Ransomware-Angreifer beschränken sich zunehmend nicht mehr auf die Verschlüsselung von Unternehmensdaten und Lösegeldforderungen.
Ransomware-Angriffe: Täter setzen Opfer zunehmend persönlich unter Druck

Laut dem Ransomware Risk Report 2026 von Semperis drohen sie Betroffenen und ihren Familien immer häufiger mit psychischer Einschüchterung und körperlicher Gewalt. In Deutschland berichteten 24 Prozent der befragten IT-Sicherheitsexperten von physischer Gewalt im Zusammenhang mit solchen Angriffen.
Drohungen reichen bis ins private Umfeld
Für den Report befragte Semperis weltweit 1.200 IT-Sicherheitsexperten aus Unternehmen, die innerhalb der vergangenen zwölf Monate von Ransomware betroffen waren. Rund 40 Prozent der Befragten berichteten von körperlicher Gewalt oder psychischer Einschüchterung. In Deutschland gaben 33 Prozent an, Einschüchterungsversuche erlebt zu haben.
Die Drohungen bleiben offenbar häufig nicht ohne Folgen: Weltweit erklärten 53 Prozent der Betroffenen, dass Angreifer ihre Drohungen tatsächlich umgesetzt hätten. In Deutschland lag dieser Anteil bei 49 Prozent. Bei 32 Prozent der deutschen Befragten kam es demnach zu sogenanntem Swatting, bei dem durch einen falschen Notruf einen Polizeieinsatz ausgelöst wird. 37 Prozent suchten nach einem Angriff psychologische oder medizinische Hilfe. In 35 Prozent der Fälle engagierten Betroffene oder ihre Familien einen privaten Sicherheitsdienst.
Auch Beschäftigte geraten zunehmend ins Visier. Laut Report waren bei 45 Prozent der Ransomware-Angriffe in Deutschland psychische oder physische Drohungen gegen Mitarbeiter im Spiel.
Identitätssysteme bleiben eine zentrale Schwachstelle
Neben der persönlichen Einschüchterung zeigt der Bericht Defizite bei der Absicherung zentraler IT-Infrastrukturen. In 87 Prozent der untersuchten Angriffe in Deutschland waren Identitätssysteme wie Active Directory, Entra ID oder Okta betroffen. Bei erfolgreichen Angriffen richteten sich nach Angaben von Semperis sogar 91 Prozent gegen diese Systeme oder nutzten sie aus.
Gleichzeitig fehlt es vielen Unternehmen an ausreichender Vorbereitung auf eine Wiederherstellung. 57 Prozent der deutschen Befragten verfügten über spezielle Backups für Identitätsdaten. 59 Prozent gaben an, die Wiederherstellung ihrer Identitätssysteme zu automatisieren. In 40 Prozent der deutschen Notfall- und Krisenpläne waren keine entsprechenden Wiederherstellungsverfahren vorgesehen.
Wiederholte Angriffe und KI-Einsatz
Ransomware bleibt für viele Unternehmen ein wiederkehrendes Problem. In Deutschland wurden laut Report 74 Prozent der betroffenen Unternehmen mehrfach angegriffen. Ein Viertel zahlte den Angreifern mehr als einmal Lösegeld.
Auch künstliche Intelligenz spielt bei den Angriffen eine Rolle. Weltweit kam sie laut Semperis bei 84 Prozent der untersuchten Attacken zum Einsatz. Für Deutschland weist der Bericht einen Anteil von 42 Prozent aus. Die Zahlen verdeutlichen, dass Unternehmen ihre Schutzmaßnahmen an unterschiedliche Angriffsmethoden und eine zunehmend gezielte Vorgehensweise anpassen müssen.
Wiederherstellung muss auch die Sicherheit umfassen
Semperis-Berater Chris Inglis, der erste US-amerikanische National Cyber Director, sieht in der Androhung körperlicher Gefahr eine weitere Möglichkeit für Täter, ihre Forderungen durchzusetzen. Sie versuchten, den Druck auf Betroffene so weit zu erhöhen, dass das Nachgeben weniger riskant erscheine als der Widerstand.
Michael Scheffler, Area Vice President Sales DACH bei Semperis, warnt zudem davor, einen Vorfall allein mit der Wiederinbetriebnahme der Systeme als beendet zu betrachten. Angreifer könnten Hintertüren oder Schadsoftware zurücklassen, die auch nach der Wiederherstellung aktiv blieben.
Unternehmen sollten deshalb nach einem Ransomware-Angriff nicht nur den Betrieb wieder aufnehmen, sondern auch prüfen, ob ihre IT-Umgebung tatsächlich frei von Kompromittierungen ist. Dazu gehören insbesondere sichere Backups der Identitätsinfrastruktur, getestete Wiederherstellungsverfahren und Notfallpläne, die den erneuten Aufbau vertrauenswürdiger Systeme berücksichtigen.
(red/Semperis)





