Trotz mehrheitlicher Gehaltszufriedenheit untergraben steigende Lebenshaltungskosten und fehlende Vergütungstransparenz das Vertrauen der Beschäftigten.
Eine aktuelle globale Erhebung von Remote unter mehr als 6.200 Büroangestellten zeigt, dass trotz allgemeiner Zufriedenheit mit dem aktuellen Gehalt steigende Lebenshaltungskosten und fehlende Transparenz das Vertrauen der Beschäftigten belasten. Besonders deutlich wird, dass Unterschiede zwischen Generationen, Geschlechtern und Kulturen bestehen: Jüngere Mitarbeitende sprechen eher über Gehalt, während ältere Beschäftigte zurückhaltender sind. Frauen äußern Bedenken seltener, was mögliche Ungleichheiten verschleiern kann.
Sorgen um Lebensstandard und Kaufkraft
Obwohl fast drei Viertel der Befragten insgesamt zufrieden mit ihrem Einkommen sind, wächst die Sorge um die finanzielle Stabilität. Rund 63 Prozent befürchten, dass steigende Preise ihren Lebensstandard beeinträchtigen könnten. Für 11 Prozent würde es schwierig werden, grundlegende Ausgaben wie Miete oder Lebensmittel zu decken, weitere 17 Prozent könnten ihren Alltag zwar aufrechterhalten, müssten aber auf Spar- und Vorsorgepläne verzichten. Nur knapp 16 Prozent sehen ihre finanzielle Situation als gesichert, ohne Einbußen hinnehmen zu müssen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass selbst zufriedene Beschäftigte durch Inflation und steigende Lebenshaltungskosten schnell verunsichert werden können.
Gehaltsgespräche bleiben selten
Die Studie offenbart, dass der offene Austausch über Vergütung weiterhin die Ausnahme ist. In Deutschland fühlen sich lediglich rund 40 Prozent wohl dabei, ihr Gehalt zu besprechen. Zum Vergleich: In den USA sind es 70 Prozent, in Großbritannien 60 Prozent. Über ein Drittel der Befragten empfindet Gehaltsgespräche als unangenehm, und etwa 15 Prozent würden eine Erhöhung gar nicht erst thematisieren. Fehlende Kommunikation kann jedoch zu Ungleichheiten führen, während Unternehmen, die Transparenz fördern, Vertrauen aufbauen und eine Kultur der Offenheit schaffen.
Fehlende Reaktion kann Mitarbeitende kosten
Vergütung hat direkten Einfluss auf Mitarbeiterbindung. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gibt an, dass sie kündigen würden, wenn ihre Gehaltssorgen keine zufriedenstellende Reaktion hervorrufen. Rund 34 Prozent würden dies wahrscheinlich tun, 14 Prozent sehr wahrscheinlich, während nur sechs Prozent einen Jobwechsel ausschließen. Unternehmen riskieren damit nicht nur den Verlust von Talenten, sondern auch Reputations- und Produktivitätseinbußen.
Transparente Vergütung als strategischer Vorteil
Die Befragung zeigt klar, dass Transparenz von den Beschäftigten gefordert wird: 86 Prozent halten eine transparente Kommunikation über Gehaltsentwicklungen und andere Vergütungen für sehr wichtig. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sollten Unternehmen ihre Vergütungsstrukturen datenbasiert und nachvollziehbar gestalten. Anpassungen an Marktbedingungen und Lebenshaltungskosten sind entscheidend, um Fairness sicherzustellen.
Mit der ab 2026 geltenden EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird Gehaltstransparenz zudem zur regulatorischen Pflicht. Unternehmen, die sich frühzeitig darauf einstellen, können nicht nur Vertrauen stärken, sondern auch ihre Attraktivität im globalen Wettbewerb um Fachkräfte verbessern.