Ära des Überflusses?

Elon Musk: „In zehn Jahren wird niemand mehr arbeiten müssen“

Elon Musk
Bildquelle: FotoField/Shutterstock.com

Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk hat in einem Interview mit Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes seine Vorstellungen zur Zukunft der Arbeit dargelegt.

Musk geht davon aus, dass KI-Systeme die gesamte menschliche Intelligenz in etwa fünf Jahren übertreffen werden. Es werde dann praktisch nichts mehr geben, das KI nicht besser könne als Menschen, außer vielleicht das Menschsein selbst. Zehn Jahre in die Zukunft blickend, hält er es zudem für unwahrscheinlich, dass Menschen noch die Kontrolle innehaben. Zur Begründung zog er einen Vergleich zum Verhältnis zwischen Menschen und Schimpansen heran: Der Intelligenzunterschied zwischen KI und Mensch werde den zwischen Mensch und Schimpanse deutlich übersteigen, weshalb es schwer vorstellbar sei, dass die „schwächere“ Spezies weiterhin das Sagen habe.

Anzeige
Elon Musk on AI: humans will no longer be in control in ten years | The Economist


Musk setzt auf Optimismus

Auf den Vorhalt, er habe früher selbst von einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 20 Prozent gesprochen, dass KI und Roboter die Menschheit auslöschen könnten, räumte Musk ein, dass dieses Risiko nach wie vor bestehe. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass er inzwischen optimistischer auf die Entwicklung blicke. Seiner Einschätzung nach sei das wahrscheinlichste Szenario nicht der Untergang der Menschheit, sondern „ein unglaublicher Wohlstand für alle“.

Arbeit als Überflussgesellschaft, Wirtschaft als Kollateralschaden

Aus dieser Prämisse leitet Musk sein Bild einer Überflussgesellschaft ab. Bereits zu Beginn dieses Gesprächsabschnitts sprach er von einem kommenden „Zeitalter des unglaublichen Überflusses“, in dem „jeder alles haben kann, was er sich vorstellen kann“.

Arbeit werde im klassischen Sinne überflüssig. Menschen könnten weiterhin einer Tätigkeit nachgehen, jedoch aus Freude an der Sache statt aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, vergleichbar mit Hobbygärtnern, die trotz günstigerer Supermarktware eigene Tomaten anbauen.

Zur Finanzierung eines entsprechenden Grundeinkommens schlug Musk vor, der Staat solle den Bürgern schlicht Schecks ausstellen. Auf den Einwand, dass dies ohne Gegenfinanzierung zu Inflation führen würde, entgegnete er, durch die enorme Produktivitätssteigerung könne stattdessen sogar Deflation eintreten. Eine detaillierte volkswirtschaftliche Herleitung blieb er allerdings schuldig.

Anzeige
Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Selbstkritische Töne zur eigenen Rolle in der KI-Entwicklung

Bemerkenswert offen zeigte sich Musk bei der Frage nach seiner eigenen Verantwortung für das Tempo der KI-Entwicklung. Er erklärte, OpenAI ursprünglich als Gegengewicht zu Googles damaliger Quasi-Monopolstellung im KI-Bereich gegründet zu haben. Aus OpenAI sei später Anthropic hervorgegangen, das heute zu den führenden KI-Unternehmen zähle.

Rückblickend räumte Musk jedoch ein, dass genau diese Entscheidungen letztlich zu einer weiteren Beschleunigung der KI-Entwicklung beigetragen hätten, obwohl dies ursprünglich gar nicht seine Absicht gewesen sei. Sein Fazit: Letztlich führten alle Wege zu einer Beschleunigung der KI, weshalb man entweder darüber traurig sein oder sich der Entwicklung anschließen könne.

Vorschlag zur Selbstregulierung der Branche

Auf die Möglichkeit angesprochen, das Tempo der Entwicklung durch Regulierung zu bremsen, verwies Musk auf ein Gespräch mit Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis. Statt zunächst auf staatliche Behörden zu setzen, schlug Musk einen regelmäßigen Austausch der führenden KI-Unternehmen vor. Seine Empfehlung sei gewesen, dass sich die Unternehmen alle paar Wochen treffen oder zumindest telefonieren, um Sicherheits- und Risikofragen gemeinsam zu besprechen. Konkurrenten hätten dabei ein Eigeninteresse, sich gegenseitig zu kontrollieren, da Regierungsvertreter ohne tiefes technisches Verständnis kaum beurteilen könnten, ob ein neues Modell veröffentlicht werden sollte. Erst wenn ein Unternehmen erkannte Risiken ignoriere, solle der Staat eingreifen.

Auf Nachfrage, warum ein solcher Austausch angesichts des rasanten Fortschritts nicht längst etabliert sei, antwortete Musk, dies müsse möglichst sofort geschehen. Sechs Monate seien angesichts der Entwicklung bereits eine lange Zeit, da es mittlerweile teilweise mehrere KI-Durchbrüche pro Tag gebe.

Deutliche Kritik an Sam Altman, Lob für Anthropic

Auf Nachfrage nach seinem schwierigen Verhältnis zu OpenAI-Chef Sam Altman sparte Musk nicht mit Kritik. Er warf Altman vor, aus einer ursprünglich als Non-Profit- und Open-Source-Projekt gegründeten Organisation ein geschlossenes, rund 800 Milliarden US-Dollar schweres, gewinnorientiertes Unternehmen gemacht zu haben. Das widerspreche aus seiner Sicht dem ursprünglichen Stiftungszweck. Anthropic-Chef Dario Amodei bezeichnete er dagegen als prinzipientreu und dem Weltwohl verpflichtet. Auch die Mitarbeiter von Anthropic hätten auf ihn bislang stets einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht.

(red)

Anzeige

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.