Wiz deckte eine Schwachstelle in einem Snowflake-Repository auf, über die sich per Issue Befehle mit Jira-Zugangsdaten ausführen ließen.
Der verwundbare Workflow startete automatisch, sobald ein öffentliches Issue eröffnet wurde, und übergab dabei die Umgebungsvariablen JIRA_BASE_URL, JIRA_USER_EMAIL sowie JIRA_API_TOKEN an denselben Verarbeitungsschritt. Der Workflow fügte dabei vom Angreifer frei wählbare Werte aus Titel und Beschreibung des Issues direkt in einen ausführbaren Shell-Befehl ein. Zusätzlich prüfte der Workflow fälschlich eine Eigenschaft, die eigentlich nur bei Pull Requests existiert, obwohl es sich um ein gewöhnliches Issue handelte. Da GitHub eine nicht existierende Eigenschaft laut eigener Dokumentation als leeren Text auswertet, verhinderte dieser eigentlich als Schutzmechanismus gedachte Vergleich nicht, dass ein gewöhnliches Issue den Workflow auslöste.
Wiz erklärte, das eigene automatisierte Testsystem Red Agent habe die Schwachstelle im Rahmen einer autorisierten Sicherheitsprüfung ausgenutzt. Nachdem eine erste Schadnutzlast an einem Syntaxfehler in der Shell gescheitert war, passte das System seine Vorgehensweise eigenständig an. Anschließend erhielten die Forscher einen außerhalb des eigentlichen Kanals eintreffenden Rückruf vom GitHub-Actions-Runner und erlangten dadurch das im Workflow verwendete Jira-API-Token. Das Token gehörte laut Wiz zu einem internen Konto und gewährte Lesezugriff auf mehrere Jira-Projekte, unter anderem zu Engineering, Sicherheits-Compliance sowie der Nachverfolgung von Bug-Bounty-Meldungen.
Snowflake-Fehler bereits fünf Tage zuvor eingeführt
Wiz meldete den Fund am 23. Juni 2026 über die Plattform HackerOne an Snowflake, das Unternehmen behob den Fehler noch am selben Tag, indem es die direkte Einbettung von GitHub-Werten durch Umgebungsvariablen ersetzte, die stattdessen als Parameter an das Werkzeug jq übergeben werden. Der verwundbare Workflow war fünf Tage zuvor, am 18. Juni, in den Hauptzweig des Repositorys gelangt. Snowflake erklärte gegenüber Wiz, die eigene Untersuchung habe keine Hinweise auf unautorisierten Zugriff ergeben. Das betroffene Jira-Token wurde nach Angaben von Wiz am 24. Juni ausgetauscht, eine Prüfung durch Snowflake habe während des rund fünftägigen Zeitfensters keine unabhängige externe Nutzung des Tokens ergeben.
Wiz brachte den Fehler ursprünglich mit einer automatisierten Codekorrektur namens GitHub Copilot Autofix in Verbindung. Die zugrunde liegende Commit-Historie belegt zwar eine Beteiligung von Copilot am zugehörigen Pull Request, jedoch nicht, dass die eigentlich fehlerhaften Zeilen im betroffenen Workflow tatsächlich von Copilot stammten, diese gehen stattdessen auf einen separaten, im August 2025 vorgenommenen Commit eines Snowflake-Entwicklers zurück. GitHub selbst hatte bereits im Juli 2025 vor genau dieser Art von Workflow-Injection gewarnt und empfohlen, nicht vertrauenswürdige Issue-Daten grundsätzlich nicht direkt in ausführbare Shell-Blöcke einzubetten, sondern stattdessen über Umgebungsvariablen zu leiten.
Für die Schwachstelle wurde bislang weder eine CVE-Kennung noch ein CVSS-Wert vergeben, auch in der KEV-Datenbank der US-Cybersicherheitsbehörde CISA ist sie nicht gelistet. Die verwundbare Einbettung ist im Hauptzweig des Repositorys inzwischen entfernt, Hinweise auf eine tatsächliche Ausnutzung außerhalb des autorisierten Tests von Wiz oder auf eine Kompromittierung von Kunden liegen nach verfügbaren Informationen nicht vor.
(red)