Das sind die Haupthindernisse

Deutsche FinTechs kämpfen mit Bürokratie und Regulierung

Bürokratie

Trotz ihrer Rolle als Innovationstreiber im Finanzsektor kämpfen FinTech-Unternehmen in Deutschland mit erheblichen Standortnachteilen. Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt: Übermäßige Bürokratie, langwierige Genehmigungsverfahren und schwieriger Kapitalzugang bremsen die Branche aus.

Regulierung als Haupthindernis

Die Zahlen sind eindeutig: 73 Prozent der befragten FinTechs identifizieren den hohen Verwaltungsaufwand als größtes Wachstumshindernis. Ebenso viele beklagen regulatorische Hürden, während 68 Prozent die Compliance-Anforderungen als problematisch einstufen. 58 Prozent der Unternehmen berichten von Unsicherheiten beim Einsatz neuer Technologien und das, obwohl 96 Prozent davon ausgehen, dass Künstliche Intelligenz den Markt künftig maßgeblich prägen wird.

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“Mit rund 700 FinTechs zählt Deutschland pro Kopf bereits jetzt deutlich weniger FinTechs als viele andere europäische Länder”, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Der Standort habe Aufholbedarf, biete aber auch großes Wachstumspotenzial.

Lizenzverfahren dauern zu lange

Ein besonders kritischer Punkt sind die Lizenzierungsverfahren: Mit durchschnittlich mehr als zwei Jahren fallen diese in Deutschland im europäischen Vergleich besonders lang aus. Die Folge: Nur 35 Prozent der befragten Unternehmen bewerten das deutsche Aufsichtsumfeld positiv, während 78 Prozent es als innovationshemmend wahrnehmen.

Die mangelnde Attraktivität des Standorts zeigt sich auch bei der hypothetischen Standortwahl: Lediglich 28 Prozent der FinTechs würden bei einer Neugründung erneut Deutschland wählen.

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Kapitalengpässe verschärfen die Lage

Neben der Regulierung bereitet auch die Finanzierung Probleme: 55 Prozent der FinTechs sind auf ausländische Kapitalgeber angewiesen. 70 Prozent fordern mehr heimisches Venture Capital, 58 Prozent schätzen Finanzierungen im Ausland als leichter ein.

Fünf Forderungen an die Politik

Der Bitkom leitet aus den Studienergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen ab. Dazu gehören informelle Vorgesuchverfahren zur frühzeitigen Einschätzung von Lizenzanträgen, verbindliche Fristen für mehr Planungssicherheit sowie feste Ansprechpartner und vollständig digitale Verfahren. Zudem fordert der Verband einen behördenübergreifenden Datenaustausch mit zentraler Betrugsbekämpfung und einen intensiveren Dialog zwischen Aufsicht, Wirtschaft und Politik.

“Um den FinTech-Standort nachhaltig zu stärken, braucht es neben gesetzgeberischen Reformen auch spürbare Verbesserungen in der praktischen Ausgestaltung der Aufsicht”, betont Wintergerst. Planbarkeit und Transparenz müssten erhöht, der administrative Aufwand reduziert werden.

Die Bedeutung der Branche geht dabei weit über den Finanzsektor hinaus: FinTechs ermöglichen nicht nur einfacheres Bezahlen in Fremdwährungen oder komfortableres Investieren in Aktien und Kryptowährungen, sondern treiben Innovation auch in anderen Wirtschaftsbereichen voran.

Methodik: Für die Studie “FinTechs in Deutschland” befragte Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands 40 in Deutschland aktive FinTech-Unternehmen zwischen KW 25 und KW 38 2025.

(lb/Bitkom)

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