Frau hält Kraftfeld

Innere Unruhe? Stress? Schweißausbrüche? Digitalisierung macht Angst – oder mindestens Unbehagen. Angst vor Neuem, Angst vor Aufwand, Angst vor der potenziellen Überwachung oder dem Datendiebstahl. 

Dazu passt, dass gemäß des Digitalisierungsindexes Mittelstand, einer Studie, die techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom durchgeführt hat, über die Hälfte der deutschen Mittelständler Digitalisierung nicht in der Geschäftsstrategie verankert haben. Mit einer anderen Denkweise ist die Digitalisierung aber kein Horror.

Die Digitalisierung ist kein Lifestyle, dem sich Unternehmen anschließen können. Unternehmen sind, ob sie wollen oder nicht, bereits jetzt schon Teil davon. Denn: Die Digitalisierung ist ein Wandel mit globaler Auswirkung. Sie ist mit anderen Worten ein Megatrend. Dabei geht es nicht nur um technische Effizienz oder Kosteneinsparung, sondern um ein neu angebrochenes Zeitalter. Es geht darum, in alle Richtungen Mehrwerte zu schaffen, die sich auszahlen.

Durch die Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung beispielsweise, können Produkte heute in einem Bruchteil der Zeit eingeführt werden, als das noch vor 50 Jahren der Fall war. Ein kleines Start-Up kann sofort die bestehende Logistik einer global vernetzten Welt nutzen und zum Beispiel von einem Tag auf den anderen vom Szenecafé per Tablet T-Shirts mit Logos oder Sprüchen verkaufen. Produktion, Druck, Vertrieb, darum kümmern sich andere. Umgekehrt kann sich heute kein Geschäftsführer, der sein Unternehmen und dessen Infrastruktur über Jahrzehnte aufgebaut hat, sicher sein, dass morgen nicht ein Mitbewerber auftaucht, der kurzum vorhandene Lösungen und Prozesse nutzt, statt sie selber zu entwickeln.

Wer hat Angst vorm digitalen Mann?

Damit stellt sich die Hauptfrage: Für wen ist die Digitalisierung der größte Horror? Für neue Mitarbeiter? Sicher nicht. Sie beginnen sozusagen ihre neue Arbeitsstelle ohnehin bei Null, nehmen die Technik in ihrem neuen Betrieb an und nutzen sie schlichtweg. Eventuell müssen sie kleinere Umstellungen im Vergleich zum alten Arbeitgeber in Kauf nehmen, aber alles in einem haben sie wenig Mühe.

Zugegeben: Langjährige Angestellte tun sich dann etwas schwerer. Sie sind, teils seit Jahrzehnten, die gleiche Softwarelösungen, Maschinen und Arbeitsprozesse gewohnt. Das haben sie schließlich immer so gemacht. Ihnen helfen allerdings Mitarbeiter, die sich mit dem Neuen beschäftigt und es angenommen haben. Diese arbeiten in jedem Unternehmen und lassen sich als Multiplikatoren nutzen. Sie finden Veränderungen per se gut und sind neuen Lösungen gegenüber aufgeschlossen. Sie beschäftigen sich sogar gerne damit und freuen sich, wenn sie ihr Hobby oder ihre Technikaffinität während der Arbeit ausleben dürfen. Es kann sehr hilfreich sein, sie als Vehikel für die Digitalisierung einzusetzen.

Ein wahres Grauen ist die Digitalisierung in Wahrheit also hauptsächlich für die Verantwortlichen – also die Geschäftsführung: Dieser auferlegte, leidige Prozess bindet Ressourcen, niemand weiß, wohin er führt oder wie er die Zukunft und das Unternehmen beeinflussen wird. Verantwortliche und Geschäftsführer gleichermaßen müssen bekannte Fahrwasser, ihre berufliche Komfortzone verlassen. Mit Systemen zu brechen, die bislang gut funktioniert haben, ist es aber, wie aus einem funktionsfähigen Flugzeug zu springen.

Dass der Mut fehlt, ist verständlich, allerdings unnötig. Denn: Die Angst vor Digitalisierung ist auf einen von vier Gründen zurückzuführen:

  • „Ich muss etwas ändern“,
  • „wie verändere ich das“,
  • „was passiert, wenn ich das ändere“
  • und vor allem „ich sehe mich nicht in der Lage, das zu ändern und muss mir meine eigene – vermeintliche – Inkompetenz respektive Unfähigkeit eingestehen“.

Plötzlich geraten gestandene Entscheider in Ohnmacht. Sie stehen vor dem Problem, dass sie auf der einen Seite eine enorme, manchmal unangefochtene Kenntnistiefe von Lösungen, Produkte und Prozessen ihrer Branche haben, aber keine Ahnung von der Digitalisierung. Auf der anderen Seite wird gleichzeitig genau das von ihnen erwartet.

Angst vor der Digitalisierung ist schlimmer, als die Digitalisierung selbst

Ein neuer Denkansatz könnte dann sein, dass die Veränderung ohnehin kommt. Wie Unternehmen sie annehmen wollen, das hängt von ihnen ab: Die Digitalisierung ist entweder bequeme Evolution oder unbequeme Revolution. Ja, „ich muss etwas ändern“. Bevor Unternehmen allerdings von einer zu hohen Anzahl an Änderung wie von einer Welle erfasst werden, können sie entstresst jeden Tag in kleinen Schritten aktiv an sich arbeiten. Heute HR, morgen Software, übermorgen Produktion. Das Gute daran: Wenn nachjustiert werden muss, dann bitte sehr! Dem Mitbewerb geht es ganz genauso.

Wie Veränderung vollzogen werden, bedarf dann aber ein wenig Planung. Niemandem ist geholfen, wenn der Einkauf jedem Vertriebler ein Tablet zur Verfügung stellt und das dann digitale Transformation nennt. Das ist höchsten digitale Geldverbrennung. Natürlich können Tablets Teil der digitalen Strategie sein, sind es aber niemals ausschließlich. Voraussetzung ist eine kluge Ideenfindung, welche Prozesse und Strategien erleichtert werden sollen, wo analog zu digital werden soll und wo digital noch nicht intelligent genug ist. Entscheidend ist nicht die fertige Lösung, sondern in welche Richtung es gehen soll. Eine Anpassung on the job ist wie gesagt jederzeit möglich.

Ein positiver Nebeneffekt ist dann auch, dass beispielsweise Merkmale des Unternehmens erkannt werden, die seinen Kern ausmachen und solche, die nur gefühlt die Charakteristika sind und einer Transformation im Weg stehen. So fällt oft auf, dass nicht jede Wand eine tragende ist und dass sich das Unternehmen tatsächlich von manchen Prozessen, Arbeitsabläufen oder Strukturen trennen kann. Nicht immer ist das Neue der Heilbringer, aber nicht immer war früher alles besser.

Am Ende bleibt nur der Schrecken, dass Entscheider sich eingestehen müssen, nicht ad hoc und immer jede Antwort zu kennen. Die Vogel-Strauß-Taktik hilft hier aber nicht. Tröstend ist immerhin der Fakt, dass es niemandem alleine so geht: Rund 60 Prozent der deutschen Mittelständler sehen sich eher als Nachzügler, denn als Vorreiter der Digitalisierung. Eindeutig hilfreich ist aber das gute alte Team-Play. Damit ergibt sich dann gefühlt von allein ein Lösungsansatz: Ein Team kann Ideen zusammentragen und so zu einem erfolgreichen Ergebnis führen.

Über den digitalen Schatten springen

Egal von welchem der vier Gründe sich Unternehmen ausgebremst fühlen, es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Die gute: Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Das bedeutet, es ist nicht zu spät, einfach loszulegen, wenn auch nicht im blinden Aktionismus. Eine durchdachte Struktur ist und bleibt unerlässlich.

Aber es muss eben noch nicht der Masterplan sein. Die Digitalisierung kann individuell und an vielen unterschiedlichen Stellen angepackt werden. Je nach Präferenzen beziehungsweise Unternehmensprioritäten kann das bei den Mitarbeitern, den Lösungen, den Prozessen oder anderen Stellen sein. Hauptsache ist, keine Angst vor dem Wandel zu haben. Schließlich ist die Digitalisierung genau das: ein Wandel. Ein Prozess, Learning by Doing.

Fabian Schütze, Chief Operating Officer
Fabian Schütze
Chief Operating Officer, Tresonus GmbH & Co. KG
Fabian Schütze ist COO der Tresonus GmbH und Co. KG. Das Start-up unterstützt seine Kunden mit Schwerpunkt auf Digitalisierung bei der Re-Organisation, Re-Strukturierungen, Kosteneffizienz und beim Markenaufbau. Dabei verbindet es Unternehmensberatung mit Hands-on Marketing sowie PR und begleitet seine Kunden bei der Umsetzung oder setzt die Maßnahmen auf Wunsch direkt um. 

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