Marketingtrends von Google

Google-Sicherheitsingenieur wegen Millionen-Gewinn mit Insiderwissen angeklagt

Google Suche
Bildquelle: Thaspol Sangsee / Shutterstock.com

Ein Google-Mitarbeiter wurde in New York festgenommen. Er soll interne Suchdaten für Millionengewinne auf der Wettplattform Polymarket genutzt haben.

In der US-amerikanischen Metropole New York wurde eine strafrechtliche Anklage gegen einen leitenden Mitarbeiter des Technologiekonzerns Google unversiegelt. Die Bundesstaatsanwaltschaft für den südlichen Distrikt von New York wirft dem 36-jährigen italienischen Staatsbürger Michele Spagnuolo vor, vertrauliche und kommerziell wertvolle Insiderinformationen seines Arbeitgebers missbraucht zu haben. Der Beschuldigte soll die nicht öffentlichen Daten genutzt haben, um auf der dezentralen Krypto-Prognoseplattform Polymarket gezielte Finanzwetten auf das Suchverhalten von Internetnutzern zu platzieren.

Anzeige

Die Behörden werfen dem Mann Warenbetrug, Drahtbetrug sowie Geldwäsche vor. Spagnuolo, der regulär in der Schweiz lebt und von den Google-Büros in Zürich aus tätig war, wurde am Morgen des 27. Mai 2026 bei der Einreise in New York von Bundesagenten festgenommen. Bei einer ersten Vorführung vor einer Bundesrichterin plädierte er vorerst nicht auf schuldig und wurde gegen eine Kaution von 2,25 Millionen US-Dollar freigestellt, wovon eine Million US-Dollar in bar als Sicherheit hinterlegt werden mussten.

Pseudonym AlphaRaccoon auf Polymarket

Der Beschuldigte war bei Google als leitender Ingenieur für Informationssicherheit im Bereich der Analyse von Web-Signalen beschäftigt. In dieser Funktion hatte er erweiterten Zugriff auf interne Datenstrukturen und Software-Werkzeuge, die das weltweite Suchverhalten der Nutzer in Echtzeit aggregieren. Diese Anwendungen sind intern explizit mit Warnhinweisen zur Vertraulichkeit gekennzeichnet. Laut den Ermittlungsakten der Bundespolizei FBI erstellte Spagnuolo im Mai 2024 ein Handelskonto auf der auf Blockchain-Technologie basierenden Plattform Polymarket unter dem Pseudonym AlphaRaccoon.

Zwischen dem 15. Oktober und dem 4. Dezember 2025 nutzte er dieses Pseudonym, um bei insgesamt 25 verschiedenen Wettmärkten ein Gesamtkapital von rund 2,75 Millionen US-Dollar zu riskieren. Die Wetten bezogen sich primär auf die exakten Platzierungen der jährlichen Google-Statistik des Jahres 2025, der sogenannten Year in Search Berichte. Da er die finalen Ergebnisse aufgrund seiner beruflichen Position bereits vor der offiziellen Presseerklärung einsehen konnte, handelte es sich bei den Transaktionen um risikofreie Vorhersagen.

Anzeige

Gewinne mit am häufigsten gesuchten Personen auf Google

Die Anklageschrift dokumentiert detailliert die einzelnen Handelsaktivitäten des Kontos AlphaRaccoon. Spagnuolo platzierte unter anderem eine Wette darauf, dass der Singer-Songwriter D4vd die am häufigsten gesuchte Person des Jahres 2025 auf Google sein würde. Zum Zeitpunkt der Wettplatzierung stuften die regulären Marktteilnehmer auf Polymarket die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis als nahezu null ein, weshalb die Wettquoten extrem hoch lagen. Der Name des Musikers verzeichnete Ende 2025 im Zuge von Berichten über ein Strafverfahren ein massives weltweites Suchvolumen.

Nach der offiziellen Veröffentlichung der Google-Statistiken am 4. Dezember 2025 verbuchte das Konto AlphaRaccoon allein mit dieser Vorhersage einen Reingewinn von rund 1,2 Millionen US-Dollar. Neben dieser Position wettete der Ingenieur beträchtliche Summen darauf, dass bestimmte prominente Personen oder Fernsehserien wie Squid Game entgegen den Markterwartungen nicht die vordersten Plätze der Suchtrends belegen würden.

Im Gegensatz zu den Gegenparteien seiner Geschäfte kannte Spagnuolo den Ausgang dieser Wetten, bevor die handelnde Öffentlichkeit davon erfuhr, da er Zugriff auf die vertraulichen, kommerziell wertvollen internen Daten von Google hatte. Nach dem Abschluss der Wettmärkte versuchte der Beschuldigte, die Herkunft der Gelder durch Krypto-Transaktionen zu verschleiern und entfernte den Benutzernamen von der Plattform.

Offizielle Anklageschrift

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Zugriff auf Marketingtrends von Google steht allen Angestellten offen

Zusätzlich zu den strafrechtlichen Vorwürfen des Justizministeriums sieht sich der Ingenieur mit einer zivilrechtlichen Klage der US-Aufsichtsbehörde für den Terminhandel konfrontiert, der Commodity Futures Trading Commission. Diese wirft ihm den formellen Verstoß gegen die gesetzlichen Bestimmungen zum Insiderhandel auf den Waren- und Terminmärkten vor.

Ein Sprecher des Technologiekonzerns Google bestätigte die Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden und gab an, dass der Mitarbeiter umgehend vom Dienst freigestellt wurde. Das Unternehmen erklärte, dass der Zugriff auf die zugrundeliegenden Marketingtrends über ein Werkzeug erfolgte, das grundsätzlich allen Angestellten offenstehe, die Nutzung dieser geschäftsinternen Informationen für private Spekulationen jedoch eine schwerwiegende Verletzung der internen Richtlinien und Geheimhaltungspflichten darstelle.

US-Soldat erzielte Gewinne auf Polymarket von über 400.000 US-Dollar

Der Fall von Michele Spagnuolo ist das zweite prominente Verfahren dieser Art innerhalb kurzer Zeit, das von der US-Staatsanwaltschaft in Manhattan vorangetrieben wird. Erst im Vormonat wurde ein US-Soldat namens Gannon Ken Van Dyke angeklagt, weil er Geheimwissen über die Planung einer militärischen Operation zur Festnahme des venezolanischen Politikers Nicolás Maduro genutzt hatte, um auf Polymarket Gewinne von über 400.000 US-Dollar zu erzielen. Der zuständige US-Staatsanwalt Jay Clayton hat die Verfolgung von Insiderhandel auf krypto-basierten Wettseiten zu einer operativen Priorität erklärt.

Obwohl die rechtlichen Rahmenbedingungen für Prognosemärkte historisch weniger strikt reguliert waren als die klassischen Aktienmärkte, fällt der Missbrauch nicht öffentlicher Unternehmensdaten unter das Bundesstrafrecht. Eine Sprecherin von Polymarket betonte, dass die Plattform vollständig mit den Behörden kooperiert habe und dass Krypto-Transaktionen aufgrund ihrer lückenlosen Rückverfolgbarkeit auf der Blockchain digitale Fußabdrücke hinterlassen, die kriminelle Aktivitäten transparent machen.

Konsequenzen für die IT-Governance und das interne Risikomanagement

Für die IT-Governance und das strategische IT-Risikomanagement in global agierenden Unternehmen liefert dieser Vorfall wichtige Erkenntnisse. Der Missbrauch zeigt, dass herkömmliche Zugriffskontrollen oft unzureichend sind, wenn Mitarbeiter mit erweiterten Privilegien, wie Sicherheitsingenieure oder Datenanalysten, interne Daten für externe, nicht direkt mit der IT-Infrastruktur verknüpfte Plattformen zweckentfremden.

Ein vorausschauendes Risikomanagement erfordert eine kontinuierliche Überwachung von Datenexporten und die Implementierung von Verhaltensanalysen, die ungewöhnliche Muster bei der Abfrage von internen Statistiken frühzeitig erkennen. Zudem müssen Compliance-Richtlinien explizit um das Verbot von Spekulationen auf Prognosemärkten erweitert werden, um rechtliche Grauzonen im Rahmen der Corporate Governance zu schließen und Reputationsschäden für die Organisation abzuwenden.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

Anzeige

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.