Rivale für Palantir

Thales stellt europäische Alternative zu Palantir vor

Thales, HexaForce
Bildquelle: Thales

Der französische Rüstungskonzern Thales hat mit HexaForce ein KI-gestütztes, souveränes Führungssystem für NATO-Staaten vorgestellt.

Der französische Rüstungs- und Technologiekonzern Thales hat am 17. September 2026 sein neues Führungs- und Kontrollsystem HexaForce vorgestellt. Die Software soll große Mengen an Einsatzdaten verarbeiten und Kommandeuren schneller ein aktuelles Lagebild verschaffen.

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HexaForce ist ein sogenanntes Command-and-Control-System, das Daten aus verschiedenen militärischen Bereichen zusammenführt. Es deckt Land, Luft, See, Cyber, Weltraum, das elektromagnetische Spektrum sowie Informationsoperationen ab. Die Software kann Systeme einzelner Streitkräfte und Koalitionspartner miteinander verbinden und automatisiert Datenströme aus militärischen, öffentlichen und zivilen Quellen analysieren, in Beziehung setzen und priorisieren. Ziel ist es, Planung und Entscheidungsfindung zu beschleunigen sowie die Verteilung militärischer Ressourcen zu verbessern.

KI-Technologie von cortAIx

Die eingesetzte KI-Technologie stammt von cortAIx, dem KI-Programm von Thales, an dem rund 800 Ingenieure und Datenwissenschaftler beteiligt sind. Das System nutzt große Sprachmodelle und agentenbasierte KI, um unter anderem kürzere Planungszyklen, ein umfassenderes Lagebild, den Echtzeitaustausch taktischer und operativer Informationen sowie eine schnellere Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

Thales führt derzeit Feldtests durch, mit denen die Verarbeitungskapazität von 100 auf 1.000 Ziele pro Tag gesteigert werden soll. Die Technologie baut auf Artemis.IA auf, einer Datenplattform, die seit 2023 beim französischen Verteidigungsministerium im Einsatz ist. Laut Thales lässt sich mit HexaForce die Führung von mehr als 100.000 Soldatinnen und Soldaten unterstützen. Die verteilte Architektur des Systems ist darauf ausgelegt, auch bei stark gestörten Kommunikationsverbindungen funktionsfähig zu bleiben.

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HexaForce basiert auf offenen Standards und lässt sich in bestehende Systeme anderer Hersteller integrieren. Die Interoperabilität wurde unter anderem während der NATO-Übung CWIX 2026 getestet. Das ist insofern relevant, als europäische Systeme in der Praxis auch mit amerikanischer Technologie zusammenarbeiten müssen, einschließlich der von Palantir.

HexaForce: Thales next-generation command and control system.

Europäische Antwort auf Palantirs Maven

Die Vorstellung von HexaForce erhält zusätzliches Gewicht, da die NATO für den Einsatz an ihrem Hauptquartier zuvor das Maven Smart System des US-Unternehmens Palantir ausgewählt hatte. Europäische Staaten suchen unterdessen nach Alternativen, mit denen sie mehr Kontrolle über eigene Militärdaten und Technologie behalten. Nach einem Bericht von Reuters bestehen in Frankreich und anderen europäischen Ländern Bedenken hinsichtlich der Speicherung und Nutzung von Daten durch US-Technologiekonzerne, hinzu kommt das Risiko, dass Washington den Zugang zu US-Technologie einschränken könnte. Thales betont deshalb, dass HexaForce eine souveräne Lösung sei, die nicht den US-Exportkontrollbestimmungen ITAR unterliege. Thales-CEO Patrice Caine wollte bei der Präsentation nicht von einem direkten Wettbewerb mit Palantir sprechen, erklärte zum Markt für solche Systeme jedoch:

„Die Schlacht hat gerade erst begonnen.“

Patrice Caine, Thales-CEO

Nach seiner Einschätzung deckt die Lösung von Palantir nur einen kleinen Teil der von der NATO benötigten Anwendungen ab. Auch Deutschland prüft Alternativen und evaluiert derzeit dreißig KI-Werkzeuge für militärische Zwecke, ohne sich bislang für Palantirs Maven entschieden zu haben. In Frankreich arbeiten neben Thales auch Mistral AI und Comand AI an Technologie für militärische Führungssysteme.

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Caine fordert internationale Regeln für KI

Caine ordnete militärische KI bei der Präsentation zudem in die breitere Debatte über die Entwicklung der Technologie ein. Technische Sicherheitsmaßnahmen könnten seiner Ansicht nach helfen, KI unter Kontrolle zu halten, reichten allein aber nicht aus. Er sprach sich deshalb für einen von Regierungen geschaffenen internationalen Regulierungsrahmen aus, der technische Schutzmaßnahmen ergänzen solle. Gleichzeitig gibt es in Europa Stimmen, die eine beschleunigte KI-Entwicklung fordern, um die Abhängigkeit des Kontinents von US-Anbietern zu verringern.

(red)

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