In Deutschland stehen in den kommenden Jahren hunderttausende Unternehmen vor einem Führungswechsel. Zwischen 2026 und 2030 sollen laut aktuellen Prognosen rund 186.000 Betriebe übergeben werden.
Doch obwohl die Zahl hoch bleibt, wird die Suche nach geeigneten Nachfolgern zunehmend schwieriger. Darauf weist unter anderem der Nachfolgeexperte Karsten Poppe von der Benity GmbH hin.
Besonders auffällig: Die klassische familieninterne Übergabe verliert immer mehr an Bedeutung. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen bleibt innerhalb der Familie. Andere Betriebe setzen auf Mitarbeitende oder externe Käufer. Damit verändert sich die Nachfolgelandschaft spürbar.
Warum viele Unternehmer zu spät handeln
Für viele Firmeninhaber beginnt die eigentliche Herausforderung erst dann, wenn die Zeit knapp wird. Wer die Nachfolgeplanung zu lange aufschiebt, hat oft nur noch wenige geeignete Kandidaten zur Auswahl. Gleichzeitig steigt der Druck, schnell Entscheidungen treffen zu müssen.
Das wirkt sich nicht nur auf die Zukunft des Unternehmens aus, sondern häufig auch auf dessen Marktwert. Unternehmen ohne klare Perspektive gelten bei potenziellen Käufern als riskanter. Besonders problematisch wird es, wenn der gesamte Betrieb stark an die Persönlichkeit des Inhabers gebunden ist. Fällt diese zentrale Figur weg, entstehen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung.
Externe Nachfolger verändern Unternehmenskulturen
Während früher häufig Kinder oder andere Familienmitglieder die Verantwortung übernahmen, kommen heute deutlich öfter externe Nachfolger zum Zug. Das eröffnet zwar neue Möglichkeiten, bringt aber auch Risiken mit sich.
Unternehmenskulturen entstehen oft über Jahrzehnte hinweg und lassen sich nicht kurzfristig übertragen. Fehlt eine ausreichende Übergangsphase, können gewachsene Strukturen verloren gehen. Mitarbeiter reagieren auf Führungswechsel häufig sensibel, insbesondere wenn neue Verantwortliche die bisherigen Werte oder Arbeitsweisen verändern.
Karsten Poppe betont, dass viele Unternehmer die Problematik durchaus erkennen. Dennoch scheitert die frühzeitige Planung oft am anspruchsvollen Tagesgeschäft. Die Suche nach geeigneten Kandidaten gilt als zeitaufwendig und komplex. Zudem seien vorhandene Fördermöglichkeiten für Beratungen vielen Betrieben kaum bekannt.
Nachfolge wird zunehmend zum Recruiting-Thema
Die Unternehmensnachfolge entwickelt sich damit immer stärker zu einer strategischen Personalfrage. Statt kurzfristig Ersatz zu suchen, rückt der langfristige Aufbau potenzieller Führungspersönlichkeiten in den Mittelpunkt.
Wer mehrere Jahre vor dem geplanten Rückzug mit der Planung beginnt, kann geeignete Kandidaten gezielt entwickeln und schrittweise Verantwortung übertragen. Das erleichtert nicht nur den späteren Übergang, sondern stärkt auch die Stabilität des Unternehmens während der Veränderungsphase.
Vor allem interne Talente könnten dadurch frühzeitig an Führungsaufgaben herangeführt werden. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit, externe Kandidaten sorgfältig auszuwählen und in bestehende Strukturen einzubinden.
Die Übergabe entscheidet über die Zukunftsfähigkeit
Die anstehenden Unternehmensübergaben gelten inzwischen als wichtiger Belastungstest für viele mittelständische Betriebe. Es geht längst nicht mehr nur um einen formalen Eigentümerwechsel, sondern um die langfristige Sicherung von Wissen, Unternehmenskultur und Wettbewerbsfähigkeit.
Unternehmen, die Nachfolge frühzeitig als strategischen Prozess verstehen, verschaffen sich dabei klare Vorteile. Statt unter Zeitdruck handeln zu müssen, können sie den Übergang aktiv gestalten und ihre Zukunft langfristig absichern.