Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Was gute Führung heute wirklich ausmacht

Fuehrung-Team

Eine Untersuchung des Unternehmens Hogan Assessments zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen dem, was Organisationen bei Führungskräften fördern – und dem, was Mitarbeitende tatsächlich erwarten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass viele Unternehmen ihre Kriterien für Führungserfolg überdenken sollten.

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Wenn Sichtbarkeit wichtiger ist als Substanz

In vielen Organisationen werden Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz besonders belohnt. Diese Merkmale sorgen für Aufmerksamkeit und gelten oft als Indikatoren für Führungsstärke. Laut der Studie stehen sie jedoch nicht im Einklang mit den Erwartungen der Belegschaft.

Mitarbeitende wünschen sich vor allem verlässliche Führungspersönlichkeiten, die klar kommunizieren, Verantwortung übernehmen und fundierte Entscheidungen treffen. Damit rücken grundlegende soziale und organisatorische Fähigkeiten stärker in den Mittelpunkt als reine Präsenz oder Selbstdarstellung.

Zwei Welten von Führungskompetenz

Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Die Eigenschaften, die Führungskräfte typischerweise zeigen, überschneiden sich kaum mit denen, die Mitarbeitende als besonders wichtig erachten. Während Führungskräfte häufig durch Inspiration, Wettbewerb und Innovationsdrang auffallen, legen Beschäftigte mehr Wert auf Integrität, Verlässlichkeit und strukturierte Entscheidungsprozesse.

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Diese Differenz zeigt sich auch in Deutschland deutlich. Hier werden Führungskräfte oft für Initiative, strategische Zielverfolgung und Wettbewerbsorientierung geschätzt. Beschäftigte hingegen priorisieren Kommunikationsfähigkeit, Teamorientierung und verantwortungsvolles Handeln.

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Vertrauen als entscheidender Faktor

Über alle untersuchten Länder hinweg zeigt sich ein klares Bild: Vertrauen ist die zentrale Währung guter Führung. Fast alle Befragten nannten Eigenschaften wie Integrität, Verantwortungsbewusstsein und klare Kommunikation als entscheidend.

Darüber hinaus wünschen sich viele Beschäftigte Führungskräfte, die sowohl analytisch denken als auch empathisch handeln können. Aspekte wie Teamzusammenhalt, ein positives Arbeitsumfeld und gegenseitige Unterstützung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Problematische Verhaltensweisen im Führungsalltag

Neben den gewünschten Eigenschaften identifiziert die Studie auch Verhaltensweisen, die Führung aus Sicht der Mitarbeitenden erschweren. Dazu zählen vor allem Unberechenbarkeit, passive Aggression, Arroganz und übermäßige Vorsicht.

Gerade Selbstbewusstsein wird ambivalent wahrgenommen: Während es im Karriereverlauf Vorteile bringen kann, wird es im Arbeitsalltag schnell als Überheblichkeit interpretiert, wenn es zu stark ausgeprägt ist. In Deutschland werden zudem mangelnde Konsequenz und Widerstand gegen Veränderungen kritisch gesehen.

Warum Organisationen umdenken müssen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Unternehmen weiterhin eher sichtbare Eigenschaften als tatsächliche Führungsqualität honorieren. Das kann langfristig zu Problemen führen, etwa wenn Vertrauen im Team fehlt oder die Zusammenarbeit leidet.

Ein Umdenken in der Personalentwicklung könnte helfen, diese Lücke zu schließen. Gefragt sind stärker Kriterien wie Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Teams effektiv zu führen. Diese sollten nicht nur in der Auswahl, sondern auch in der Bewertung und Weiterentwicklung von Führungskräften eine größere Rolle spielen.

Trotz der aufgezeigten Diskrepanz bringen viele Führungskräfte bereits wichtige Voraussetzungen mit, etwa Innovationsbereitschaft, Flexibilität und strategisches Denken. Die Herausforderung besteht darin, diese Stärken mit den Erwartungen der Mitarbeitenden zu verbinden.

Eine moderne Führungskultur entsteht dort, wo Leistungsorientierung und zwischenmenschliche Kompetenz zusammenkommen. Unternehmen, die ihre Führungskräfte gezielt in diese Richtung entwickeln, können nicht nur die Zufriedenheit ihrer Teams steigern, sondern auch ihre langfristige Leistungsfähigkeit sichern.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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