KI-Missbrauch und Deepfakes

Cybercrime kennt kein Geschlecht, aber oft ein Ziel

Identitaet

Der Weltfrauentag feiert dieses Jahr sein 115. Jubiläum. Einerseits macht er aufmerksam auf die Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung.

Andererseits zeigt er auch neue Risiken auf, die auch in Online-Umgebungen entstehen.

Denn in ganz Europa nimmt die Zahl dokumentierter Cyberangriffe auf Frauen zu – dazu gehören Cyberstalking, Belästigung oder durch Technologie ermöglichte Bedrohungen. Die Zahlen des BKA zeigen, dass in 61,2 Prozent der in Deutschland dokumentierten Fälle die Opfer digitaler Gewalt weiblich sind. Frauen werden unter anderem Opfer von Cyber Grooming, Stalking oder Missbrauch durch kompromittierende Bilder.

An sich suchen die Cyberkriminellen opportunistisch nach der günstigen Gelegenheit, nach exponierten Zielen und weniger nach demographischen Gruppen. Trotz allem legen die offiziellen Polizeiberichte nahe, dass Frauen überproportional von bestimmten Delikten des digitalen Missbrauchs betroffen sind – vor allem im Zusammenhang mit Beziehungskonflikten, hinsichtlich ihrer Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit oder durch bildbasierte sexualisierte Gewalt, wenn Täter etwa damit drohen, intime Bilder zu veröffentlichen.

Neue Methoden und Trends erhöhen die Gefahrenlage auch für Frauen. Cyberkriminalität verändert sich mit dem Aufkommen von KI-Tools rasant. Diese haben die Hürden für Identitätsdiebstahl, Bild- und Tonmanipulation sowie emotionalen Betrug massiv gesenkt.

Wir müssen zwar vorsichtig sein, digitalen Missbrauch als ein Problem darzustellen, das nur eine Gruppe betrifft. Was das Risiko für Cybermissbrauch erhöht, sind aber Exposition, Zugang und emotionale Druckmittel. Die Werkzeuge sind skalierbar, und jeder mit einem digitalen Fußabdruck kann zum Ziel werden. Dennoch gehören junge Frauen und Minderjährige zu den besonders gefährdeten Gruppen – vor allem in Szenarien wie Grooming oder bildbasierter Nötigung. Gerade Deepfakes stellen eine Zäsur dar, da sie emotionale Manipulation mit vermeintlicher Authentizität verbinden. Technisch ist das kein Problem mehr und man benötigt auch keine umfangreichen Trainingsdaten: Ein kurzer Videoclip oder ein öffentlich zugängliches Selfie reichen als Trainingsmaterial für KI-Tools oft aus.

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Beispiele für den Einsatz von Deepfakes sind:

• Enkeltrick-Betrug mittels geklonter Stimmen,
• Reputationsangriffe durch manipulierte Videos,
• Erpressungsschemata mit gefälschten Bildern,
• Racheakte im Kontext von Beziehungen oder
• Identitätsdiebstahl am Arbeitsplatz.

Die Gefahr von Deepfakes ist grundlegend: Sie wirken real genug, um Panik auszulösen. Sogenannte „Nudify-Apps“ haben die Lage besonders für Frauen verschärft: Diese Tools können aus gewöhnlichen Fotos explizite Bilder generieren. So können Täter Material zur Nötigung oder Erpressung erstellen, selbst wenn ursprünglich gar keine intimen Aufnahmen existierten. Deepfakes lassen sich aber mit einem geschulten Blick immer noch durchaus erkennen.

Folgende Indizien sollten misstrauisch machen:

• asynchrone Lippenbewegungen,
• ein emotionaler Tonfall, der nicht zum Gesichtsausdruck passt,
• unnatürliches Blinken oder starr wirkende Augenbewegungen,
• verschwommene Kanten an Haaren, Brille oder der Kieferpartie,
• inkonsistente Beleuchtung oder Schattenwurf,
• robotischer, auffällig getakteter oder unnatürlicher Sprechrhythmus,
• eingeschränkte oder sich wiederholende Mimik, oder
• Fehler in kleinen Details (Ohrringe, Zähne, sich bewegende Hintergrundelemente).

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Abbildung 1: Deepfakes lassen sich als Waffe gegen Frauen einsetzen. Ein geschulter Blick kann dagegen schützen. (Bitdefender)

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Was können Frauen tun, wenn ihr Gesicht ohne Zustimmung in einem KI-Video verwendet wird?

• Beweise sichern: sofort Screenshots, URLs und Zeitstempel speichern.
• Melden: bei der jeweiligen Plattform unter den Kategorien „Identitätsdiebstahl“ oder „Missbrauch“ melden.
• Hilfe suchen: Es gibt spezialisierte Dienste für das Take-Down von explizitem Material. Einige richten sich speziell an betroffene Minderjährige.
• Keine Interaktion: den Kontakt zum Angreifer vermeiden.
• Accounts sichern: Passwörter ändern und Multi-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
• Umfeld informieren: enge Kontakte kurz informieren, um den Reputationsschaden zu begrenzen.
• Anzeige erstatten: sofort zur Polizei gehen. Bei expliziten Inhalten kann dies als Erpressung oder bildbasierter Missbrauch strafrechtlich relevant sein.

Der Weltfrauentag bietet nicht nur Anlass, über den Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung nachzudenken. Er erinnert daran, wie neue Technologien die persönliche Sicherheit beeinflussen. Weil KI-Tools Identitätsdiebstahl und synthetische Manipulation erleichtern, wird das Bewusstsein für diese Gefahren zunehmend wichtiger. Der Schutz von Identität, Reputation und persönlicher Daten ist damit Bestandteil einer erweiterten digitalen Resilienz. Und Frau, die weiß, wie solche Angriffe funktionieren, erste Warnzeichen erkennt und alltagstaugliche Sicherheitsmaßnahmen anwendet, kann Risiken für sich deutlich reduzieren. 

Autorin: Alina Bizga, Analystin für Cybersicherheit bei Bitdefender

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