Das Digital-Ranking kürt Hamburg zum digitalen Spitzenreiter. Hessen rückt auf Platz 3 vor, während das Saarland als größter Aufsteiger überzeugt.
Die digitale Transformation in Deutschland vollzieht sich weiterhin mit regional höchst unterschiedlicher Geschwindigkeit. Dies belegen die Ergebnisse des heute vorgestellten „Bitkom Länderindex 2026“. Während Hamburg seine Spitzenposition mit deutlichem Vorsprung verteidigt, zeigt das Ranking signifikante Verschiebungen im Mittelfeld und eine ausgeprägte Spezialisierung einzelner Regionen. Der Index basiert auf einer Untersuchung aller 16 Bundesländer anhand von 30 Indikatoren, die in vier Hauptkategorien unterteilt sind: Governance & Verwaltung, Digitale Infrastruktur, Digitale Wirtschaft sowie Digitale Gesellschaft.
Hamburg baut Führung durch Infrastruktur und Wirtschaft aus
Mit einer Gesamtpunktzahl von 70,3 von 100 möglichen Punkten belegt Hamburg erneut den ersten Platz im bundesweiten Vergleich. Die Hansestadt führt das Ranking nicht nur in der Gesamtwertung an, sondern belegt auch Spitzenplätze in den Teilbereichen „Digitale Wirtschaft“ und „Digitale Infrastruktur“. Laut den Daten des Branchenverbandes Bitkom profitiert Hamburg von einer hohen Dichte an IT-Unternehmen und Fachkräften sowie einer weit fortgeschrittenen Glasfaser- und Gigabitversorgung.
Auf dem zweiten Rang folgt Berlin mit 63,8 Punkten. Die Bundeshauptstadt verdankt ihre Position vor allem einer starken Digitalwirtschaft, getrieben durch eine konstant hohe Zahl an Startup-Neugründungen. Den dritten Platz sichert sich Hessen (63,7 Punkte), das im Vergleich zur Erhebung von 2024 zwei Plätze gutmachen konnte. Hessen punktet insbesondere im Bereich „Governance & Verwaltung“ (Platz 1) sowie durch die hohe Rechenzentrumsleistung im Raum Frankfurt am Main, die das Land in der Kategorie Infrastruktur auf den zweiten Platz befördert.
Das Saarland als „Shooting-Star“ der digitalen Bildung
Die dynamischste Entwicklung im gesamten Index verzeichnet das Saarland. Das kleinste Flächenland verbesserte sich von Rang 12 im Jahr 2024 auf den aktuell 6. Platz. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Kategorie „Digitale Gesellschaft“, in der das Saarland bundesweit den ersten Rang belegt.
Konkret führt das Bitkom-Ranking dies auf strategische Investitionen in die digitale Bildung zurück. So sind im Saarland in allen Schulformen mindestens sechs Pflichtstunden Informatik verankert. Zudem liegt der Anteil der Informatik-Lehrkräfte mit 5 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 3 Prozent. Auch bei der Ausstattung der Schulen mit Gigabit-Anschlüssen nimmt das Saarland eine Vorreiterrolle ein. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betonte im Rahmen der Pressekonferenz, dass digitale Fortschritte weniger von der Größe eines Landes als von politischer Schwerpunktsetzung und gezielten Investitionen abhängen.
Digital-Ranking: Infrastruktur im Norden, Bildung im Osten
Die Analyse der 30 Indikatoren offenbart eine geografische Aufteilung digitaler Stärken. In der Kategorie „Digitale Infrastruktur“ dominieren die norddeutschen Bundesländer. Hinter Hamburg belegen Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen die vorderen Plätze, was auf einen überdurchschnittlichen Ausbau von Glasfaser- und Gigabitnetzen zurückzuführen ist. Der Süden Deutschlands, insbesondere Bayern (Gesamtplatz 4) und Baden-Württemberg (Gesamtplatz 5), behauptet sich hingegen in der „Digitalen Wirtschaft“.
Ein gegensätzliches Bild zeigt sich in den ostdeutschen Bundesländern. Obwohl Sachsen-Anhalt (52,4 Punkte), Thüringen (51,1 Punkte) und Mecklenburg-Vorpommern (51,1 Punkte) die unteren Plätze des Gesamtrankings belegen, erzielen sie in der Kategorie „Digitale Gesellschaft“ Spitzenwerte. Mecklenburg-Vorpommern belegt hier Rang 2, Sachsen Rang 3 und Thüringen Rang 4. Ausschlaggebend sind hierbei vor allem Fortschritte in der digitalen Teilhabe und Bildung. In Sachsen etwa unterrichten 9 Prozent der Lehrkräfte Informatik, was den bundesweit höchsten Wert darstellt.
Strategische Faktoren für erfolgreiche Digitalpolitik
Der Länderindex identifiziert wiederkehrende Muster bei den digitalen Vorreitern. Länder mit hoher Punktzahl verfügen häufig über spezialisierte Institutionen wie eigenständige Digitalministerien oder Digitalkabinette. Auch die Einführung eines „Digitalchecks“ für neue Gesetze sowie eine öffentlich dokumentierte Digitalstrategie korrelieren mit höheren Indexwerten.
Um die Digitalisierung bundesweit zu beschleunigen, empfiehlt der Bitkom den Ausbau des „Deutschland-Stacks“. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame technische Basis für die Verwaltung, um Insellösungen der einzelnen Länder zu vermeiden und die Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes (OZG) zu beschleunigen. Bitkom-Präsident Wintergerst forderte zudem ein „Beschleunigungsbudget“ für digitale Maßnahmen und den Abbau von Berichtspflichten für Unternehmen, um die wirtschaftliche Entlastung direkt spürbar zu machen.