Zentrale Entwicklungen

Warum Software zum kritischen Faktor für medizinische Robotik wird

Gesundheit-KI-Robotik

Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Patientenerwartungen setzen das Gesundheitswesen unter Druck. Gleichzeitig wächst der Robotikmarkt rasant – Prognosen zufolge soll er sich bis 2030 mehr als verdreifachen.

Doch wie hoch ist die tatsächliche Akzeptanz im Gesundheitssektor – und was bedeutet das für 2026? Drei zentrale Entwicklungen zeichnen sich laut João Pereira, Director EMEA General Embedded Markets bei QNX, am Markt ab. 

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1. Fachkräftemangel erhöht den Bedarf an Robotik – doch die Umsetzung fehlt 

Laut einer aktuellen QNX-Umfrage gibt die Hälfte der weltweit befragten Führungskräfte aus der Wirtschaft an, dass ihr Unternehmen bereits Robotik einsetzt. Betrachtet man jedoch speziell die Gesundheitsbranche, sinkt diese Zahl auf 40 Prozent – dabei könnte diese Technologie genau hier eine große positive Wirkung erzielen. Denn gerade die Beschäftigten im Gesundheitswesen sind im Fokus des Leistungsdrucks: Fachkräftemangel, hohe Burnout-Raten und alternde Patientenpopulation sind nur einige Gründe. Diese Herausforderungen im Personalbereich stehen für Führungskräfte im Gesundheitswesen an erster Stelle. 75 Prozent der Befragten aus dem globalen Gesundheitswesen geben an, dass der Fachkräftemangel ein entscheidender Faktor für ihre Entscheidung zur Einführung von Robotik ist. Doch nur 9 Prozent beabsichtigen, dies innerhalb des nächsten Jahres in die Tat umzusetzen. Was hält den Großteil angesichts der Dringlichkeit von diesen Plänen ab? 

2. Sicherheit und Datenschutz werden das entscheidende Auswahlkriterium 

Im Gesundheitssystem sind sensible Daten ein heikles Thema. Besonders beim Einsatz von Robotik-Technologien sind Sicherheitsbedenken bei den Befragten sehr weit oben auf der Agenda (64 Prozent / mehr als der Durchschnitt von 58 Prozent in den anderen untersuchten Branchen). Nicht umsonst werden gesundheitsbezogene Daten bei medizinischen Einrichtungen oft noch gefaxt und auch die Einführung der digitalen Patientenakte geht nur schleppend voran. 

Für Entscheider bedeutet das: Sicherheitsmechanismen dürfen nicht nachträglich ergänzt werden, sondern müssen Teil der Systemarchitektur sein. Eine Microkernel-basierte Softwarearchitektur reduziert beispielsweise die Angriffsfläche, indem zentrale Systemfunktionen isoliert werden. Gleichzeitig erleichtern vorab zertifizierte Komponenten die Einhaltung von Normen wie IEC 62304. Wer Robotik einführt, sollte daher genau prüfen, welche Sicherheitsnachweise der Software-Stack bereits mitbringt und wie klar der Weg zur eigenen Produktzertifizierung definiert ist. 

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3. Vertrauen hängt stark vom Einsatzszenario ab 

Laut derselben Umfrage äußern Gesundheitsentscheider äußern zwar grundsätzlich Vertrauen in Robotik für wesentliche Aufgaben (72 Prozent), dennoch sprechen weniger als zehn Prozent von vollem Vertrauen in autonome Systeme. Je näher die Aufgaben der Robotik-Systeme an den Patienten oder medizinischen Eingriffen liegen, desto geringer ist auch die Akzeptanz für die Technologie. Gleichzeitig zeigen Studien, dass robotergestützte Operationen die Präzision erhöhen, menschliche Fehler reduzieren und die langfristigen Ergebnisse für Patienten verbessern.  

Für Hersteller und Betreiber von Robotik-Systemen heißt das meist, dass sie sich zunächst in risikoärmeren Anwendungsfällen beweisen müssen. Bewährt sich das System nachweisbar und zuverlässig, wird das Einsatzspektrum meist sukzessive erweitert. Besonders Transparenz über Leistungsgrenzen, deterministisches Echtzeitverhalten und nachvollziehbare Sicherheitskonzepte werden dabei zu zentralen Argumenten. 

Robotik wird zunehmend zum Einsatz kommen – entscheidend ist aber das Fundament 

Aufgaben, die das Wohlergehen des Menschen oder emotionale Intelligenz betreffen, erfordern in der Regel ein höheres Maß an Vertrauen, das von den derzeitigen Robotersystemen noch nicht erreicht wird. Gerade diese patientenorientierten Zielsetzungen der Führungskräfte im Gesundheitswesen sind die wichtigsten Faktoren, die ihre Entscheidung zur Einführung der Robotik beeinflussen.  

Das Gesundheitswesen steht 2026 vor einem Wendepunkt. Der Druck zur Automatisierung wächst, doch Sicherheitsbedenken und regulatorische Hürden bremsen die Dynamik. Wer jedoch frühzeitig auf architektonisch klar getrennte, echtzeitfähige und zertifizierungsunterstützende Systeme setzt, schafft die Basis für belastbare und zukunftsfähige Geschäftsmodelle. 

Autor: João Pereira, Director EMEA General Embedded Markets bei QNX

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