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Die Beschleunigung des digitalen Wandels, den die deutsche Wirtschaft 2020 erlebt hat, hat zu einem starken Anstieg der E-Commerce-Aktivitäten im Allgemeinen geführt. Besonders das Thema Social Commerce zieht aufgrund einer rekordverdächtig hohen Nutzung der Social-Media-Plattformen - insbesondere während des ersten Lockdowns im Frühjahr - immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. 

Social Commerce hat das Zeug, sich zum beherrschenden Trend für den Onlinehandel im kommenden Jahr zu entwickeln - warum, erklärt Jimmy Jakobsson, CEO und Mitgründer von Ingager.

Große Zielgruppe

An welche Sorte von Käufern richtet sich Social Commerce? Ganz einfach: Potenziell an jeden einzelnen, der in den sozialen Medien aktiv ist. Und das ist sowohl in Deutschland wie auch auf globaler Ebene eine kontinuierlich steigende Anzahl an Menschen. Die Reichweite für Social-Commerce-Content ist als riesig. Und sie wächst, und zwar unaufhörlich.

Ein Blick auf die Nutzer-Demografie zeigt zudem, dass Social Commerce seit der Hochphase der Corona-Krise in Deutschland gerade in älteren Bevölkerungsgruppen stark an Beliebtheit hinzugewonnen hat: Sowohl die Boomer (Jahrgänge von 1945 bis 1960) als auch die Generation X (geboren zwischen 1961 und 1980) haben den Social Commerce für sich entdeckt.

Vorhandene Infrastrukturen

Blickt man auf die Kanäle, die als Social-Commerce-Plattformen prädestiniert sind, kommt man an aufgrund der hohen Zahl an aktiver Nutzern unter keinen Umständen vorbei. Danach folgt Instagram mit einem etwas jüngeren Durchschnittsalter der Nutzer. Auf TikTok will derzeit ohnehin jede Marke präsent sein, und auch Snapchat und Tiktok verfügen grundsätzlich über geeignete Funktionen für den Social Commerce.

Ein konkreter Trend, der sich hierzulande deutlich abzeichnet, ist das Live-Streaming-Shopping, das sich allem in Asien zu einem extrem beliebten Consumer-Format ist. Nimmt man diese Form des Contents als Gradmessern, sollte man auch Twitter und LinkedIn als mögliche Plattformen für den Social-Commerce nicht außer Acht lassen. Beide Netzwerke verfügen seit Kurzem beispielsweise über eine Story-Funktion, die die unkomplizierte Erstellung und Verbreitung von Bewegtbild-Inhalten ermöglicht.

Vielfältige Einsatzgebiete

Wenn wir über LinkedIn sprechen, sollten wir uns darüber bewusst werden, dass Social Commerce kein reines B2C-Thema ist. Klar: Die plumpen Kontaktanfragen von Fitness- und Sales-Coaches, die jede Woche massenhaft in unsere digitalen Postfächer flattern, tragen nicht dazu bei, dass das Business-Netzwerk für Netzwerken auf höchstem Qualitätsveau steht. Gleichwohl wäre es fatal, das Reichweitenpotenzial von LinkedIn mit 15 Millionen Nutzern alleine in der DACH-Region zu verachten.

Was Produkte und ihre Kategorien betrifft, ist die Erfolgsformel denkbar einfach: All das, was sich bereits im klassischen E-Commerce bewährt hat, hat sehr gute Chancen, auch im Social Commerce zum Kassenschlager zu werden. Dazu gehören physische Waren wie Kleidung, Möbel und Handy-Zubehör sowie digitale Produkte und Dienstleistungen auf Abo-Basis. Die Erfahrung zeigt: Wenn sich die Käufer an die neuen Vertriebskanäle gewöhnt haben, ebnet dies erfahrungsgemäß den Weg für neue Produktkategorien.

Wachstum

Soziale Netzwerke haben sich für viele Nutzer zur zentralen digitalen Infrastruktur entwickelt, sie fungieren als Tor und Filter für eine endlose Menge an digitalen Inhalten. Da sich die Zeit, die Nutzer auf digitalen Kanälen verbringen, weiterhin auf einige wenige Kanäle konzentriert, wird es für die Verbraucher immer selbstverständlicher, Produkte auf ihrem bevorzugten Social-Media-Kanal zu kaufen.

Ähnlich wie WeChat in China bieten nun auch die westlichen Plattformen - allen voran Facebook - Shopping-Lösungen an, die sowohl die Customer Journey als auch die Kommunikation zwischen Marke und Verbraucher vereinfachen. Die Einstiegsbarriere ist also denkbar niedrig, sodass beispielsweise auch kleine, stationäre Händler ohne große Umwege einen Zugang zum Social Commerce- finden können.

Vorreiter Asien

Asien im Allgemeinen und China im Speziellen gelten Vorreiter im Social Commerce. Im Jahr 2019 beispielsweise wurden im Reich der Mitte fast neun Prozent aller geschätzten E-Commerce-Verkäufe über Live-Streaming-Formate abgewickelt. Ein Trend, der während des ersten Lockdowns im März zu uns hinübergeschwappt ist, als E-Commerce per Live-Streaming erstmals von einer breiteren Masse an Marken und Händlern genutzt wurde.

Sich mit asiatischen Märkten wie China, Japan oder Korea messen zu wollen, wäre zwar weiterhin vermessen - sich von den wesentlichen Entwicklungen in Fernost inspirieren zu lassen, ist jedoch ein Schritt in die richtige Richtung. Fakt ist: Die Corona-Krise hat in Deutschland zweifelsohne dazu geführt, dass das die Digitalisierung für Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen nachhaltig an Relevanz hinzugewonnen hat.

Trend oder echter Hype?

Tatsächlich sind mehr als zwei Drittel der Führungskräfte in der DACH-Region davon überzeugt, dass die digitale Präsenz ihrer Unternehmen durch die Folgen von Covid-19 steigen wird. Für den Social Commerce ist das eine hervorragende Nachricht – schließlich würde dies wohl auch bedeuten, dass die Entscheide weitere Ressourcen für die digitale Kommunikation frei werden. Und damit für mehr Inhalte von Marken und Unternehmen in den sozialen Netzwerken.

Der wesentliche Erfolgsfaktor besteht darin, jene Plattformen zu identifizieren, auf denen man seine Verkäufe gezielt steigern kann. Dass dieses Umfeld in Zukunft die sozialen Medien sein werden, steht wohl außer Frage. Entsprechend wird sich auch der Markt für Social Commerce in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln.

Ob aus dem Trend ein echter Hype wird, hängt davon ab, wie die Konsumenten die neuen Inhalte annehmen werden. Dass der Social Commerce im Jahr 2021 jedoch seinen endgültigen Durchbruch feiern wird, ist so gut wie sicher.
  

Jimmy Jakobsson, CEO
Jimmy Jakobsson
CEO, Ingager

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