Warum Cloudlösungen eigene Rechenzentren überflüssig machen

Entscheiderinnen und Entscheider aus Industrie und Mittelstand haben begriffen, dass an der Cloud kein Weg vorbeiführt. Gerne hätte ich von „längst begriffen“ gesprochen, doch so ist es nicht.

Das Umdenken hat etwa ab dem Jahr 2020 eingesetzt. Inwieweit Corona als Thema mit hineingespielt hat, bleibt vage, da mit Covid19 das hybride Arbeiten erst einmal einen Anschub bekommen hat. Der Gedanke musste also schon länger schwelen.
 

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Cloud wird Chefsache

Etwa bis 2016 herrschte bei vielen noch die Überzeugung, dass die digitale Transformation hauptsächlich ein Digitalisieren des geschäftlichen Alltagslebens ist: E-Mails statt Briefe, Messenger statt Anrufe. Zudem gab es genügend Krisen, die erst einmal wichtiger waren. In dieser Zeit haben sich die global tätigen Cloud-Anbieter längst positioniert und die nötigen Strukturen geschaffen, da sie weit hinter dem eigenen Horizont immense Ertragschancen gesehen haben. Ab 2018 wurde die Cloud langsam zur Chefsache, wie die steigende Anzahl von Chief Digital Officers – beispielsweise in den DAX-Unternehmen – belegen.
 

Drei Treiber für die Cloud

Die Cloud war auf einmal keine fixe Idee des IT-Chefs mehr. Sie gewann in den Vorständen und Geschäftsführungen an Bedeutung. Drei Haupttreiber lassen sich hierbei identifizieren: Zum einen sind es Innovationen auf der IT-Ebene selbst, die Vorteile wie kurze Rüstzeiten und flexible Nutzung ermöglichen. Zudem ist es möglich, weltweit auf standardisierte Rechenzentren zuzugreifen. 

Ein weiterer Treiber ist das Wachstum: Mit der Globalisierung und der Cloud-Nutzung können neue Produkte in neue Märkte eingeführt werden. 

Drittens: die Kosten. Wer jemals umgezogen ist, weiß, dass für eine gewisse Zeit doppelte Kosten entstehen. Nicht anders ist es beim Wechsel in die Cloud. Der Aufwand steigt zunächst, läuft parallel. Die Einspareffekte durch die flexible Nutzung macht sich erst bemerkbar, wenn der Transfer geschafft ist. Dann aber signifikant – beispielsweise durch das Pay-per-use-Preismodell. Das bedeutet, dass man nur für die IT-Ressourcen zahlt, die man tatsächlich nutzt.

An dieser Stelle sei mir ein kleiner Ausflug gegönnt: Beim Punkt der parallelen Kosten verlieren viele Entscheiderinnen und Entscheider die Nerven – tendenziell eher im Mittelstand als im Dax-Unternehmen. Wir beobachten es immer wieder: Trotz des Wissens um die Vorteile und die Einsparungen, die sich ab erfolgreichem Umzug in die Cloud bemerkbar machen werden, müssen sie aus ihrer Sicht abbrechen. Die Fluktuationen auf CDO-Positionen sind nicht umsonst dramatisch hoch.

Immer wichtiger wird auch die Frage der Sicherheit: Wir erleben tagtäglich Cyber- und Hacking-Angriffe – Tendenz steigend. Dort als eigenständige IT eines beispielsweise produzierenden Unternehmens alle notwendigen Faktoren im Griff zu haben und entsprechend gegenzusteuern ist aufwendig. Hochqualifiziertes Personal ausreichend zur Verfügung zu haben, ist nicht nur schwer, sondern auch kostenintensiv. Welcher Hidden Champion kann das dauerhaft leisten? Wie viel leichter ist es, die Cloud-Services eines globalen Anbieters zu nutzen, der Hunderte Spezialisten hat, die weltweit rund um die Uhr im Bedarfsfall zur Verfügung stehen?

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Die drei klassischen Haupttreiber für den Wechsel in die Cloud: Innovation, Wachstum, Kosten.
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Kriterien für Dienstleister

Ich scheue mich immer, mich als Dienstleister zu sehen. Unterm Strich sind wir Cloud-Experten das. Aber es geht darüber hinaus: Je nach Größe des Unternehmens kann der Übergang in cloudbasierte Strukturen Jahre dauern. Von der Planung über die Auswahl der Bausteine bis zum schleichenden Übergang – deshalb sehen wir uns eher als Partner. Da hängt viel von der Bereitschaft ab, Verantwortung auch abgeben zu können. Was die Auswahl des passenden Dienstleisters angeht, lautet meine Empfehlung ganz klar: Referenzen, Zertifikate, Partnerschaften! Die Cloud-Anbieter führen offen einsehbare Listen, dort lässt sich leicht überprüfen, welcher „Dienstleister” welchen Status hat und wie lange schon.
 

Noch einmal genauso …?

Ich wurde einmal gefragt, welches Argument Entscheiderinnen und Entscheider schlussendlich dazu bringt, den Transfer in die Cloud anzugehen, wenn sie noch zögern. Meine Antwort war eine Gegenfrage: „Wenn Sie heute mit Ihrem Unternehmen gezwungen wären, Ihren Standort komplett neu aufzuziehen, würden Sie wieder ein eigenes Rechenzentrum wählen?” Die Antwort liegt auf der Hand. Sie können sich sicher denken: Schnell wird klar, dass ein neues, eigenes Rechenzentrum mehr als überflüssig ist.

Was es lediglich braucht, ist eine redundante, verlässliche Internetanbindung – mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Der Wechsel in die Cloud ist der disruptivste Wechsel für Unternehmen, nicht nur in technischer, auch in kultureller Hinsicht und er wird die Art, wie wir arbeiten, so tiefgreifend verändern, wie es bisher nur die Erfindung des Buchdrucks vermocht hat.

Benjamin Hermann

Zoi TechCon GmbH -

Geschäftsführer

Ursprünglich aus der Softwareentwicklung und Architekturberatung kommend, beschäftigt Benjamin Hermann sich seit 2012 mit der Public Cloud und deren Anwendungsmöglichkeiten für die Industrie und Enterprise-IT. 

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