EU-Verfahren gegen Alphabet

EU fordert Ende der KI-Abschottung auf Android

Android
Bildquelle: David Marin Foto / Shutterstock.com

Die EU-Kommission plant die Öffnung von Android für KI-Konkurrenten wie ChatGPT. Sie fordert den Zugriff auf Wake-Words und Systemdaten.

Die Europäische Kommission hat ihre vorläufigen Untersuchungsergebnisse zur Interoperabilität von Künstlicher Intelligenz auf dem Betriebssystem Android vorgelegt. Ziel der Brüsseler Behörde ist es, den Wettbewerb zwischen verschiedenen KI-Diensten zu fördern und die tiefe Systemintegration, die derzeit primär Googles eigenem Assistenten Gemini vorbehalten ist, für Drittanbieter zu öffnen. Das Verfahren basiert auf dem Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA), das sogenannte Gatekeeper zur fairen Marktgestaltung verpflichtet.

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Sprachaktivierung auf ChatGPT gefordert

Die von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, die bestehenden Barrieren für alternative KI-Anbieter abzubauen. Bisher genießen Google-Dienste auf Android-Geräten exklusive Privilegien, die es Konkurrenten erschweren, vergleichbar nahtlose Nutzererlebnisse anzubieten.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die zentralen Forderungen der EU-Kommission:

BereichGeplante EU-MaßnahmeAktueller Zustand
SprachaktivierungFreigabe eigener Wake-Words (z.B. „Hey ChatGPT“)Primär auf „Hey Google“ beschränkt
App-IntegrationSchreib- und Lesezugriff auf Gmail, Drive und PhotosExklusiv für Google-Systemdienste optimiert
SystemzugangBelegung der Start-Taste (Long Press) durch Dritt-KIFest mit Google Gemini verknüpft
DatenzugriffOpt-in-Zugriff auf gerätelokale NutzerdatenHohe Hürden für externe KI-Dienstleister
RessourcenZugriff auf On-Device-KI-Modelle und HardwareBevorzugte Nutzung durch Alphabet-eigene Software

Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin für Wettbewerb, betonte, dass KI-Dienste zu unverzichtbaren Zugangspunkten auf Mobilgeräten geworden seien. Es sei daher kritisch, Innovationen von Unternehmen jeder Größe zu schützen, um den Bürgern eine echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.

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Widerspruch von Google: Sicherheitsbedenken

Alphabet weist die vorläufigen Ergebnisse der Kommission zurück. Clare Kelly, Senior Competition Counsel bei Google, bezeichnete die geplanten Maßnahmen als ungerechtfertigten Eingriff in das Ökosystem. Laut Kelly verfügten Gerätehersteller bereits heute über die Autonomie, KI-Erlebnisse anzupassen. Eine erzwungene Öffnung sensibler Hardware- und Berechtigungsschichten würde nicht nur die Kosten in die Höhe treiben, sondern auch den Schutz der Privatsphäre und die Datensicherheit europäischer Nutzer untergraben.

Die Argumentation des Konzerns zielt darauf ab, Android als bereits offenes System darzustellen, dessen Sicherheit durch die EU-Forderungen gefährdet werde. Kritiker entgegnen jedoch, dass die aktuelle Architektur Gemini einen unfairen Vorteil verschafft, da Drittanbieter für einfache Aufgaben wie das Versenden einer E-Mail über Sprachbefehl oft komplexere Berechtigungsschritte durchlaufen müssen als die vorinstallierten Google-Dienste.

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Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen

Die Veröffentlichung dieser vorläufigen Maßnahmen markiert den Beginn einer öffentlichen Konsultationsphase. Interessierte Parteien, darunter Entwickler von KI-Modellen wie OpenAI oder Anthropic sowie Gerätehersteller, haben bis zum 13. Mai 2026 Zeit, Stellungnahmen einzureichen. Die Europäische Kommission wird dieses Feedback bewerten und voraussichtlich bis zum 27. Juli 2026 eine endgültige, bindende Entscheidung treffen.

Sollte Google die geforderte Interoperabilität nicht fristgerecht umsetzen, drohen dem Unternehmen empfindliche Sanktionen. Der DMA sieht in solchen Fällen Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor, bei wiederholten Verstößen sogar bis zu 20 Prozent. Damit wird der Android-Fall zu einem Präzedenzfall für die künftige Regulierung von KI-Systemen in mobilen Ökosystemen.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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