Mit dem „Autonomous Enterprise“ hat SAP seine Vision und seine Marschroute für Unternehmenssoftware der Zukunft formuliert.
KI-Doppelspitze – Integration von SAP Joule und Microsoft Copilot

Die SAP Business AI Platform steht im Zentrum der Unternehmensstrategie – sei es als KI-Assistent Joule oder in Form autonom handelnder KI-Agenten. Deren strategische Bedeutung hat SAP CEO Christian Klein erst kürzlich deutlich betont. In Sachen Performanz hat sich SAP Joule in den vergangenen Monaten enorm weiterentwickelt. Gleichzeitig eroberte sich Microsoft Copilot im Windschatten von Microsoft 365 in sehr vielen Unternehmen seinen Platz. Der folgende Artikel erklärt das Potenzial, das in der Kombination der beiden Assistenten steckt. Und mehr noch: Joule und Copilot ergänzen sich so präzise, dass die Integration mehr leistet als jedes System allein.
Stärken kennen, Stärken nutzen
SAP Joule und Microsoft Copilot bringen standardmäßig Schnittstellen zum jeweils anderen System mit – Aufträge lassen sich direkt aus Teams an Joule übergeben und umgekehrt. Bleibt die Frage, was wofür besser geeignet ist.
Grundsätzlich lässt sich – wenig überraschend – festhalten, dass Copilot seine Stärken dort hat, wo die Datenhoheit bei Microsoft liegt. Also beispielsweise Office 365, Outlook mit Mails sowie Terminplanung oder alles rund um die Microsoft Power Plattform. Joule hingegen eignet sich besser für SAP-Daten, Tabellenstrukturen und Datenmodelle, etwa SAP Manufacturing Execution oder SAP Financial Intelligence. Weil diese Bereiche in der Praxis viele Überschneidungen haben – viele Geschäftsprozesse, die in SAP stattfinden, beginnen und enden in der Microsoft-Office-Umgebung – ist eine Integration überaus sinnvoll. Beispiel Field Service: Die Suche nach Fehlermustern, nach möglichen Ursachen und Lösungen läuft über SAP Plant Maintenance und damit über Joule. Die Kundenkommunikation und die Terminplanung finden per Copilot statt. Darüber hinaus kann sich auch eine technisch-inhaltliche Schleife über Copilot lohnen, wenn sich vielleicht Hinweise auf vergleichbare Fälle in der E-Mail-Kommunikation oder anderswo auf dem Sharepoint befinden.
Welcher Assistent wann die bessere Wahl ist, können Fachanwender weder beurteilen noch sollten sie es müssen. Denn die Grenzen zwischen beiden Welten sind in der Praxis fließend: Viele Prozesse starten dort, wo die meisten Mitarbeitenden ohnehin arbeiten – in Outlook, Teams oder anderen Microsoft-Anwendungen – und erfordern im nächsten Schritt den Zugriff auf SAP-Daten. Joule und Copilot können dabei über Schnittstellen miteinander interagieren, statt isoliert nebeneinander zu laufen. Was Unternehmen dafür brauchen, ist ein System, das beide Technologien intelligent zusammenführt.
Vom Einzelsystem zur integrierten Plattform
Ein Beispiel dafür liefert der deutsch-kanadische IT-Dienstleister Syntax. Das Unternehmen ist seit über 50 Jahren SAP-Partner mit Schwerpunkt auf der Fertigungsbranche. Zudem langjähriger enger Microsoft-Partner, mit beiden Welten also bestens vertraut. Für seine Kunden führt Syntax SAP Joule und Microsoft Copilot in einer zentralen Integrationsschicht zusammen und liefert dafür Beratung, Implementierung und Betrieb aus einer Hand. Interdisziplinäre Experten berücksichtigen dafür insbesondere die neuen AI-Richtlinien von SAP und entwickeln KI-Agenten, die über Systemgrenzen hinweg sicher und zuverlässig arbeiten. Dafür kommen selbst entwickelte Vorgehensmodelle und Technologien zum Einsatz – immer angepasst an die individuellen Anforderungen des Unternehmens. Das ist wichtig, weil jede Integration von Joule und Copilot aus der Gesamtsituation des jeweiligen Unternehmens erfolgen muss. Eine Blaupause, die für alle passt, gibt es nicht, wohl aber Erfahrungswerte aus vorangegangenen Projekten, die helfen, neue Lösungen umzusetzen.
Wichtig ist also, dass Unternehmen, die auf der Suche nach der für sie passenden KI-Doppelspitze sind, gemeinsam mit erfahrenen Experten die Ausgangssituation analysieren, Ziele definieren, Use Cases formulieren. Aus dieser Gesamtsicht lässt sich dann die richtige konkrete Technologieentscheidung treffen. Wobei die Grundidee immer die gleiche bleibt: Nicht zwei mächtige KI-Tools nebeneinander zu betreiben, sondern mit beiden etwas zu schaffen, das größer und stärker ist als die Summe seiner Teile.
Governance first
Architektonisch basiert das Zusammenspiel auf einer Vertrauensbeziehung zwischen Microsoft Entra ID und SAP Cloud Identity Services. Damit wird die Identität des Nutzers konsistent berücksichtigt. Wichtig ist dabei, die Berechtigungsmodelle für die Kombination aus Joule und Copilot in SAP und von SAP ausgehend zu verankern, weil dort die erste und entscheidende Kontrollinstanz liegt. Selbst bei entsprechenden Anfragen oder Aufträgen kann Copilot sich darüber nicht hinwegsetzen. So ist sichergestellt, dass keine KI auf Informationen zugreifen kann, die dem Anwender nicht zur Verfügung stehen dürfen, die außerhalb seiner Berechtigung liegen. SAP liefert dafür bereits fertige Governance-Konzepte und mit SAP-Kontext vortrainierte AI-Agenten.
Die Definition und stabile Implementierung verbindlicher Regeln und Prozesse in das Gesamtsystem ist der erfolgsentscheidende Faktor, der gleich im ersten Schritt der praktischen Umsetzung passieren muss. Sie sind zentraler Baustein des Fundaments für Vertrauen und Compliance und letztlich auch für die Auditierbarkeit von KI-Systemen. Fehlerhafte Governance nachträglich zu korrigieren oder sie ganz neu nachzurüsten, liefert nicht die erforderliche Zuverlässigkeit.
Fazit: Jetzt den Rahmen setzen
Die Technologie ist vorhanden, geeignete Spezialisten für die Umsetzung sitzen in den Startlöchern. Wer Joule und Copilot künftig als parallele Einzellösungen betreibt, verschenkt viel Potenzial: an Effizienz, an Präzision, an Geschwindigkeit. Der Schritt zur integrierten KI-Doppelspitze ist kein Selbstläufer, aber er ist machbar – wenn er strukturiert und mit Unterstützung erfahrener Experten angegangen wird.









