Veränderte Lizenzmodelle und steigende Kosten

Von VMware zur Open-Source-Virtualisierung

VMware
Bildquelle: J McDonnell/Shutterstock.com

Jerome Evans, Gründer und Geschäftsführer von firstcolo, zeigt auf, warum Unternehmen ihre Infrastrukturstrategie jetzt neu bewerten sollten.

Eine aktuelle Marktstudie zeigt, dass rund die Hälfte der VMware-Anwender plant, ihre Nutzung der Plattform bis 2028 zu reduzieren. Auslöser sind vor allem die Folgen der Broadcom-Übernahme, veränderte Lizenzmodelle und steigende Kosten. Die Diskussion um VMware ist damit längst keine rein technische Debatte mehr. Vielmehr stellt sie für viele Unternehmen und Managed-Service-Provider die grundsätzliche Frage, wie viel Kontrolle sie künftig über ihre eigene Infrastruktur behalten wollen.

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Die eigentliche Herausforderung heißt Abhängigkeit

Über viele Jahre galt VMware als Quasi-Standard in der Enterprise-Virtualisierung. Die Plattform ermöglichte eine effiziente Konsolidierung von Serverlandschaften und bildete das Fundament zahlreicher Rechenzentren. Die im Zuge der Übernahme durch Broadcom erfolgten strategischen Änderungen haben jedoch deutlich gemacht, welche Risiken entstehen können, wenn zentrale Teile der IT-Landschaft von den Entscheidungen eines einzelnen Herstellers abhängig sind. Für viele Unternehmen steht deshalb heute nicht nur die Höhe der Lizenzkosten im Mittelpunkt. Viel wichtiger ist die Frage nach langfristiger Planbarkeit. Wer seine gesamte Infrastruktur auf ein proprietäres Ökosystem ausrichtet, macht sich zwangsläufig von dessen Produktstrategie, Preisgestaltung und Innovationszyklen abhängig. Genau diese Form des Vendor Lock-ins wollen viele Organisationen künftig vermeiden.

Open Source wird zur strategischen Option

Vor diesem Hintergrund gewinnen Open-Source-basierte Virtualisierungsplattformen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere OpenStack entwickelt sich für Managed-Service-Provider und ihre Kunden zu einer ernstzunehmenden Alternative. Der entscheidende Unterschied liegt nicht allein im Wegfall klassischer Lizenzkosten. OpenStack basiert auf offenen Standards, offenen Schnittstellen und einer unabhängigen Weiterentwicklung. Unternehmen erhalten dadurch deutlich mehr Kontrolle über ihre technologische Roadmap. Entscheidungen über Architektur, Erweiterungen oder Migrationen werden nicht mehr ausschließlich durch die Vorgaben eines Herstellers bestimmt. Gerade für Organisationen mit langfristigen Investitionszyklen ist diese Planbarkeit ein wichtiger Faktor. Infrastrukturprojekte werden häufig für fünf bis zehn Jahre konzipiert. Entsprechend wichtig ist es, dass sich grundlegende Rahmenbedingungen nicht kurzfristig ändern.

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Wirtschaftlichkeit umfasst mehr als Lizenzkosten

Bei der Bewertung von Virtualisierungsplattformen wird häufig ausschließlich auf die Lizenzkosten geschaut. Tatsächlich spielen jedoch die Gesamtkosten (TCO) eine Rolle. Neben Softwarekosten beeinflussen auch Betrieb, Automatisierung, Support, Skalierbarkeit und Personalaufwand die Wirtschaftlichkeit einer Plattform. OpenStack ermöglicht hier einen anderen Ansatz: Statt Lizenzgebühren stehen Betriebskompetenz und Architektur-Know-how im Mittelpunkt. Ressourcen wie Rechenleistung, Arbeitsspeicher oder Storage lassen sich transparent bereitstellen und kalkulieren. Für Managed-Service-Provider eröffnet dies die Möglichkeit, ihren Kunden klar definierte und nachvollziehbare Leistungsmodelle anzubieten. Gleichzeitig profitieren Unternehmenskunden von einer besseren Kostenkontrolle und höherer Planungssicherheit.

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Moderne IT benötigt offene Architekturen

Ein weiterer Aspekt wird häufig unterschätzt: Die Virtualisierung ist heute nur noch ein Baustein moderner IT-Landschaften. Neben klassischen virtuellen Maschinen müssen Plattformen zunehmend Container-Technologien wie etwa Kubernetes, Automatisierungslösungen und Cloud-native Anwendungen unterstützen. OpenStack wurde von Beginn an als offene Infrastrukturplattform konzipiert und lässt sich flexibel mit modernen Technologien kombinieren. Unternehmen können dadurch bestehende Legacy-Anwendungen weiter betreiben und gleichzeitig neue Cloud-native Architekturen aufbauen, ohne parallele Infrastrukturen pflegen zu müssen. Besonders in Hybrid- und Multi-Cloud-Szenarien bietet diese Offenheit erhebliche Vorteile. Anwendungen und Workloads lassen sich einfacher zwischen unterschiedlichen Umgebungen bewegen, wodurch die strategische Handlungsfreiheit steigt.

Datensouveränität wird zum Wettbewerbsfaktor

Neben wirtschaftlichen und technischen Überlegungen gewinnt auch das Thema digitale Souveränität an Bedeutung. Unternehmen möchten zunehmend nachvollziehen können, wo ihre Daten verarbeitet werden und welchen rechtlichen Rahmenbedingungen die zugrunde liegende Infrastruktur unterliegt. Werden OpenStack-basierte Plattformen von europäischen Betreibern in europäischen Rechenzentren betrieben, unterstützen sie die Anforderungen an Datenschutz, Compliance und Datensouveränität. Gerade für Unternehmen aus regulierten Branchen oder mit sensiblen Datenbeständen wird dieser Aspekt zunehmend zu einem wichtigen Auswahlkriterium.

Jerome

Evans

Gründer und Geschäftsführer

firstcolo GmbH

Jerome Evans ist Geschäftsführer der firstcolo GmbH. Seit über 15 Jahren befasst er sich mit IT-Dienstleistungen, speziell Datacentern und kümmert sich um den Aufbau und Betrieb von Rechenzentren.
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