Eine lösbare Herausforderung

Versicherungscallcenter: Verbindungsqualität, Sicherheit und Compliance

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Bildquelle: SAB / KI für Snom Technology

Wie Versicherungsunternehmen die Grenzen von Terminalserver-Infrastrukturen überwinden können, ohne Compliance und Produktivität zu gefährden. Ein Best-Practice-Beispiel zu Kommunikation und Technologie in der Versicherungsbranche.

Callcenter in der Versicherungsbranche arbeiten in einem der am stärksten regulierten Umfelder der europäischen Wirtschaft. Dies macht jede technologische Entscheidung zu einem Schritt, der weit über eine einfache operative Optimierung hinausgeht. Dennoch ist ausgerechnet in diesem Kontext eine der kritischsten Funktionen – die Sprachkommunikation mit Kunden – häufig diejenige, die die größten Schwachstellen aufweist.

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Viele Versicherungsunternehmen verwalten ihre IT-Infrastruktur über Terminalserver. Diese Architektur erfüllt die Anforderungen an Sicherheit und regulatorische Compliance perfekt, weist jedoch eine technische Einschränkung auf, die häufig unterschätzt wird. Terminalserver sind nicht dafür ausgelegt, dem Sprachverkehr Priorität einzuräumen. Audio-Pakete werden wie jede andere Art von Daten behandelt – Software-Updates, Dateiübertragungen, Web-Traffic –, mit direkten Folgen für die Audio-Qualität: Latenz, Echo, Unterbrechungen und Paketverluste, die sich unmittelbar auf die Kundenerfahrung und damit auf die Effizienz der Mitarbeiter auswirken. Doch die Konsequenzen reichen weiter.

Zu den Voraussetzungen, die unmittelbar auf die technologischen Infrastrukturen wirken, gehören präzise regulatorische Standards: In Deutschland überwacht die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) auf Basis des VAG und der VAIT (bzw. DORA seit Januar 2025) die Einhaltung der Anforderungen an die Aufbewahrung von Kundenkommunikation, die Nachvollziehbarkeit von Vorgängen und die Betriebskontinuität der IT-Systeme. In Österreich übernimmt die FMA (Finanzmarktaufsicht) eine entsprechende Rolle, in der Schweiz ist die FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht) für diese Regularien verantwortlich. Ein Callcenter, das keine zuverlässige Kommunikation gewährleisten kann, ist damit nicht nur ein Problem der Kundenzufriedenheit: Es kann ein ernsthaftes Compliance-Risiko mit konkreten regulatorischen Konsequenzen darstellen.

Hinzu kommen die Datenschutzanforderungen: In Deutschland und Österreich gilt die DSGVO, in der Schweiz das revidierte DSG (Datenschutzgesetz), das 2023 in Kraft getreten ist und sich weitgehend an der DSGVO orientiert. In beiden Fällen verpflichtet die Datenschutzgesetzgebung Unternehmen dazu, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten zu treffen, die Nachvollziehbarkeit jedes Datenzugriffs zu gewährleisten und die Konformität der IT-Infrastruktur dokumentieren zu können. Für Unternehmen mit Versicherungsprodukten samt Finanzkomponenten gelten in Deutschland und Österreich zusätzlich die Anforderungen der MiFID II, die weitere Pflichten zur Aufzeichnung und Archivierung der Kundenkommunikation vorsieht. In der Schweiz gilt hierfür das FIDLEG als nationales Äquivalent.

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Die Quadratur des Kreises: Der Fall einer Schweizer Versicherung

Ein besonders anschauliches Beispiel für diesen Balanceakt liefert eine namhafte Schweizer Versicherungsgesellschaft mit einem hausinternen Callcenter beträchtlicher Größe*. Das Unternehmen arbeitete – auch aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen – nach einem sehr strengen Sicherheitskonzept: Die Mitarbeiter konnten nur auf spezifische Daten über geschützte Terminalserver zugreifen. Jede lokale Datenspeicherung war untersagt, die Installation herkömmlicher Tischtelefone aus Sicherheits- wie auch Platzgründen unerwünscht.

Der telefonische Kundenkontakt wurde daher ausschließlich über Soft-Clients auf dem Terminalserver abgewickelt – eine aus regulatorischer Sicht konforme Lösung, die jedoch in Spitzenlastzeiten genau die beschriebenen Probleme erzeugte: eine degradierte Audio-Qualität, eine spät oder gar nicht erfolgte Darstellung der Kundendaten auf den PCs und IT-Störmeldungen. Die Auswirkung auf die Kundenzufriedenheit war entsprechend negativ. Ein Problem, das in einer Branche, in der das Telefongespräch ein grundlegender Kanal für Beratung und Kundenbindung bleibt, schwer zu tolerieren ist.

Ein innovativer technologischer Ansatz

Die Antwort auf diese Herausforderung kam in Form eines kompakten Hardware-Geräts (Snom SP800) ohne Display und Tastatur sowie speziell für Terminalserver-Umgebungen entwickelt. Das zugrunde liegende Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: die Verarbeitung des Sprachsignals physisch von der Datenverarbeitung des zentralen Servers zu trennen. Das Gerät verhält sich wie ein autonomes SIP-Terminal mit dediziertem Audio-Prozessor und gewährleistet eine konstant hohe Audio-Qualität mit HD-Codecs, adaptiven Jitter-Buffern und Sprachpausenerkennung – unabhängig von der Server-Last.

Snom SP800
Snom SP800

Gleichzeitig erfordert die Nutzung des Endgeräts keine lokale Speicherung sensibler Daten, lässt sich in die unternehmenseigenen Sicherheitsrichtlinien integrieren und unterstützt sichere Provisionierungsprotokolle. Dank seiner sehr kompakten Abmessungen konnte es zudem hinter dem Monitor oder unter dem Schreibtisch platziert werden, ohne nutzbaren Raum am Arbeitsplatz zu beanspruchen.

Nach dem Deployment im Callcenter wurden messbare Verbesserungen auf mehreren operativen Ebenen dokumentiert. In Bezug auf die Kommunikationsqualität wurde eine deutliche Steigerung der Gesprächsklarheit und -stabilität selbst in Spitzenlastzeiten festgestellt, wobei die zuvor aufgetretenen Latenz- und Paketverlustprobleme eliminiert wurden.

Gleichzeitig sank die Anzahl der gemeldeten Störungen der Telefonie-Dienste, was zu einer entsprechenden Einsparung technischer Ressourcen für das IT-Team führte. Die Mitarbeiter profitierten von einer flüssigeren, stabileren und zuverlässigeren Kommunikation während der gesamten Arbeitsschicht, mit messbaren positiven Auswirkungen auf die Produktivität. Dies alles wurde bei vollständiger Einhaltung der geltenden Sicherheits- und Datenschutzvorschriften, der Unternehmensrichtlinien und der ergonomischen Anforderungen am Arbeitsplatz erreicht.

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Ein übertragbares Beispiel

Der Fall der Schweizer Versicherungsgesellschaft zeigt, dass selbst die komplexesten technologischen Herausforderungen – jene, bei denen regulatorische Einschränkungen, Sicherheitsanforderungen und Service-Erwartungen scheinbar im Widerspruch stehen – wirksam gelöst werden können, wenn ein methodischer Ansatz verfolgt und kompetente Technologie-Partner gewählt werden. Die Kommunikationsqualität als Tribut an die Sicherheit zu opfern, ist heute eine überholte Entscheidung.

Für die Versicherungsbranche bleibt die Sprachkommunikation ein kritisches Asset: Sprachlich wird das Vertrauen des Kunden aufgebaut, per Sprachkommunikation werden sensible Momente wie Schadensmeldungen oder die Vertragsverlängerungen gehandhabt. Die persönliche Betreuung ist sicher eine der wichtigsten Säulen für die Bemessung der Service-Qualität eines Dienstleisters im Beratungsbereich. In diese Zuverlässigkeit und Qualität zu investieren – gerade auch in technologisch komplexen Umgebungen –, ist keine zusätzliche Ausgabe, sondern eine strategische Entscheidung mit messbaren Erträgen in operativer Effizienz, Kundenzufriedenheit und Infrastrukturresilienz.

*Aus vertraglichen Vertraulichkeitsgründen darf die Identität der Organisation nicht offengelegt werden.

(ds/Snom)

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