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RPA

Alexander Steiner, Chief Solution Architect der meta:proc GmbH, über den drohenden Stillstand in der Automatisierungsbranche und darüber, warum ein reiner RPA-Hype nicht mehr ausreicht.

„Schon seit den ersten wackligen Gehversuchen der Robotic Process Automation in den frühen 2000er Jahren lesen wir die immer gleichen Schlagzeilen: RPA als Trend für die Zukunft, als Heilsbringer für mehr Effizienz und dabei auch immer weiter auf dem Vormarsch in deutschen sowie ausländischen Unternehmen. Auch 2020 bescheinigt die alljährliche IDG-Studie dem Automationswunder wieder eine einzigartige Erfolgsgeschichte. 22 Prozent der Befragten messen RPA bereits eine große Bedeutung in ihrem Unternehmen bei, über 27 Prozent erwarten eine Steigerung bis zum Jahr 2025. Deutlich mehr als die Hälfte der Betriebe wollen zukünftig in die Technologie investieren. Sie besticht laut Umfrage durch geringen Implementierungsaufwand und erhält das Prädikat ‚Digitalisierungsturbo‘. Aussagen und Zahlen, die durchaus verständlich erscheinen. Robotic Process Automation hat eine Vielzahl von Potenzialen freigelegt. Viele Unternehmen haben erkannt, dass die menschliche Arbeitskraft für geschäftliches Wachstum in der modernen Arbeitswelt robotergesteuerte Unterstützung braucht – und die Anpassung dauert weiterhin an. Doch wir sollten langsam auch erkennen, dass die reine Fokussierung auf ein einziges Automations-Tool zwangsläufig in eine Sackgasse führt. Ist es an der Zeit für einen neuen Trend?“

Neue Ansätze, neue Lösungen

„Roboterbasierte Prozessautomatisierung hat sich seinen ersten Platz in der Liste der Effizienzsteigerer für Unternehmen redlich verdient: Ihre Vorteile für die Anwender sind spürbar, messbar und gut dokumentiert. Doch kommt auch die erfolgreichste Optimierung irgendwann an ihre Grenzen – zumindest auf sich allein gestellt. Dieses Phänomen teilt RPA mit vielen Technologien. Dem Gartner Hype Cycle zum Beispiel ist dieses Phänomen ebenfalls wohl bekannt. Technologien, die nicht in der Lage sind, sich dynamisch weiterzuentwickeln, werden hier nicht selten als Zombie oder Phoenix eingestuft, je nachdem, ob sie einfach nur lange Zeit im Bereich der ‚Ernüchterung‘ verweilen oder durch externe Trigger ständig zwischen ‚Begeisterung‘ und ‚Ernüchterung‘ pendeln. Karl Lagerfeld war bis zu seinem Tode der Meinung, Trends hielten nicht länger als sechs Monate, bevor etwas Neues sie ersetzt. Nicht nur hat RPA diesen Zeitraum schon lange überstanden, was wäre, wenn das Tool seinen Platz überhaupt nicht räumen müsste? Braucht es immer diese eine neue Idee, die alles andere in den Schatten stellt und die Konkurrenz vom Markt drängt? Schon in der Vergangenheit hat Robotic Process Automation das Gegenteil bewiesen, indem es sich immer wieder weiterentwickelt hat: Anfangs nur für den Kundenservice gedacht, zeigten sich modernere Softwareroboter schon früh in der Lage, auch in so ziemlich allen anderen Bereichen repetitive Aufgaben zu übernehmen – und je mehr Zeit verging, desto komplexer wurden auch die Anforderungen. Zuletzt sorgte die Integration von KI-Systemen für den größten Sprung innerhalb der Möglichkeiten von RPA. Der nächste Schritt bezieht neben künstlicher Intelligenz nun auch die zuvor koexistierenden Anwendungen mit ein.“

Verknüpfen statt Ersetzen

„Robotic Process Automation kann für sich allein schon eine große Wirkung erzielen. Nach dem Status ‚vollautomatisiert‘ besteht allerdings für diesen einzelnen Prozess keine weitere Möglichkeit zur Verbesserung. Orchestrierung heißt die Lösung, der neueste Kniff zur Verbesserung der Arbeitsabläufe. Dienste, Prozesse, Webservices, Anwendungen oder Workloads können zu einem Gesamtservice kombiniert werden – ganz nach dem Motto ‚Verknüpfen statt Ersetzen‘. Wenn wir schon von Trends reden, können wir uns in der Prozessentwicklung auch gleich einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung anschließen: Schluss mit der Wegwerfgesellschaft. Durch Orchestrierung lässt sich auch ältere Automatisierungstechnologie weiterhin nutzen und durch die Kombination mit RPA oder künstlichen Intelligenzen auf ein neues Level heben. Mit diesem Zusammenspiel erschließt sich eine neue Leistungsfähigkeit – Anwendungen, Prozesse und ganze Abteilungen profitieren von der Vernetzung und voneinander. Will heißen: Weg von einer ‚pseudo Prozessautomation‘, die nüchtern betrachtet bei den meisten RPA Implementierungen eine reine ‚Taskautomation‘ ist, hin zu echter Prozessautomation, die ihrem Namen auch gerecht wird. Ein neuer Trend also? Nein, vielmehr ein Umdenken. Höher, schneller, weiter führt unwillkürlich zu Stillstand. Es wird Zeit, völlig neue Wege zu gehen.“

www.metaproc.com


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