierige Genehmigungen und fehlende gemeinsame Datenbestände erschweren es Sicherheitsteams, schnell und abgestimmt zu handeln.
Nur 48 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass Sicherheits-, Netzwerk- und IT-Abteilungen mit gemeinsamen Werkzeugen und einer einheitlichen Sicht auf die Infrastruktur zusammenarbeiten.
Auch die Kommunikation mit der Unternehmensführung funktioniert nicht immer reibungslos. 45 Prozent der Befragten halten ihre Sicherheitskennzahlen für zu technisch, um damit das Management zu überzeugen. Weitere 36 Prozent haben Schwierigkeiten, technische Messwerte in geschäftlich relevante Entscheidungsgrundlagen zu übersetzen. Ebenso viele verfügen über keine einheitliche Methode zur Bewertung ihrer Sicherheitsleistung.
Hinzu kommt der Aufwand für die Datenbeschaffung: 40 Prozent der Unternehmen verbringen mehr Zeit damit, Informationen aus unterschiedlichen Systemen zusammenzutragen und abzugleichen, als mit der eigentlichen Abwehr von Bedrohungen. Ein ebenso großer Anteil berichtet, dass wichtige Erkenntnisse aufgrund eingeschränkter Datenzugriffe verloren gehen.
KI-Unterstützung wird noch zurückhaltend eingesetzt
Künstliche Intelligenz könnte Sicherheitsteams dabei helfen, große Datenmengen schneller auszuwerten und Bedrohungen frühzeitig zu erkennen. In Deutschland setzen bislang allerdings nur 27 Prozent der befragten Unternehmen KI-gestützte Sicherheitsfunktionen ein.
Als Hindernisse nennen die Teilnehmer insbesondere die mögliche Kompromittierung von KI-Systemen (44 Prozent), den Datenschutz (33 Prozent), regulatorische Anforderungen (39 Prozent) und die missbräuchliche Nutzung durch Mitarbeitende (38 Prozent).
Auch das Vertrauen in die eigenen Kontrollmöglichkeiten ist begrenzt. Nur 47 Prozent der Organisationen sind nach eigener Einschätzung sehr zuversichtlich, einen kompromittierten KI-Agenten erkennen und angemessen darauf reagieren zu können.
Kontinuierliche Anpassung statt punktueller Schutzmaßnahmen
Stefan Gutekunst, Cybersecurity Leader für Cisco Deutschland, sieht deshalb einen grundlegenden Veränderungsbedarf. Unternehmen müssten den reaktiven Sicherheitsmodus verlassen und Cybersicherheit als fortlaufenden Anpassungsprozess verstehen.
Die Ergebnisse des Reports zeigen, dass dafür nicht allein zusätzliche technische Lösungen erforderlich sind. Ebenso wichtig sind klar geregelte Verantwortlichkeiten, gemeinsame Datenzugriffe und eine engere Zusammenarbeit zwischen IT, Netzwerkbetrieb und Sicherheitsteams. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, können Unternehmen neue Technologien wie KI wirksam in ihre Abwehr integrieren und schneller auf veränderte Angriffsmethoden reagieren.
(red/Cisco)









