Micron-Chef Sanjay Mehrotra sagt, ein humanoider Roboter benötige rund zehnmal so viel DRAM-Speicher wie ein heutiges Fahrassistenzsystem.
Nach einer aktuellen Analyse von Smart Analytics Global wurden allein im ersten Halbjahr 2026 weltweit 19.100 humanoide Roboter ausgeliefert, ein Plus von 272 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet die Analyse mit rund 60.000 ausgelieferten Einheiten, bis 2030 mit bis zu 500.000 Einheiten jährlich. Chinesische Hersteller stellten dabei laut der Analyse 97 Prozent der bislang ausgelieferten Roboter her, chinesische Abnehmer nahmen 85 Prozent der Nachfrage ab. Bereits eine frühere Prognose des Marktforschungsunternehmens TrendForce vom Dezember 2025 hatte 2026 als Wendepunkt eingeordnet und mit 50.000 Auslieferungen gerechnet, ein Plus von mehr als 700 Prozent gegenüber 2025.
Als Grund für den hohen Speicherbedarf nennt Mehrotra, dass ein humanoider Roboter über eine gesamte Schicht hinweg kontinuierlich mehrere Kameras gleichzeitig betreibt und dafür erhebliche Bandbreite benötigt, um die dabei anfallenden Videodaten durch das zugrunde liegende KI-Modell zu verarbeiten.
Nur drei Hersteller produzieren DRAM in großem Maßstab
DRAM-Speicher in großem Maßstab produzieren weltweit nur drei Unternehmen: Micron, Samsung und SK Hynix. Laut Mehrotra sieht Micron derzeit keine Möglichkeit, dass das eigene Angebot mit der Nachfrage Schritt hält, die angespannte Lage werde voraussichtlich bis über das Jahr 2027 hinaus anhalten. Zwar fällt der Speicherbedarf mehrerer zehntausend oder auch mehrerer hunderttausend Roboter im Vergleich zum Speicherverbrauch großer Rechenzentren gering aus, ein einzelnes Rechenzentrum eines Hyperscalers kann zwischen 10 und 20 Millionen einzelne DRAM-Chips enthalten. Allerdings trifft die Nachfrage der Roboterhersteller auf einen Markt, in dem Rechenzentren bereits einen Großteil der verfügbaren Kapazitäten für sich beanspruchen, während auch das Training der zugrunde liegenden Modelle für diese Roboterflotten selbst in Rechenzentren erfolgt und mit der Flottengröße mitwächst.
Neue Fertigungskapazitäten lassen zudem auf sich warten: SK Hynix und Samsung haben nach Angaben des Berichts gemeinsam rund 870 Milliarden US-Dollar für den Ausbau neuer Kapazitäten zugesagt, die erste neue Fabrik von SK Hynix soll jedoch frühestens im Februar 2027 einen Reinraumbetrieb aufnehmen, neu genehmigte Kapazitäten von Micron selbst erst 2028 verfügbar sein.
(red)