ISC2 hat 1.533 Cybersecurity-Fachkräfte befragt: 86 Prozent stufen Zertifizierungen als wertvoll für ihre berufliche Entwicklung ein, gleichauf mit praktischer Berufserfahrung.
ISC2, die nach eigenen Angaben weltweit größte Mitgliederorganisation für Cybersicherheitsfachleute, hat in ihrem Report „The Value of Cybersecurity Certifications“ untersucht, welchen Stellenwert Zertifizierungen für Cybersecurity-Fachkräfte haben. Für den Report wurden zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 insgesamt 1.533 Fachleute aus Kanada, Deutschland, Indien, Japan, Großbritannien und den USA befragt. Voraussetzung für die Teilnahme war der Besitz mindestens einer herstellerunabhängigen Zertifizierung.
Auf die Frage, was den größten Einfluss auf die eigene Karriere hatte, nannten 68 Prozent der Befragten praktische Berufserfahrung als sehr wirkungsvoll. Herstellerunabhängige Zertifizierungen folgen mit 67 Prozent nahezu gleichauf, herstellerspezifische Zertifizierungen liegen bei 65 Prozent. Formale Bildungsabschlüsse (52 Prozent) sowie Mentoring und Networking (54 Prozent) werden von den Befragten als deutlich weniger wirkungsvoll eingestuft. 65 Prozent der Fachkräfte sehen Zertifizierungen zudem als besten Nachweis ihrer fachlichen Kompetenz gegenüber Arbeitgebern.
Herstellerunabhängig und herstellerspezifisch ergänzen sich
Von den 1.533 Befragten, die alle mindestens eine herstellerunabhängige Zertifizierung besitzen, verfügen 71 Prozent zusätzlich über herstellerspezifische Qualifikationen. Laut ISC2 entscheiden sich die meisten Fachkräfte im Laufe ihrer Karriere nicht für einen der beiden Wege, sondern kombinieren beide.
Der Report zeigt dabei einen Zusammenhang mit der Berufserfahrung: Von den Fachkräften mit 7 bis 10 Jahren Erfahrung begannen 54 Prozent mit einer herstellerspezifischen Zertifizierung und wechselten später zu herstellerunabhängigen Qualifikationen, bei 11 bis 15 Jahren Erfahrung liegt dieser Anteil bei 57 Prozent. Bei Fachkräften mit 1 bis 3 Jahren Erfahrung sind es dagegen nur 39 Prozent. Wer noch am Anfang der Karriere steht, hält häufiger ausschließlich herstellerunabhängige Zertifizierungen.
Motivation verändert sich im Karriereverlauf
Bei der ersten Zertifizierung stehen laut Studie der Aufbau von Grundlagenwissen (45 Prozent), die Qualifikation für eine Stelle im Cybersecurity-Bereich (44 Prozent) sowie Glaubwürdigkeit und fachliche Anerkennung (42 Prozent) im Vordergrund. Bei der zuletzt erworbenen Zertifizierung verschieben sich die Beweggründe: An erster Stelle steht hier, mit neuen Technologien Schritt zu halten (40 Prozent), gefolgt von der Vertiefung der Expertise in einem bestimmten Fachgebiet (39 Prozent) und einem höheren Verdienstpotenzial (37 Prozent). Ein Fachkraft in einer Führungsposition mittleren Managements, die sowohl über herstellerunabhängige als auch herstellerspezifische Zertifizierungen verfügt, wird im Report wie folgt zitiert:
„Um in diesem sich schnell entwickelnden Bereich Schritt zu halten, sind kontinuierliches Lernen und stetige Verbesserung unerlässlich. Diese Fähigkeiten zu beherrschen, kommt meiner täglichen Arbeit direkt zugute, und diese Zertifizierungen haben mir Selbstvertrauen gegeben.“
ISC2
Konkrete Auswirkungen auf Gehalt und Aufstieg
Von den Inhabern herstellerunabhängiger Zertifizierungen geben 70 Prozent an, dass sich ihr Fachwissen erweitert hat, ebenfalls 70 Prozent berichten von gestiegener Glaubwürdigkeit bei Kollegen, Arbeitgebern oder Kunden. 69 Prozent sehen eine verbesserte Fähigkeit, Aufgaben oder Projekte zu bewältigen. 67 Prozent der Inhaber herstellerunabhängiger Zertifizierungen geben an, dadurch ein höheres Gehalt oder eine bessere Vergütung erzielt zu haben. 64 Prozent berichten von einer verbesserten wirtschaftlichen Mobilität, worunter ISC2 etwa einen Umzug, eine Migration oder eine größere finanzielle Stabilität fasst.
Bei Kriterien für die Auswahl einer Zertifizierung nennen die Befragten die weltweite Anerkennung durch Arbeitgeber (36 Prozent), die Übereinstimmung mit anerkannten Skills-Frameworks wie DOD 8140, ENISA oder SFIA (34 Prozent) sowie die Akkreditierung durch eine unabhängige Normungsorganisation (32 Prozent) als wichtigste Faktoren.
Unternehmen erhöhen Budgets für Sicherheitsschulungen
Auch auf Unternehmensseite zeigt sich laut der ISC2-Studie „Security Training Trends 2026″ ein verstärktes Investment in Aus- und Weiterbildung. Zwei Drittel der Security-Verantwortlichen (66 Prozent) geben an, dass ihr Unternehmen das Budget für Sicherheitsschulungen in den vergangenen zwölf Monaten aufgestockt hat. Der größte Schulungsbedarf besteht laut den Befragten im Bereich künstliche Intelligenz: 43 Prozent nennen KI-Kompetenzen als dringendsten Fortbildungsbedarf. Auf Rang zwei folgen mit jeweils 39 Prozent Cloud-Sicherheit sowie Netzwerküberwachung und Sicherheitsanalysen.
Zertifizierungen verlieren im Karriereverlauf nicht an Bedeutung
67 Prozent der Befragten haben laut Studie noch keine ihrer Zertifizierungen verfallen lassen. Wo dies doch vorkam, lag der häufigste Grund darin, sich stattdessen auf eine fortgeschrittenere oder passendere Zertifizierung zu konzentrieren (33 Prozent). Ein Vertrauensverlust in Zertifizierungen im Allgemeinen war demnach selten der Auslöser. 59 Prozent der Befragten stimmen der Aussage, ihre Cybersecurity-Zertifizierungen zu schätzen, voll zu. 57 Prozent sind stolz auf ihre Zertifizierungen, 47 Prozent sehen den investierten Zeit- und Kostenaufwand durch den erzielten Nutzen voll gerechtfertigt.