Cyberangriffe sind längst kein Randthema mehr. Sie gehören zum digitalen Alltag von Unternehmen jeder Größe. Während große Konzerne häufig über eigene Security-Teams verfügen, geraten kleine und mittlere Unternehmen zunehmend ins Visier von Angreifern.
Der Grund ist selten spektakulär, aber strukturell bedingt: mangelnde oder uneinheitlich umgesetzte IT-Sicherheitsmaßnahmen. Dabei geht es weniger um hochkomplexe Angriffstechniken, sondern um systematische Schwachstellen, die sich über Jahre in IT-Landschaften eingeschlichen haben. Warum Unternehmen ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle sind, erläutert dieser Beitrag.
Welche Bedrohungen Unternehmen besonders treffen
Viele IT-Umgebungen sind historisch gewachsen. Neue Systeme wurden Stück für Stück ergänzt, alte Lösungen weiterbetrieben – Sicherheitskonzepte jedoch nur punktuell angepasst. Gleichzeitig haben Cloud-Dienste, mobiles Arbeiten und externe Zugriffe die Angriffsfläche deutlich vergrößert.
Cyberkriminelle nutzen genau diese Gemengelage. Automatisierte Angriffe scannen permanent nach offenen Ports, nicht aktualisierten Systemen oder kompromittierbaren Benutzerkonten. Der Einstieg erfolgt dabei häufig nicht über technische Schwachstellen, sondern über organisatorische Lücken. Der Faktor Mensch ist nicht zu unterschätzen.
Diese Entwicklung deckt sich mit dem jährlichen Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das eine weiterhin angespannte Bedrohungslage durch automatisierte Angriffe, Ransomware und ausnutzbare Sicherheitslücken beschreibt.
Typische Bedrohungen durch unzureichende IT-Sicherheit
Phishing und kompromittierte Zugangsdaten
E-Mails mit täuschend echten Absendern gehören weiterhin zu den häufigsten Angriffsmethoden. Gelangen Zugangsdaten in falsche Hände, können Angreifer sich unauffällig in bestehende Systeme einloggen und dort weiter eskalieren.
Beispiel: Ein Mitarbeitender klickt auf eine vermeintliche Microsoft-365-Benachrichtigung und gibt seine Zugangsdaten ein. Kurz darauf greifen Angreifer auf E-Mails, Cloud-Dateien und interne Systeme zu, ohne sofort aufzufallen.
Ransomware durch ungepatchte Systeme
Fehlende Updates sind ein zentrales Einfallstor. Sicherheitslücken in Betriebssystemen oder Anwendungen werden gezielt ausgenutzt, um Schadsoftware einzuschleusen und Daten zu verschlüsseln.
Beispiel: Ein nicht aktualisierter Server weist eine bekannte Sicherheitslücke auf, die automatisiert ausgenutzt wird. Innerhalb weniger Minuten werden zentrale Daten verschlüsselt und der Geschäftsbetrieb kommt zum Stillstand.
Unzureichende Zugriffskontrollen
Wenn Berechtigungen nicht regelmäßig überprüft werden, haben Mitarbeitende oft Zugriff auf Systeme oder Daten, die sie nicht benötigen. Das erhöht das Risiko bei kompromittierten Accounts erheblich.
Beispiel: Ein ehemaliger Mitarbeitender verfügt noch über aktive Zugänge zu internen Systemen. Diese werden kompromittiert und ermöglichen den Zugriff auf sensible Unternehmensdaten.
Schatten-IT und unkontrollierte Cloud-Nutzung
Private Tools, nicht freigegebene Cloud-Dienste oder lokale Datenspeicher entziehen sich häufig zentralen Sicherheitskonzepten und schaffen zusätzliche Schwachstellen.
Beispiel: Mitarbeitende nutzen eigenständig File-Sharing-Dienste, um Daten auszutauschen. Sicherheitsrichtlinien, Zugriffskontrollen und Protokollierungen greifen dabei nicht.
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Fehlende oder unzureichende Datensicherungen
Backups sind vorhanden, werden aber nicht getestet oder falsch konfiguriert. Im Ernstfall zeigt sich dann, dass Daten nicht vollständig oder nicht zeitnah wiederherstellbar sind.
Beispiel: Zwar existieren Backups, diese wurden jedoch seit Monaten nicht getestet. Nach einem Angriff stellt sich heraus, dass die Daten unvollständig oder veraltet sind.
Datendiebstahl als besonders kritische Folge
Eine der gravierendsten Konsequenzen mangelnder IT-Sicherheit ist Datendiebstahl. Sensible Kundeninformationen, interne Dokumente oder personenbezogene Daten können unbemerkt abgegriffen und weiterverwendet werden.
„Datendiebstahl ist besonders bei sensiblen Kunden- und Unternehmensdaten ein gravierendes Problem. Er kann schwerwiegende rechtliche und finanzielle Folgen haben und das Vertrauen der Kunden dauerhaft schädigen“, sensibilisieren die IT-Schutzengel für stetig wachsende Gefahren durch Sicherheitslücken.
Auch auf europäischer Ebene stuft die EU-Agentur für Cybersicherheit Datendiebstahl, Ransomware und Social Engineering als zentrale Bedrohungen für Unternehmen ein, insbesondere bei fehlender kontinuierlicher Sicherheitsüberwachung. Neben möglichen Bußgeldern und Haftungsfragen wiegt vor allem der Reputationsschaden schwer. Der Verlust von Vertrauen lässt sich nur schwer und oft über Jahre hinweg wieder aufbauen.
Warum Risiken häufig unterschätzt werden
Trotz der bekannten Bedrohungslage wird IT-Sicherheit in vielen Unternehmen noch immer reaktiv behandelt. Maßnahmen werden ergriffen, wenn ein Vorfall bereits eingetreten ist. Typische Ursachen dafür sind:
- Fehlende klare Zuständigkeiten für IT-Sicherheit
- Sicherheitsmaßnahmen als einmaliges Projekt statt als kontinuierlicher Prozess
- Falsche Annahmen über die eigene Attraktivität als Angriffsziel
- Begrenzte interne Ressourcen und Fachkenntnisse
Dabei zeigt die Praxis, dass gerade kleinere Unternehmen für Angreifer interessant sind, weil Sicherheitsstrukturen oft weniger konsequent umgesetzt sind. Viele Ursachen liegen weniger in der Technik als in organisatorischen und psychologischen Faktoren. Sicherheitsmaßnahmen bleiben oft unsichtbar, solange keine Vorfälle auftreten, und konkurrieren damit mit unmittelbar spürbaren Investitionen in Produktivität oder Wachstum.
Zudem sind Zuständigkeiten häufig unklar geregelt: IT-Sicherheit wird zwischen IT-Abteilung, Management und Fachbereichen verteilt, ohne dass eine zentrale Verantwortung besteht. In der Folge entstehen Lücken, die im Alltag kaum auffallen, im Ernstfall jedoch erhebliche Auswirkungen haben können.
Prävention statt Reaktion als entscheidender Faktor
Ein wirksamer Schutz vor Cybercrime entsteht durch ein dauerhaftes Sicherheitsniveau. Dazu gehören unter anderem:
- Regelmäßiges Patch- und Update-Management
- Kontinuierliches Monitoring von Systemen und Zugriffen
- Klar definierte Rollen und Berechtigungskonzepte
- Zuverlässige Backup- und Wiederherstellungsprozesse
- Sensibilisierung der Mitarbeitenden für Sicherheitsrisiken
Entscheidend ist dabei nicht nur das Vorhandensein einzelner Sicherheitsmaßnahmen, sondern deren Regelmäßigkeit und Überprüfbarkeit. Wirksame IT-Sicherheit basiert auf klar definierten Prozessen, dokumentierten Zuständigkeiten und regelmäßig geprüften Schutzmechanismen. Dazu gehören beispielsweise wiederkehrende Sicherheitsüberprüfungen, getestete Notfallpläne und festgelegte Reaktionszeiten im Fall eines Vorfalls. Erst durch diese Struktur wird IT-Sicherheit planbar und dauerhaft wirksam.
Cybercrime ist keine Ausnahmeerscheinung mehr, sondern eine dauerhafte Begleiterscheinung der digitalen Wirtschaft. Angriffe erfolgen selten zufällig, sondern gezielt und automatisiert auf Basis bekannter Schwachstellen. Wie groß der Schaden ausfällt, hängt daher weniger von der Frage ab, ob ein Unternehmen angegriffen wird, sondern davon, wie gut es vorbereitet ist. Der Reifegrad der IT-Sicherheitsstrategie entscheidet maßgeblich über Ausfallzeiten, Datenverluste und Folgekosten.
IT-Sicherheit als Daueraufgabe, nicht nur als Reaktion auf den Ernstfall
Cybercrime nutzt keine spektakulären Schwachstellen, sondern systematische Versäumnisse. Mangelnde IT-Sicherheit entsteht selten durch fehlende Technik, sondern durch fehlende Kontinuität und klare Verantwortlichkeiten. Unternehmen, die IT-Sicherheit als dauerhafte Aufgabe begreifen und nicht erst nach einem Vorfall reagieren, reduzieren Risiken messbar. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt wird diese Haltung zur Voraussetzung für Stabilität, Vertrauen und langfristige Handlungsfähigkeit.