Trotz zahlreicher spektakulärer Vorführungen bleibt der reale Absatz humanoider Roboter bislang überschaubar, wie Reuters berichet.
Nach Angaben der International Federation of Robotics (IFR) wurden im vergangenen Jahr weltweit etwa 7.000 solcher Maschinen für industrielle und professionelle Anwendungen verkauft. Es handelt sich um die ersten Zahlen dieser Art, denn der Branchenverband mit Sitz in Frankfurt erhebt Daten zu humanoiden Robotern erst seit kurzer Zeit getrennt von seiner deutlich größeren Statistik zu klassischen Industrie und Servicerobotern.
Zwei Kriterien für die Einordnung
Damit ein Roboter in der IFR-Statistik als humanoid gilt, muss er zwei Bedingungen erfüllen. Zum einen benötigt er ein menschenähnliches Äußeres, zum anderen muss er sich eigenständig in Umgebungen bewegen und agieren können, die ursprünglich für Menschen konzipiert wurden. Beine sind für diese Einstufung nicht zwingend erforderlich, wodurch auch Modelle mit Rädern oder festem Sockel in die Zählung fallen können.
Ein kleiner Ausschnitt des Gesamtmarkts
Verglichen mit anderen Robotersparten fällt die Zahl der Humanoiden noch gering aus. Für das Jahr 2024 verzeichnete die IFR rund 542.000 neu installierte klassische Industrieroboter sowie schätzungsweise 199.000 verkaufte Serviceroboter, etwa für Transport, Gastgewerbe und Reinigungsaufgaben. IFR-Generalsekretärin Susanne Bieller bezeichnete den Anteil humanoider Systeme an der weltweiten Roboterpopulation deshalb als vergleichsweise gering. Die aktuellen Zahlen für Industrie und Serviceroboter aus dem Jahr 2025 sollen am 24. September folgen.
Viele Einheiten dienen dem Training von KI-Modellen
Ein erheblicher Teil der 2025 abgesetzten Humanoiden wird laut Bieller gar nicht für produktive Aufgaben eingesetzt. Stattdessen setzen Forschungseinrichtungen und Firmen die Geräte ein, um damit Daten zu sammeln und ihre KI-Modelle zu verbessern. Auch in der Automobilbranche, die häufig als früher Vorreiter genannt wird, befindet sich der Einsatz überwiegend noch im Testbetrieb. Nach Biellers Angaben laufen in den Werken derzeit nur einstellige bis niedrige zweistellige Stückzahlen pro Hersteller.
Marktprognosen erwarten deutlich stärkeres Wachstum
Deutlich optimistischer fallen Schätzungen von Bank of America Global Research aus. Die Analysten rechnen für dieses Jahr mit etwa 90.000 ausgelieferten humanoiden Robotern weltweit, bis zum Jahr 2030 sollen es sogar 1,2 Millionen Stück werden. Die Datengrundlage der IFR stammt von Herstellern und nationalen Branchenverbänden. Nicht enthalten sind Consumer und Militärroboter, medizinische Robotersysteme werden ebenfalls separat geführt.
China gilt schon jetzt als größter Absatzmarkt für Industrieroboter und treibt auch die Entwicklung humanoider Systeme voran. Erst im vergangenen Monat zeigte das Land bei seinen Roboterspielen Maschinen, die laufen und boxen können.
(red)