Vom Chatbot zum KI-Mitarbeiter

anny übernimmt HiDesk und verbindet Buchungen mit KI-Agenten

Der Kölner Buchungssoftware-Anbieter anny übernimmt das 2025 gegründete KI-Start-up HiDesk.

anny übernimmt HiDesk und verbindet Buchungen mit KI-Agenten
Bildquelle: Gründerfotos anny & HiDesk

Beide Unternehmen wollen ihre Technologien zu einer europäischen KI-Plattform verbinden, die Kundenkommunikation mit operativen Geschäftsprozessen wie Terminplanung, Buchungen und Änderungen verknüpft.

KI soll Geschäftsprozesse direkt ausführen

Im Mittelpunkt der Übernahme steht ein Ansatz, den die Unternehmen als „Agentic Booking Management“ bezeichnen. Dabei soll KI nicht bei der Beantwortung einer Kundenanfrage stehen bleiben, sondern anschließend auch die damit verbundenen Prozesse ausführen.

Fragt beispielsweise ein Kunde nach einem freien Termin, kann die KI auf das Buchungssystem zugreifen, Verfügbarkeiten und Preise prüfen und anschließend die Buchung durchführen. Auch Umbuchungen oder Stornierungen sollen auf diesem Weg möglich sein.

Dafür kombiniert HiDesk seine Technologie für KI-gestützte Kommunikation über Telefon, E-Mail und Messenger mit dem Buchungssystem von anny. Die KI erhält damit Zugriff auf die hinterlegten Geschäftsregeln und muss Informationen nicht zusätzlich aus separaten FAQ- oder Wissensdatenbanken beziehen.

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Vom Kommunikationssystem zum digitalen Mitarbeiter

Die Unternehmen verfolgen damit einen anderen Ansatz als klassische Chatbots, die vor allem Informationen liefern oder Anfragen an Mitarbeiter weiterleiten. Die KI soll stattdessen stärker in bestehende Abläufe eingebunden werden.

Lucian Holtwiesche, CEO und Mitgründer von anny, beschreibt das Ziel so: „Wir holen KI aus der reinen Kundenkommunikation in die operativen Abläufe. Gemeinsam schaffen wir einen KI-Mitarbeiter, der Kommunikation und Backoffice verbindet, vom Angebot über die Buchung bis zur Buchhaltung.“

Für Unternehmen könnte dadurch ein Teil der bislang manuell ausgeführten Arbeit automatisiert werden. Die Gründer betonen allerdings, dass die Technologie Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern bei operativen Aufgaben entlasten soll.

Open-Source-Modelle und Betrieb in Europa

Ein weiterer Schwerpunkt der Übernahme liegt auf der technischen Unabhängigkeit. HiDesk entwickelt KI-Anwendungen auf Basis weiterentwickelter Open-Source-Modelle. Die Systeme werden auf Servern in Europa betrieben.

Damit wollen anny und HiDesk die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern geschlossener KI-Systeme reduzieren und mehr Kontrolle über die eingesetzten Modelle behalten. Weitere spezialisierte KI-Anwendungen sollen nach und nach hinzukommen.

Florestan Peters, Mitgründer von HiDesk, sieht darin einen grundlegenden Wandel beim Einsatz von Software: „Software musste man bisher einrichten und bedienen lernen. Künftig arbeitet man sie ein wie ein neues Teammitglied: Man erklärt ihr, wie der Betrieb funktioniert, und sie legt los.“

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Beide Unternehmen wachsen ohne Venture Capital

Auch wirtschaftlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Unternehmen. anny wurde 2020 gegründet und ist nach eigenen Angaben profitabel. Die Buchungssoftware wird von mehr als 1.500 Unternehmen genutzt. Das Unternehmen ist bislang ohne Venture-Capital-Finanzierung gewachsen.

HiDesk entstand 2025 und betreut inzwischen mehr als 250 Kunden und Partner. Nach Angaben des Unternehmens ist das Start-up bereits im ersten Jahr profitabel geworden und wächst derzeit um rund 20 Prozent pro Monat.

Mit der Übernahme wechselt das gesamte HiDesk-Team zu anny. Auch die Gründer Florestan Peters und Jeremy Meidinger sollen operativ im Unternehmen bleiben.

Gemeinsame Plattform für KMU

Für anny steht damit weniger die Übernahme eines einzelnen KI-Produkts im Vordergrund als die Zusammenführung zweier bisher getrennter Funktionen. Buchungsverwaltung und KI-gestützte Kommunikation sollen künftig innerhalb eines gemeinsamen Systems arbeiten.

Der Ansatz richtet sich insbesondere an kleinere und mittlere Unternehmen, die KI für operative Aufgaben einsetzen wollen, ohne dafür eigene Systeme und umfangreiche IT-Strukturen aufbauen zu müssen. Wie weit sich solche agentischen Systeme tatsächlich in komplexere Geschäftsprozesse integrieren lassen, wird sich mit der weiteren Produktentwicklung zeigen.

(red/HiDesk)

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