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Mindset

Homeoffice hat ein Jahr nach seiner – mehr oder weniger erzwungenen – Einführung deutlich seine Stärken und Schwächen aufgezeigt. Um aber zu klären, ob das Arbeitsmodell nun mehr Segen als Fluch ist, stellen sich Arbeitgebende selbst die Frage: Wurde ich durch Corona zu Homeoffice gezwungen?

In der Regel gibt die Antwort darauf nur eine gefühlte Wahrheit. Woran Homeoffice wirklich scheitert, wo es sinnvoll ist und wie es zum Erfolg des Unternehmens beitragen könnte, kann jedoch tatsächlich ausgemacht werden. Eine Reflexion. 

Kaum kehrt so etwas wie die Normalität schrittweise und sehr langsam wieder ein, werden schon Rufe nach gewohnten Arbeitsumfeldern laut. Die einen freuen sich dabei regelrecht auf den Büroalltag, die anderen – wie die Belegschaft von Google – protestieren öffentlich gegen die Rückbeorderung ins Office. Immerhin habe die Pandemie gezeigt, dass die Arbeit in vielen Branchen problemlos von zuhause erledigt werden kann. Aber stimmt das? Sicher nicht! Homeoffice hat mancherorts tadellos funktioniert. An anderer Stelle haben sich auch Schwächen des Arbeitsmodells gezeigt, die eine Rückkehr zu Normaloffice vermeintlich lohnenswert machen.

Die, die bereits vor Corona im Homeoffice gearbeitet haben, werden ohnehin von Segen sprechen. Die, die mit dem Arbeitsmodell so gut es eben ging auf die Pandemie reagieren mussten, sprechen von Fluch. Und was ist mit denen, die eigentlich Homeoffice gut fänden, aber von der technischen und organisatorischen Umsetzung überrannt wurden? Ihnen liefern die beiden anderen Parteien gute Argumente, sich gerade jetzt erneut mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen. Denn: Welche Perspektiven zeigen sich, jetzt da Homeoffice wieder eine frei wählbare Alternative ist? Was hat sich eigentlich verändert? Wie funktioniert die Arbeit intern im eigenen Unternehmen und extern in der Kooperation mit Kunden und Lieferanten? Und vor allem: Können die Erfahrungen aus einem Jahr dabei helfen, Homeoffice zu verbessern, um das Beste aus beiden Welten herauszuholen?

Welche Veränderungen werden in Zukunft bleiben?

Am meisten geändert hat sich mit Sicherheit das Ansehen des Arbeitsmodells, zumindest bei den meisten Mitarbeitenden. Gleichzeitig können sich Arbeitgebende nicht mehr hinter der Ausrede verstecken, dass Homeoffice ohnehin nicht funktionieren wird. Damit ist Homeoffice gekommen, um zu bleiben! Ob Arbeit mit Kolleg:Innen oder Kund:Innen: Schnell waren viele kostengünstige oder -freie Software-Lösungen verfügbar, die inzwischen noch ausgereifter sind. Von der sozialen Komponente abgesehen, haben Sales, Marketing, Finance und Co. bewiesen, dass es funktionieren kann. Sogar in der Bildung wurde in Sachen Digitalisierung eine Entwicklung forciert.

Damit wurde Homeoffice im letzten Jahr für Arbeitnehmende eine echte Alternative zum Pendlerleben oder Berufsverkehr. Für Arbeitgebende wird es dadurch zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor werden. Dies haben auch einige Untersuchungen und Befragungen gezeigt, beispielsweise die Befragung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt). So heißt es im Ergebnis, dass die Mehrheit der Berufstätigen das für ihre Tätigkeiten bestehende Homeoffice-Potenzial auch nach der Coronapandemie weitgehend nutzen möchte. Über die Hälfte wünschen sich, mindestens ab und zu von zu Hause aus arbeiten zu können. Und: Rund dreiviertel der Befragten, deren Beruf Homeoffice generell zulässt, werden ein geeignetes Homeoffice-Angebot bei der künftigen Wahl einer neuen Arbeitsstelle als wichtig ansehen.

Das könnte auch für die über 600.000 Stellen gelten, die laut Bundesagentur für Arbeit derzeit unbesetzt sind. Im War for Talents sollten Arbeitgebende auch trotz Corona attraktive Arbeitsbedingungen schaffen. Homeoffice ist aktuell ein geeignetes Mittel dafür: So würde nach einer Studie des Netzwerks XING fast die Hälfte der potenziellen Jobsuchenden einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen, wenn der neue Arbeitgeber neben Präsenzarbeit auch die regelmäßige Arbeit im Homeoffice ermöglicht.

Warum funktioniert der Alltag wirklich (nicht)?

Dennoch ist mit Sicherheit nicht alles Gold was glänzt. Ein großes Manko an Homeoffice scheint vielerorts die IT zu sein. Anders ausgedrückt: mangelhafte oder nicht richtige Geräte und Strukturen. Zum Beispiel hat sich das vergleichsweise kostengünstige BYOD-Konzept (Bring Your Own Device) gleich aus mehreren Gründen nicht als die beste Lösung durchsetzen können. Erstens verstoßen Mitarbeitende unter Umständen gegen Datenschutzbestimmungen, wenn sie mit ihrem privaten Handy geschäftliche Inhalte besprechen. Zweitens sind private Geräte selten so gut gesichert wie dienstliche. Drittens sind Mitarbeitende ununterbrochen erreichbar, wenn sie ein Gerät privat und beruflich nutzen. Frust über Homeoffice kam auf!

Dabei ist es nicht das Konzept, das scheitert, sondern dessen Umsetzung. Auch BYOD lässt sich mit wenigen Schritten erfolgreich etablieren. Wird auf Mobiltelefonen beispielsweise mittels MDM-Lösungen (Mobile Device Management) das sogenannte Sandboxing angewendet, werden die Inhalte in Containern logisch und physikalisch voneinander getrennt und machen das Smartphone DSGVO-konform. Sicher müssen Arbeitgebende dann noch in eine Endpointsecurity investieren, zum Beispiel zum Schutz des ausgehenden Datenverkehrs. Aber kostengünstig bleibt das Konzept dennoch.

Generell gilt, dass sich Unternehmen mit ihren IT-Strukturen anpassen und über Security-Strategien nachdenken müssen. Denn: Natürlich kommen auf die IT-Verantwortlichen ganz andere Anforderungen an Sicherheit zu, wenn alle Mitarbeitenden verstreut sind, statt unter einem Dach zu arbeiten. Sich an diese Gegebenheiten anzupassen, sollte aber kein Hindernis für den Unternehmenserfolg sein.

Wichtige und oft nicht diskutierte Aspekte der Gleichung, ob das Homeoffice-Modell aufgeht oder nicht, sind Eitelkeit und Kontrolle. Für ersteres gilt: Wenn Eitelkeit im Spiel ist, zeigt sich leider auch, dass Arbeitgebende sich und anderen nicht eingestehen können, dass Homeoffice trotz aller Widrigkeiten und Hindernisse dennoch funktioniert. Zur Kontrolle muss gesagt werden: Die Regierung hat Unternehmen durch Corona-Verordnungen und Empfehlungen die Entscheidungen abgenommen. Plötzlich müssen sie mit der Aufhebung der Regeln und Empfehlungen selbst aktiv Entscheidungen treffen. Schnell merken Arbeitgebende den Widerstand gegen eine Präsenz im Büro.

Gerade Unternehmen, die von starken und eher konservativ-eingestellten Führungskräften geleitet werden, kommen daher durch den Mix aus Kontrolle und Eitelkeit in die berühmte Zwickmühle: Sollen sie eigene Interessen durchsetzen und schwindenden Rückhalt der Belegschaft in Kauf nehmen, inklusive schlechten öffentlichen Bewertungen? Oder sollen sie Mitarbeitende nach ihren Wünschen befragen, um ein gemeinsames Modell zu entwickeln. Zweiteres birgt dann das gefühlte Risiko eines Machtverlustes und weiterer Forderungen, wenn die Belegschaft einbezogen wird.  

Wie wird Homeoffice zum Erfolg beitragen

Vielmehr ist ein Dialog die Chance, die positiv auf das Unternehmen zurückstrahlt. Allgemein muss klargestellt sein, dass alle Maßnahmen zur Umsetzung von Homeoffice nicht als Schreckensaufgaben gesehen werden dürfen. Chef:Innen, die sich von vornherein gegen Homeoffice wehren, haben nicht das richtige Mindset und werden immer mit dem Modell unzufrieden sein. Das Argument, „Never change a running system“ gilt eben nicht aus Sicht von Henry Ford, „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

Darüber hinaus hilft es, die klassische Kommunikation nicht eins zu eins in die digitale zu übersetzen. Die Körpersprache oder Mimik zum Beispiel sind auf menschliche Interaktion trainiert. Manche Berufsgruppen, wie Vertriebler oder Berater, sollten ausprobieren, wie sie digital wirken, wie ihre wichtigsten Argumente rüberkommen, wo sie monoton und langweilig scheinen. Dafür kommen neue Techniken und Skills hinzu, die digital nutzbar und analog undenkbar waren. Sie wiederum erleichtern Gespräche.

Schließlich gilt, dass Homeoffice ein ergebnisorientiertes Arbeitsmodell ist. Durch die neue Arbeitsumgebung werden die räumlichen und zeitlichen Barrieren aufgeweicht. Statt 40 Stunden pro Woche von 08.00 bis 17.00 Uhr vor dem heimischen PC zu sitzen, bietet es sich geradezu an, den Alltag zu integrieren. Definierte Wochenarbeitszeiten oder Projektziele erlauben es den Mitarbeitenden eigenverantwortlich zu sein. Das baut enorm Stress ab und steigert die Motivation und Leistungsbereitschaft.

Fazit

Eine Veränderung der Arbeitswelt ist nicht neu. Sicherlich gab es adäquate Aufschreie, als die Handarbeit von der Dampfmaschine revolutioniert wurde. Social-Media-Timelines aus der damaligen Zeit wären heute sicher unfassbar amüsant. Nichtdestotrotz hat das Fließband die Handarbeit nicht ersetzt. Auch das Büro ist wegen Homeoffice nicht tot. Hybride Arbeitsmodelle sind sehr gefragt und werden in Zukunft über die Attraktivität eines Arbeitgebers entscheiden.

Der heimische Arbeitsplatz lohnt sich also nicht nur, um aktuellen und künftigen Krisen gewachsen zu sein. Gerade jüngere Generationen entscheiden sich für einen neuen Arbeitsplatz anhand der modernen technischen Ausstattung und der einhergehenden Flexibilität der Arbeitszeit und des Arbeitsortes. Im War for Talents wird das Arbeitsmodell Homeoffice daher zur Chance für Unternehmen, die vor der Pandemie ein Standortproblem hatten. Flexible Arbeitszeiten und mobile Arbeitsplätze schaffen Wettbewerbsvorteile, die es vorher nicht gab.

Marc Oliver Hugger, CEO
Marc Oliver Hugger
CEO, TRESONUS GmbH & Co. KG
Marc Oliver Hugger ist CEO der TRESONUS GmbH und Co. KG. Das 2019 gegründete Unternehmen unterstützt seine Kunden mit Spezialisten für Prozesse, Strategie, Marketing und PR bei der Re-Organisation, Re-Strukturierungen, Kosteneffizienz sowie beim Markenaufbau und ist Pionier des Now-Marketings. Dabei verbindet TRESONUS Unternehmensberatung mit einer Hands-on-Mentalität und begleitet Kunden bei der Umsetzung oder setzt Maßnahmen auf Wunsch direkt um.

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