Amazons neues KI-System zur Personalsteuerung in Lagerhäusern stößt bei Managern auf Widerstand, die dessen Empfehlungen wiederholt umgehen.
Nach Recherchen von Business Insider, die interne Unterlagen und Chatverläufe auswerteten, überstimmten Manager in Amazon-Lagerhäusern die Empfehlungen des neuen, KI-gestützten Personalsteuerungssystems während der Pilotphase wiederholt. Statt sich auf die Vorschläge der Software zu verlassen, suchten viele Manager aktiv nach dem, was Quellen von Business Insider als „Schlupflöcher“ bezeichneten, um zusätzliche Arbeitsstunden für ihren Bereich durchzusetzen. Berichten zufolge baten einzelne Manager kurz nach der Einführung des Systems in internen Chatnachrichten direkt Entwickler darum, die Anwendung wieder abzuschalten, bis das Problem behoben sei.
Kern des Misstrauens war nach Angaben der befragten Manager, dass das System den eigentlichen Arbeitsalltag im Lager als zu dynamisch für zuverlässige automatisierte Empfehlungen einschätzten. So habe die Software beispielsweise keine ausreichende Dringlichkeit erkannt und dadurch Mitarbeitende aus Bereichen abgezogen, in denen zusätzliche Hände tatsächlich benötigt wurden. Ein weiterer Manager kritisierte zudem, dass das System keine unterschiedlichen Stärken und Schwächen einzelner Beschäftigter berücksichtige. Ein Amazon-Sprecher erklärte gegenüber Business Insider, die zitierten internen Unterlagen zeigten nur einen kleinen Ausschnitt und spiegelten die begrenzten Erfahrungen weniger Manager wider.
Nicht der erste gescheiterte KI-Test bei Amazon
Nach Angaben von Business Insider plant Amazon inzwischen strengere Kontrollmechanismen, die manuelle Übersteuerungen durch Manager künftig deutlich einschränken sollen. Ob das System dadurch tatsächlich zuverlässiger wird, sobald menschliche Entscheidungsträger weitgehend aus dem Prozess herausgenommen werden, bleibt bislang offen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein KI-Experiment bei Amazon auf Schwierigkeiten stößt: Bereits zuvor hatte der Konzern ein Projekt für einen neuartigen Lagerroboter nach nur sechs Monaten wegen Umsetzungsproblemen und hoher Kosten stillschweigend eingestellt.
Der Fall reiht sich in einen breiteren, branchenweiten Befund ein: Nach einer Erhebung des KI-Beratungsunternehmens Section aus dem Jahr 2026 gaben 40 Prozent der befragten Beschäftigten in operativen Tätigkeiten an, durch den Einsatz von KI keinerlei Zeitersparnis in ihrem Arbeitsalltag festzustellen, obwohl Führungsebenen den Einsatz entsprechender Werkzeuge vielerorts forcieren.
(red)