Save now, buy later

Sparen und Konsum unter einem Dach. Ein Interview mit Guido Kuhring von MANGOPAY und Martin Granig von Monkee zum Thema “Save now, buy later”.

Wir alle kennen inzwischen das Konzept “Buy now, pay later” (BNPL). Wo steht dieser Ansatz aktuell?

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Guido Kuhring, MANGOPAY: Für Marktplätze basiert das Wachstum auf vielen Faktoren: Optimierung der Conversion Rate, Steigerung der Verkaufszahlen, Kundenerfahrung usw. Vor allem aber geht es darum, sich an den Markt und die Erwartungen der Verbraucher anzupassen. Die Teilzahlung oder BNPL ist eine sehr beliebte Lösung für Kunden, die von flexiblen und leicht zu verwaltenden Zahlungsmöglichkeiten angezogen werden. Natürlich ist diese Art der Kreditaufnahme ein Wachstumstreiber für B2C-Marktplätze, aber sie ist in erster Linie ein Finanzinstrument, das von den Nutzern verantwortungsvoll eingesetzt werden sollte. Die Flexibilität, die BNPL bietet, kann die Verbraucher potenziell dazu verleiten, mehr auszugeben, als sie sich leisten können. Während es in einigen Ländern wie Australien und dem Vereinigten Königreich bereits entsprechende Regelung gibt, ist dies in Europa noch nicht der Fall. Es gibt also keinen rechtlichen Rahmen, um privater Verschuldung vorzubeugen, was problematisch sein kann.

Andererseits stellt BNPL im B2B-Bereich für viele Wirtschaftsakteure eine echte Chance dar. In der Tat ist der Zahlungsaufschub die Grundlage der Kunden-Lieferanten-Beziehungen in der B2B-Welt. In Frankreich zum Beispiel zahlen die Kunden mehr als 60 Tage im Voraus. Dies kann zu Problemen führen. Außerdem können Zahlungsverzögerungen die Ursache für wiederkehrende Cashflow-Schwierigkeiten der Lieferanten sein. In Frankreich, wo mehr als die Hälfte aller Rechnungen verspätet bezahlt werden, sind 25 Prozent der Insolvenzen von KMU auf Zahlungsverzug zurückzuführen. Das Interesse von BNPL im B2B-Umfeld basiert darauf, liquide Mittel aus fälligen Rechnungen freizusetzen, um sie wieder für die Arbeitsabläufe einzusetzen.

Martin Granig, Monkee: Grundsätzlich ist BNPL nicht per-se schlecht. Es gibt durchaus wichtige Anwendungsfälle, für die BNPL auch ursprünglich entwickelt wurde. Wie beispielsweise bei einem gesundheitlichen Notfall, den man finanziell nicht allein stemmen kann oder wenn das Auto, auf das man für die Arbeit angewiesen ist, kaputt geht. In diesen Fällen geht es aber vor allem darum, in einem Notfall schnell die finanzielle Lücke schließen zu können. Leider hat sich BNPL aber immer mehr in die Richtung entwickelt, sich klassische Konsum-Wünsche (wie einen neuen TV, Kleidung, etc) zu erfüllen, obwohl man das Geld dazu nicht hat. Studien dazu haben gezeigt, dass BNPL Impulskäufe triggert und dazu führt, dass gerade im aktuellen Umfeld immer mehr Menschen Probleme mit den Rückzahlungen haben. Man verliert den Überblick über seine Verbindlichkeiten, vergisst eine davon und so wird schnell aus einer 15 Euro Rückzahlung eine 40 Euro Forderung des Inkasso-Büros. Dass dies Auswirkungen auf ihren Schufa-Score und später auf einen möglichen Kredit für einen Hausbau oder Wohnungskauf haben kann, daran denken die dabei die wenigsten Konsumenten.

Außerdem zeigen aktuelle Diskussionen rund um Klarna und andere BNPL-Anbieter, dass dieses System über die letzten Monate bis Jahre zwar funktioniert hat, aber das Geschäftsmodell dieser Unternehmen jetzt durch deutlich höhere Kreditkosten und signifikant höhere Zahlungsausfälle zunehmend unter Druck gerät.

Warum sollten Konsumenten das Konzept “Save now, buy later” (SNBL) in Betracht ziehen und warum können sie nicht einfach selbst Geld sparen?

Guido Kuhring, MANGOPAY: SNBL unterstützt Konsumenten beim Sparen und bietet ihnen eine verantwortungsvolle Einkaufsmöglichkeit. Außerdem hilft das Konzept den Marktplätzen dabei, mehr Kunden zu erreichen. Und auch für die Plattformen ist es von Vorteil, wenn sie angesichts der steigenden Kundengewinnungskosten eine engere Beziehung zu ihren Kunden aufbauen können. Also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Martin Granig, Monkee: Für uns stehen BNPL und SNBL nicht in direkter Konkurrenz. BNPL hat dort seine Stärken, wo Menschen sehr schnell und unvorhergesehen Geld benötigen. SNBL ist vor allem bei planbaren Anschaffungen die bessere Alternative. Der Urlaub aber auch Ersatzbeschaffungen von Smartphones, Laptops oder Autos sind grundsätzlich gut vorhersehbar. Man kann und sollte finanziell darauf vorbereitet sein, dass diese Dinge auch einmal kaputt gehen. Des Weiteren gibt es aber auch Einkäufe, die nicht in die Kategorie der „unbedingt notwendige Anschaffungen“ sondern in die Kategorie „Wünsche“ fallen. Bei diesen Anschaffungen können Verbraucher auch einmal ein bisschen länger warten, bis sie sich das Geld dafür angespart haben.

Die Idee hinter SNBL ist ja grundsätzlich schon sehr lange in der Gesellschaft verankert und geht auf Grundsätze wie „kein Geld ausgeben, das man nicht hat“ zurück. Mit Monkee haben wir dieses Prinzip modernisiert und in das digitale Zeitalter gebracht. Außerdem zeigen wir, dass Sparen nicht gleich Verzicht bedeutet. Ganz im Gegenteil – wir machen Sparen so einfach und motivierend wie noch nie und helfen Menschen so dabei, ihre finanziellen Ziele nicht nur zu definieren, sondern sie auch wirklich zu erreichen.

Wie hilft die App den Menschen, ein finanziell gesünderes Leben zu führen? 

Martin Granig, Monkee: Studien zeigen, dass Geldsorgen den #1-Faktor für Stress darstellen. Eine mangelnde finanzielle Gesundheit wirkt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche negativ aus – von der physischen und mentalen Gesundheit bis hin zu unseren Beziehungen und unserer Arbeitsleistung. Vor allem Gedanken an die Liquidität der nächsten 12 bis 24 Monate verursacht bei vielen Menschen Stress und schlaflose Nächte. Monkee hilft dabei, finanzielle Puffer aufzubauen und mehr Geld für die eigenen Ziele zu sparen. Über Gamifizierung und digitale Nudges motiviert die App dazu, auch kleine Beträge zwischendurch zu sparen und zeigt damit, dass sich diese über den Monat zu recht signifikanten Beträgen aufsummieren, ohne dass es sich nach Verzicht anfühlt. Mit jedem Klick kommt man so seinem Sparziel wieder ein paar Euro näher und durch die digitalen „High Fives“ in der App fängt man an, wieder positive Verbindungen mit dem Thema Sparen herzustellen. 

Zusätzlich bietet Monkee mit verschiedenen Spar-Challenges und automatisierten Sparregeln verschiedenste motivierende Anreize. Der FutureBoost bietet dabei eine Möglichkeit, die eigenen Ersparnisse schneller wachsen zu lassen und damit seine Ziele noch schneller zu erreichen: Indem man die Dinge, die man sowieso kaufen würde, bei einem der über 350 Monkee Partnerunternehmen kauft, bekommt man Geld zurück auf sein Sparkonto. So lassen Nutzer ihre Ersparnisse im Durchschnitt um über 10 Prozent pro Jahr wachsen, indem einfach ein Teil der ohnehin notwendigen Einkäufe über unser Partnernetzwerk durchgeführt werden.

Wie funktioniert dieses Konzept technisch?  

Martin Granig, Monkee: Sobald ein Nutzer sich in der App registriert, wird im Hintergrund bei unserem Payment-Partner MANGOPAY ein Konto auf dessen Namen erstellt. Die Abwicklungen der Zahlungen, die Besicherung der Konten und die notwendige Authentifizierung erfolgt ebenfalls über MANGOPAY. Die Registrierung und Kontoerstellung dauert nicht länger als drei Minuten und nachdem man sein bestehendes Konto mit unserer App verbunden hat, kann man schon mit dem Sparen beginnen.

Guido Kuhring, MANGOPAY: MANGOPAY hat eine Payment-Lösung entwickelt, die den sehr spezifischen Herausforderungen von Marktplätzen und Plattformen gerecht wird. Unsere Technologie, die komplett API basiert ist, ermöglicht es Monkee, Zahlungen sehr einfach zu akzeptieren, Gelder über unsere eigene E-Wallet-Technologie zu sperren, Zahlungen aufzuteilen und Auszahlungen überall auf der Welt zu verwalten. Darüber hinaus ermöglichen wir es Monkee, die Verwaltung und das Hinzufügen neuer Nutzer innerhalb ihrer Plattform zu optimieren, indem wir die Verwaltung von KYC/KYB automatisieren. Mit der MANGOPAY-API ist Monkee dazu in der Lage, jederzeit Benutzer, Wallets und Zahlungen zu erstellen. Dies kann automatisch über die Monkee-App geschehen, die mit der MANGOPAY-API verbunden ist. Der Kern unserer Leistung lag darin, die Herausforderungen von Monkee zu verstehen, um dem Team immer leistungsfähigere und flexiblere Lösungen anzubieten, die seine Entwicklung erleichtern.

Und welche Strukturen sorgen für Sicherheit auf allen Seiten? 

Martin Granig, Monkee: Die Sicherheit des Geldes und der Daten unserer Nutzer haben bei Monkee oberste Priorität. Sowohl MANGOPAY als auch Monkee haben verschiedenste Sicherheitsmechanismen implementiert, um die Sicherheit der Daten und der Gelder jederzeit zu 100 Prozent zu gewährleisten. Nur der jeweilige Nutzer selbst bestimmt, was mit seinem Geld passiert. Modernste Authentifizierungsverfahren schützen Daten und Konten zudem jederzeit vor dem Zugriff durch Dritte.

Guido Kuhring, MANGOPAY: Der Schutz der Nutzer unserer Kunden wie Monkee ist Teil unserer DNA. Bei MANGOPAY unterstützen wir seit 2013 über 2.500 Marktplätze und Plattformen. Unsere White-Label-Lösung ermöglicht es uns, alle Finanzströme wie Ein- und Auszahlungen, eine unbegrenzte Anzahl von E-Wallets, aber auch die Identifizierung Ihrer Nutzer durch die Verwaltung des KYC- und KYB-Teils zu verwalten.

Unsere Stärke ist die absolute Sicherheit von Zahlungen und Transaktionen mit mehreren Tools zur Verhinderung von Betrug und Geldwäsche. Wir verifizieren die Benutzer gemäß den neuesten europäischen und lokalen Vorschriften. Darüber hinaus analysieren unsere Teams sorgfältig neue regulatorische Entwicklungen, um sich an sie anzupassen und ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Darüber hinaus wird durch regelmäßige Audits sichergestellt, dass in unserer Umgebung keine sensiblen Kartenzahlungsdaten gespeichert werden. Wir sind ein zertifizierter PCI-Händler der Stufe 1.

Und schließlich sorgen unsere europäische Banklizenz und die Zusammenarbeit mit unserer lokalen Regulierungsbehörde dafür, dass wir die Anforderungen von PSD2 und den neuesten Zahlungsrichtlinien erfüllen.

Wie garantieren die Anbieter von SNBL ihren Kunden, dass ihr Geld zuverlässig verfügbar ist, wenn sie es brauchen?

Guido Kuhring, MANGOPAY: Eine der häufigsten Sorgen der Verbraucher ist das mangelnde Vertrauen bei der Eingabe von Zahlungsdaten zum Abschluss eines Kaufs. In der Vergangenheit waren Marktplätze und Akteure wie Monkee lediglich Vermittler, die die Geschäftsbeziehungen erleichterten, aber heute sind sie wirklich vertrauenswürdige Dritte und Meister ihres Ökosystems. Die Verbraucher sind eher bereit, Dienstleistungen von seriösen und vertrauenswürdigen Marken zu kaufen. Marktplätze müssen in der Lage sein, auf die Wünsche ihrer Kunden einzugehen und sie in ein einwandfreies Nutzererlebnis umzusetzen, um die Kundenbindung zu gewährleisten.

Deshalb sind unsere E-Wallets 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche einsatzbereit. Das Geld dort ist nicht im Besitz von MANGOPAY oder Monkee, sondern gehört dem jeweiligen Kunden. Diese können jederzeit eine Auszahlung über die Monkee-App erstellen und das Geld wird auf das entsprechende Referenzkonto ausgezahlt.

Martin Granig, Monkee: Das gesparte Geld wird in E-Geld-Konten bei MANGOPAY angelegt und kann jederzeit mit nur zwei Klicks wieder zurück auf das Referenzkonto ausgezahlt werden – auf Wunsch auch in Echtzeit. Dabei ist das Geld der Nutzer innerhalb von wenigen Minuten wieder auf ihrem eigenen Konto. E-Geld-Konten können außerdem nur auf Guthaben-Basis geführt werden und haben daher auch keinen negativen Einfluss auf Schufa- oder Credit-Scores.

Guido Kuhring

MANGOPAY -

Head of Sales Central and Northern Europe

Guido Kuhring ist als Head of Sales Central and Northern Europe bei MANGOPAY für die Geschäftsentwicklung und das Wachstum des Scale-Ups in der Schlüsselregion Mittel- und Nordeuropa verantwortlich.

Martin Granig

Monkee -

CEO und Co-Founder

Martin Granig ist CEO und Co-Founder von Monkee. Der ausgebildete Betriebswirt und Marketingexperte hat mehr als 15 Jahre Management-Erfahrung im Konsumgüterumfeld.
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