Der kommende WLAN-Standard Wi-Fi 8 verzichtet erstmals seit Langem auf eine Steigerung der theoretischen Höchstgeschwindigkeit.
Es konzentriert sich stattdessen auf zuverlässigere Verbindungen bei vielen gleichzeitig angeschlossenen Geräten. Das zuständige Gremium IEEE bezeichnet den neuen Standard offiziell als „Ultra High Reliability“.
Seit der Einführung von Wi-Fi 4 im Jahr 2009 stieg die theoretische Höchstgeschwindigkeit mit jeder neuen WLAN-Generation deutlich an, bei Wi-Fi 5 etwa um mehr als das Zehnfache. Wi-Fi 8 bricht nun bewusst mit diesem Muster: Der neue Standard soll gegenüber Wi-Fi 7 nahezu dieselbe maximale Datenrate, dieselbe Anzahl räumlicher Datenströme, dieselbe 4096-QAM-Modulation, dieselben Frequenzbänder sowie dieselbe maximale Kanalbreite von 320 Megahertz nutzen. Stattdessen sollen laut den offiziellen Zielvorgaben der Durchsatz bei unterschiedlichen Signal-Rausch-Verhältnissen um 25 Prozent steigen, die Latenz im 95. Perzentil um 25 Prozent sinken und der Verlust von Datenpaketen ebenfalls um 25 Prozent zurückgehen.
Als Vergleichsmaßstab dient dabei ausdrücklich der Mobilfunkstandard 6G, mit dem Wi-Fi 8 einen Großteil seiner Lebensdauer im Wettbewerb stehen dürfte, da Wi-Fi 8 bereits 2028 fertiggestellt werden soll, während 6G frühestens Anfang der 2030er Jahre erwartet wird. Da Mobilfunknetze traditionell mit sehr vielen gleichzeitig verbundenen Geräten zurechtkommen müssen, orientiert sich Wi-Fi 8 bewusst an dieser Stärke.
Neue Technik gegen Störungen und für nahtlosen Wechsel zwischen Access Points
Zu den konkreten neuen Funktionen zählen sogenannte Distributed-Tone Resource Units, mit denen Geräte ihre Übertragung über einen breiteren Frequenzbereich verteilen und dadurch bei gleichbleibender regulatorisch zulässiger Sendeleistung zuverlässiger senden können, was besonders Smart-Home-Geräten mit schwächeren Antennen zugutekommen soll. Ergänzt wird dies um verbesserte Mechanismen gegen Störsignale in lizenzfreien Frequenzbändern sowie eine ungleichmäßige Modulation, bei der jeder räumliche Datenstrom einzeln an sein jeweiliges Signal-Rausch-Verhältnis angepasst wird. Eine neue Funktion namens P-EDCA soll zudem bevorzugten Geräten einen schnelleren Kanalzugriff ermöglichen, während Geräte künftig auch dann auf nicht-primären Kanälen kommunizieren können, wenn der eigentliche Hauptkanal gerade belegt ist.
Zusätzlich soll Wi-Fi 8 einen nahtlosen Wechsel zwischen mehreren Zugangspunkten praktisch ohne spürbare Unterbrechung ermöglichen sowie die gleichzeitige Nutzung mehrerer Access Points durch verbesserte Koordinationsfunktionen zuverlässiger und leistungsfähiger gestalten.
Warum der Fokus auf Zuverlässigkeit sinnvoll erscheint
Angesichts der stetig wachsenden Zahl gleichzeitig verbundener Geräte in Haushalten, von intelligenten Lampen und Haushaltsgeräten über Streaming-Boxen bis zu Smartphones und Computern, dürfte der Fokus auf Zuverlässigkeit spürbarere Verbesserungen bringen als eine weitere Steigerung der ohnehin für die meisten Internetanschlüsse bereits ausreichenden Höchstgeschwindigkeit von Wi-Fi 7 mit bis zu 23 Gigabit pro Sekunde und Frequenzband. Der Standard soll bis Mai 2028 fertiggestellt werden, erste Geräte mit früher Wi-Fi-8-Unterstützung werden im selben Jahr erwartet.
(red)