Datenverlust

Klinik überschreibt elf Jahre Geburtsdaten

Gesudnheitswesen digital

Ein wiederverwendetes Skript mit einer vergessenen Einstellung hat in Nottingham eine Datenbank mit elf Jahren Geburtsdaten überschrieben.

Das Nottingham University Hospitals NHS Trust (NUH) hat einen folgenschweren Datenverlust öffentlich gemacht. „Am 18. August 2026 führte ein menschlicher Fehler bei einem routinemäßigen technischen Prozess dazu, dass eine Datenbank mit Geburtsdaten unbeabsichtigt überschrieben wurde“, erklärt Andy Callow, Chief Digital and Information Officer des NUH.

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Eigentlich sollte bei den Wartungsarbeiten eine Kopie einer Strahlentherapiedatenbank für Berichtszwecke erstellt werden. Laut NUH nutzten die Techniker allerdings vordefinierte Anweisungen, die zuvor bereits für ein anderes Krankenhaussystem verwendet worden waren. „Eine Einstellung, die vor dem Start des Prozesses hätte geändert werden müssen, wurde übersehen“, heißt es in der Mitteilung. „Dadurch wurde der Prozess auf einer Geburtsdatenbank anstatt auf der Strahlentherapiedatenbank ausgeführt, was zum Überschreiben der Geburtsdaten führte.“

Elf Jahre Geburtsdaten betroffen

Betroffen sind Datensätze von Frauen und Neugeborenen, die zwischen September 2011 und November 2022 in der Geburtshilfe des Trusts betreut wurden. Die Daten stammen aus dem inzwischen abgelösten Geburtshilfesystem Medway.

Mit Hilfe externer Spezialisten und weiterer Datenquellen konnte das Krankenhaus nach eigenen Angaben die für die Behandlung relevanten Daten zurückholen. „Klinische Informationen, einschließlich Notizen, Beobachtungen, Testergebnisse und andere im Rahmen der Behandlung erfasste Informationen“, seien weiterhin verfügbar. Aktuelle Patienten seien nicht betroffen, die laufende Versorgung in der Geburtsklinik ebenfalls nicht.

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Audit-Trail weitgehend verloren

Nicht retten ließ sich dagegen die Historie der Zugriffe auf die Mutterschaftsakten. „Daher können wir in den meisten Fällen nicht bestätigen, ob eine bestimmte Person zwischen September 2011 und November 2022 eine Mutterschaftsakte eingesehen hat“, räumt das NUH ein. Warum diese Protokolldaten nicht aus einem Backup wiederhergestellt werden konnten, lässt die Mitteilung offen.

Brisant ist das vor allem wegen des Kontexts. Die Geburtshilfe des NUH steht seit Längerem wegen mutmaßlicher Versäumnisse in der Kritik, die Polizei von Nottinghamshire ermittelt dazu im Rahmen der Operation Perth. Das Krankenhaus hat die Polizei über den Vorfall informiert, sie prüft nun, welche Auswirkungen der Datenverlust auf ihre Ermittlungen hat. Zugriffsprotokolle können in solchen Verfahren eine Rolle spielen, etwa um nachzuvollziehen, wer wann Einsicht in Akten hatte.

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ICO informiert, Kontrollen verschärft

Laut NUH wurde das Problem innerhalb weniger Minuten nach seiner Entdeckung eskaliert. Das Information Commissioner’s Office (ICO), die britische Datenschutzaufsicht, sei fristgerecht benachrichtigt worden. „Durch diesen Vorfall wurden keine Patientendaten unrechtmäßig abgerufen oder verwendet“, betont der Trust. Eine Untersuchung des Vorfalls als Patientensicherheitsereignis sei abgeschlossen. Welche Maßnahmen konkret ergriffen wurden, nennt das NUH nicht.

„Ich bedauere die Besorgnis und den Kummer, die dieser Vorfall bei den betroffenen Frauen und Familien auslösen mag“, sagt Callow. Zwar habe es „keine Auswirkungen auf die laufenden Leistungen der Geburtshilfe oder die Versorgung von Frauen und Babys“ gegeben. „Bislang ist es uns jedoch nicht gelungen, die historischen Aufzeichnungen darüber, wer zwischen September 2011 und November 2022 die Geburtsakten eingesehen hat, vollständig wiederherzustellen.“ Man habe die Prozesse und Kontrollen verstärkt, „um zu verhindern, dass sich ein ähnlicher Vorfall wiederholt“.

(red)

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