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Jörg MeckeDie amerikanische Justiz fordert Microsoft auf, Daten aus der Cloud herauszugeben und verbietet es dem IT-Giganten gleichzeitig, seine Kunden darüber zu informieren. Dagegen hat Microsoft jetzt Klage eingereicht. Jörg Mecke, Business Unit Manager Business Productivity bei Fritz & Macziol, bezieht Stellung für Microsoft und erläutert, warum sich das Unternehmen genau so verhält.

Mit der jüngsten Klage gegen die Aufforderung der amerikanischen Justiz, Daten von Kunden aus der Microsoft-Cloud herauszugeben und dem Verbot, die Kunden darüber zu informieren, sorgt der Software-Gigant aktuell für Schlagzeilen. Es ist nicht das erste Mal, dass Microsoft die Forderungen der Strafverfolgungsbehörden und der Präventionseinheiten ablehnt und dem sogar gerichtlich Nachdruck verleiht.

Wer hätte das gedacht: Microsoft ist in letzter Zeit irgendwie sexy geworden. CEO Satya Nadella wird immer wieder mit der Ikone Steve Jobs auf eine Stufe gestellt und die Produkte treffen den Nerv der Nutzer. Gerade beim Thema Cloud bietet kein Unternehmen eine vollständigere Gesamtarchitektur, bei der zwischen der privaten und der öffentlichen Cloud alles möglich ist. Nun gab Microsoft bekannt, gegen das Verbot der Information der Kunden über die „Durchsuchung“ Ihrer Daten gerichtlich vorzugehen. Der interessierte Beobachter fragt sich nun, was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alles so passiert und wie ein Umdenken bei Microsoft – und anscheinend auch bei anderen IT-Giganten – vonstattengeht.

Bereits zu Beginn lernt jeder kaufmännische Auszubildende in Deutschland den Unterschied zwischen Besitz und Eigentum. Und auch jeder Laie weiß: Eigentum verpflichtet, nicht der Besitz. Wer etwas besitzt, verwendet oder verarbeitet das Eigentum eines Anderen mit Respekt vor dem Objekt. Und auch das ist Grundlage des Rechtsverständnisses von Microsoft: Wir sind nur die Besitzer der Daten – Eigentümer sind unsere Kunden. Das ist anders als beispielsweise bei Facebook. Hier tritt der Nutzer die Eigentumsrechte an den Konzern ab. Microsoft durchsucht auch nicht akribisch wie andere Suchmaschinenanbieter die Kundeninformationen. Obwohl dies an sich ehrenwert ist – helfen wird dies dem Unternehmen nicht innerhalb der aktuellen US-Rechtslage. Denn dort müssen auf gerichtliche Anordnung die Daten herausgegeben werden. Und so war auch Microsoft, wie viele Unternehmen in der Vergangenheit, dazu gezwungen, sich Anfragen zu stellen. Doch Microsoft und einige wenige weitere Unternehmen beginnen sich zu wehren und gewinnen damit bei den Nutzern vielleicht verloren gegangenes Vertrauen zurück.

Durchsuchungsbeschluss für die Cloud

Dennoch ist durch diverse TV-Krimi-Sendungen bekannt: Ohne Durchsuchungsbeschluss läuft nichts. Das heißt auch, niemand darf an meinen PC, meinen Laptop, mein Tablet ohne entsprechenden Beschluss und das auch in der Regel nur, wenn ich als Eigentümer zugegen bin – es sei denn, akute Gefahr ist in Verzug. Das gestaltet sich etwas schwieriger, wenn Daten in der Public Cloud gespeichert sind. Deswegen weist Microsoft die Kunden in solchen Fällen darauf hin, dass sie gesetzlich gebunden ihre Daten herausgeben mussten. Transparenz schafft dann selbst in solchen Fällen Vertrauen. Diese Informationsweitergabe wurde Microsoft verboten – was oben genannte gerichtliche Klage zur Folge hatte.

Ein nachvollziehbarer Schritt – auch unter finanziellen Erwägungen. Wenn man bedenkt, dass Microsoft eine hohe Milliardensumme in die eigene Cloud investiert hat, benötigt das Unternehmen Kunden, die diese IT-Infrastruktur schätzen und ihr vertrauen. Vielmehr stellt sich die Frage, warum nicht alle anderen Anbieter klagen: Fehlt ihnen der Mut oder die Kraft sich aufzulehnen und im Sinne ihrer Kunden zu agieren?

Letztendlich lässt sich nur vermuten, was der Grund der Zurückhaltung anderer Unternehmen ist. Denn (potentielle) Kunden verfolgen die Klage gespannt und unabhängig davon, welches Urteil gefällt wird: Microsoft gewinnt Sympathiepunkte nicht nur im Bezug auf Azure, Office 365 und andere Produkte, sondern auch als Technologieanbieter, der seine monopolistische Trägheit der Vergangenheit abgelegt hat. Eine Fortsetzung folgt bestimmt.

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