Künstliche Intelligenz hält in den Finanzabteilungen deutscher Unternehmen bislang nur langsam Einzug.
Eine aktuelle IDC-Studie im Auftrag des Softwareanbieters Sage zeigt, dass vor allem fehlende Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen viele Unternehmen vom breiteren Einsatz der Technologie abhält.
Demnach legen Finanzverantwortliche mehr Wert auf Transparenz und Prüfbarkeit als auf eine möglichst hohe Genauigkeit von KI-Systemen. Ausschlaggebend sind dabei insbesondere regulatorische Vorgaben sowie Anforderungen an Compliance und Audits.
Nachvollziehbarkeit wichtiger als maximale Genauigkeit
Laut der Untersuchung würden 68 Prozent der befragten Finanzverantwortlichen in Deutschland keine KI-Lösung einsetzen, wenn deren Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind – selbst dann nicht, wenn diese in 99 Prozent der Fälle korrekte Ergebnisse liefert.
Ebenso viele Befragte würden die Entscheidungsfreiheit von KI-Systemen begrenzen, sofern diese keine Einblicke in ihre Entscheidungslogik oder einen lückenlosen Audit-Trail bieten. Für viele Unternehmen ist es entscheidend, KI-gestützte Entscheidungen gegenüber der Geschäftsleitung, Wirtschaftsprüfern und weiteren Stakeholdern transparent begründen zu können.
Finanzprozesse sind häufig noch manuell
Die Zurückhaltung spiegelt sich auch im Digitalisierungsgrad der Finanzabteilungen wider. Ein Drittel der befragten Unternehmen (33 Prozent) beschreibt die eigenen Finanzprozesse weiterhin als überwiegend manuell. Weitere 30 Prozent arbeiten hauptsächlich mit regelbasierten Abläufen.
KI-gestützte Prozesse haben sich bislang lediglich bei 17 Prozent der Unternehmen etabliert. Rund 15 Prozent sprechen von teilautonomen Finanzprozessen, während lediglich vier Prozent ihre Abläufe bereits weitgehend automatisiert und autonom gestaltet haben.
KI unterstützt vor allem Routineaufgaben
Dort, wo KI bereits eingesetzt wird, übernimmt sie überwiegend unterstützende Aufgaben. Nach den Ergebnissen der Studie dient sie vor allem dazu, administrative Prozesse zu beschleunigen und große Datenmengen effizienter auszuwerten.
Zu den wichtigsten Einsatzfeldern gehören der Abgleich und die Konsolidierung von Daten, die Erkennung von Anomalien und möglichen Betrugsfällen, die Erstellung von Berichten und Analysen, die automatisierte Prüfung von Compliance-Vorgaben sowie die Vereinfachung administrativer Transaktionen.
Damit fungiert KI derzeit vor allem als Analyse- und Automatisierungswerkzeug, während weitreichende autonome Entscheidungen bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Schatten-KI bereitet Unternehmen Sorgen
Neben den Herausforderungen beim regulären KI-Einsatz beschäftigt viele Unternehmen auch die unkontrollierte Nutzung externer KI-Dienste durch Mitarbeitende. Die Studie zeigt, dass lediglich 15 Prozent der Unternehmen über konsequent durchgesetzte Richtlinien verfügen und sicher sind, dass in ihren Finanzabteilungen keine nicht autorisierten KI-Anwendungen für sensible Daten eingesetzt werden.
Dagegen befürchten 37 Prozent der Befragten, dass sogenannte Schatten-KI bereits verbreitet genutzt wird oder sie keine ausreichenden Möglichkeiten besitzen, deren Einsatz zu erkennen oder zu verhindern.
Transparente KI soll Vertrauen schaffen
Die Ergebnisse der IDC-Studie verdeutlichen, dass Unternehmen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Finanzwesen vor allem auf Transparenz und Kontrolle setzen. Nach Einschätzung von Sage müssen Softwarelösungen deshalb nachvollziehbare Entscheidungsprozesse und belastbare Prüfpfade bieten, um regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden und das Vertrauen der Unternehmen in KI-Anwendungen zu stärken.
Gleichzeitig könnten integrierte und kontrollierbare KI-Funktionen dazu beitragen, den Einsatz nicht autorisierter KI-Werkzeuge innerhalb der Unternehmen einzudämmen und sensible Finanzdaten besser zu schützen.
(red/Sage)