Die digitale Zugänglichkeit von Websites in Deutschland nimmt zwar zu, liegt aber weiterhin auf niedrigem Niveau.
Eine aktuelle Analyse der Gisma University of Applied Sciences zeigt, dass der Anteil vollständig barrierefreier Websites innerhalb eines Jahres von 6,53 auf 11,84 Prozent gestiegen ist. Trotz dieses Fortschritts erfüllt also noch nicht einmal jede achte Website die höchsten gesetzlichen Standards für digitale Barrierefreiheit.
Für die Untersuchung wurden 245 Websites aus zehn relevanten Branchen analysiert, darunter Universitäten, Stadtverwaltungen, Arztpraxen, Apotheken, Onlineshops und öffentliche Verkehrsbetriebe. Bewertet wurde die technische Umsetzung mithilfe des Google-Lighthouse-Tools. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse war durch die identische Auswahl an Websites in beiden Erhebungszeiträumen gewährleistet.
Qualitätssteigerungen vor allem im oberen Bereich
Neben der Zunahme vollständig barrierefreier Websites zeigt sich eine generelle Verbesserung der Qualität. Websites mit mindestens 90 von 100 Punkten stiegen von 29,8 auf 44,08 Prozent, und der durchschnittliche Lighthouse-Wert erhöhte sich von 85,2 auf 89,06 Punkte. Extrem niedrige Bewertungen unter 50 Punkten verschwanden nahezu vollständig.
Die Verbesserungen konzentrieren sich allerdings vor allem auf den oberen Qualitätsbereich. Während mehr Websites sehr gute Werte erreichen, bleibt die vollständige Umsetzung barrierefreier Standards die Ausnahme.
Öffentliche Einrichtungen zeigen Fortschritte
Besonders sichtbar sind Fortschritte im öffentlichen Sektor. Universitäten verdreifachten die Zahl vollständig barrierefreier Websites von zwei auf sechs. Stadtverwaltungen verbesserten sich von drei auf sechs Websites, und der öffentliche Personennahverkehr erhöhte die Höchstbewertungen von fünf auf sieben.
Auch bei den Durchschnittswerten liegen öffentliche Einrichtungen vorn: Universitäten erreichen 91,86 Punkte, Immobilienunternehmen 91,81 Punkte und ÖPNV-Anbieter 91,73 Punkte. Stadtverwaltungen liegen bei 91,26 Punkten. Die Zahlen zeigen, dass der öffentliche Bereich zunehmend systematisch digitale Zugangsstandards umsetzt, wenngleich vollständige Barrierefreiheit noch nicht flächendeckend erreicht ist.
Gesundheits- und Servicebereiche hinken hinterher
Im Gesundheitsbereich sind die Fortschritte weniger deutlich. Arztpraxen erreichen keine vollständige Bestbewertung und liegen im Durchschnitt bei 84,79 Punkten, Apotheken bei 85,77 Punkten. Auch E-Mail-Provider stagnieren mit zwei Höchstbewertungen und einem Durchschnitt von 85,88 Punkten.
Onlineshops zeigen eine moderate Verbesserung: Die Zahl vollständig barrierefreier Websites stieg von einer auf drei, der Durchschnittswert liegt nun bei 89,32 Punkten. Bei Anwaltskanzleien sank die Anzahl der Websites mit Höchstwerten leicht von drei auf zwei, obwohl der Durchschnitt auf 89,58 Punkte stieg.
Immobilienunternehmen erreichten erstmals eine vollständig barrierefreie Website und erzielten einen Durchschnitt von 91,81 Punkten. Bundesliga-Vereine verbesserten sich leicht, bleiben mit 88,66 Punkten jedoch hinter den führenden öffentlichen Einrichtungen zurück.
Barrierefreiheit als strukturelle Voraussetzung
Sara Ramzani, Professorin an der Gisma University of Applied Sciences, betont: „Digitale Barrierefreiheit ist keine technische Detailfrage, sondern eine strukturelle Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Unsere Daten zeigen Fortschritte, aber sie machen ebenso deutlich, dass vollständige digitale Inklusion noch nicht erreicht ist.“
Ramzani weist darauf hin, dass viele Organisationen technisch nahe an vollständiger Barrierefreiheit sind, die vollständige Konformität jedoch knapp verfehlen. Die verbleibenden Hürden liegen laut ihr weniger in der Technologie als in Priorisierung, Sensibilisierung und organisatorischen Strukturen. Die Schließung dieser Lücke erfordere klare Verantwortlichkeiten und nachhaltiges Commitment auf institutioneller Ebene.