Neue Modelle und Chatbots prägen die öffentliche Wahrnehmung von KI. Doch die entscheidenden Fragen betreffen inzwischen Anwendungen, Arbeitswelt und gesellschaftlichen Wandel. Das Festival der Zukunft 2026 zeigt, wie vielschichtig die KI-Debatte geworden ist.
Vor wenigen Jahren drehte sich die Debatte über Künstliche Intelligenz vor allem um ihre Fähigkeiten. Kann eine KI Bilder erzeugen? Texte schreiben? Software entwickeln? Heute stehen andere Fragen im Mittelpunkt: Wie verändert KI industrielle Prozesse? Welche Rolle spielt sie künftig in der Produktentwicklung? Was passiert, wenn intelligente Systeme beeinflussen, wie Menschen Informationen finden und sich eine Meinung bilden? Mit anderen Worten: Die wichtigsten KI-Fragen beginnen dort, wo KI Teil der realen Welt wird.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Programm des Festivals der Zukunft wider. Mit dem Schwerpunkt AI & Robotics versammelt das Festival auch in diesem Jahr wieder Forschende, Unternehmer:innen und Expert:innen, die sich mit den technologischen Grundlagen ebenso beschäftigen wie mit den praktischen Anwendungen und gesellschaftlichen Folgen der Technologie.
Die Fragen werden größer
Denn die Entwicklung der KI berührt grundlegende Themen wie Bewusstsein, Entscheidungsfähigkeit und die zukünftige Rolle intelligenter Systeme in unserer Gesellschaft.
Die Diskussion beginnt mit einem Blick auf die technologischen Grundlagen. Den AI-Track eröffnet Björn Ommer, einer der führenden Forscher im Bereich Generative AI. Von dort spannt das Programm den Bogen bis zu Fragen, die Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft betreffen. KI-Experten wie Joscha Bach und Gregor Schmalzried zeigen, wie weit die Debatte inzwischen reicht. Während Bach in „Deus Ex Machina: Was passiert, wenn die Künstliche Intelligenz erwacht?“ Themen wie Bewusstsein, Kontrolle und die philosophischen Implikationen der KI-Revolution aufgreift, beschäftigt sich Gregor Schmalzried mit einer anderen Beobachtung: Agenten für alle, neue KI-Infrastrukturen, immer bessere Modelle – und trotzdem scheint die Welt vor dem Fenster bislang erstaunlich unverändert.
Die Leistungsfähigkeit von KI bleibt ein zentrales Thema. Immer stärker rückt jedoch in den Vordergrund, welche Folgen diese Entwicklung tatsächlich haben wird.
Die Anwendungen werden konkreter
Während die Forschung über die langfristigen Perspektiven der KI diskutiert, zeigt sich an anderer Stelle bereits ganz konkret, wie die Technologie eingesetzt wird. Die Debatte verschiebt sich von der Frage, was KI leisten könnte, hin zur Frage, wie sie heute bereits genutzt wird.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Tools, sondern ganze Prozesse. Die Session „AI in Action: Turning Industrial Data into Competitive Advantage“ mit KI-Experten wie Sonja Holl-Supra und Nathan Gruber beschäftigt sich mit Anwendungen in Produktion, Qualitätskontrolle, Wartung und Lieferketten. Anhand konkreter Beispiele zeigt sie, wo KI bereits heute messbaren Mehrwert schafft und wie Unternehmen den Schritt von der Experimentierphase zur breiten Anwendung meistern können.
Auch die Produktentwicklung verändert sich. In „AI in Product Development: From Tool to Teammate“ beschreibt Sören Münker vom Softwareunternehmen PTC, wie KI den gesamten Produktlebenszyklus beeinflusst – von Requirements Engineering und Design über Fertigung und Service bis hin zum Change Management. Im Mittelpunkt stehen Systeme, die Produktdaten, Prozesse und Expertenwissen miteinander verbinden und Entscheidungen aktiv vorbereiten.
Besonders greifbar wird die Entwicklung in der Robotik. Rudolf Triebel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellt einen Ansatz vor, mit dem Roboter neue Objekte erkennen, rekonstruieren und mit ihnen interagieren können. Die Methode wird während der Session live demonstriert und macht sichtbar, wie eng KI und Robotik inzwischen zusammengewachsen sind.
Doch die Veränderungen betreffen nicht nur Produkte und Prozesse, sondern auch Organisationen. Sylvia Djerbouas Session „Vom Human Startup zum KI-Scaleup: Wie gestalten wir Führung und Arbeit, wenn KI alles schneller macht?“ richtet den Blick auf die Auswirkungen von KI auf Führung, Unternehmenskultur und Zusammenarbeit. Denn wenn technologische Entwicklung schneller wird, verändern sich auch die Anforderungen an die Menschen, die mit ihr arbeiten.
Die Anwendungen werden damit konkreter und reichen zunehmend bis in die Strukturen von Unternehmen hinein.
Die Folgen werden spürbarer
Je stärker KI in Wirtschaft und Alltag Einzug hält, desto wichtiger werden die Fragen, die sich nicht allein technisch beantworten lassen. Wie verändert sich öffentliche Meinungsbildung, wenn KI-Systeme Antworten direkt liefern und Quellen zunehmend in den Hintergrund treten? Dieser Frage widmet sich die Festivalsession „Antworten ohne Absender: Was bleibt vom Journalismus, wenn KI antwortet?“ mit unterschiedlichen Expert:innen aus Forschung und Journalismus. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen KI-vermittelter Informationssysteme auf Öffentlichkeit, Demokratie und Journalismus.
Auch die Diskussion „Zu viel Künstliche Intelligenz auf einmal?“ richtet den Blick auf die Geschwindigkeit des Wandels. Die zentrale Frage, die unter anderem Claudia Eckert (acatech) und Sven Seuken (Tools for Humanity) diskutieren, lautet: Verändert KI unsere Gesellschaft schneller, als sich Institutionen, Arbeitsmarkt und öffentliche Debatten anpassen können?
Die Folgen der Technologie zeigen sich damit in weit mehr als nur in Anwendungen oder Geschäftsmodellen. Sie betreffen die Art, wie Menschen Informationen finden, sich eine Meinung bilden, arbeiten und mit tiefgreifenden technologischen Veränderungen umgehen.
Die Debatte geht weiter
Die Frage, was KI kann, wird uns noch lange beschäftigen. Die Fragen, die daraus entstehen, sind jedoch größer geworden. Sie betreffen Unternehmen ebenso wie Gesellschaften, Produkte ebenso wie öffentliche Debatten.
Wer verstehen möchte, wohin sich Künstliche Intelligenz entwickelt, muss heute mehr betrachten als neue Modelle und Tools. Das Festival der Zukunft vom 2. bis 5. Juli 2026 auf der Münchner Museumsinsel bietet dafür die passende Bühne. Informationen zu Programm und Tickets gibt es hier.