Zwischen Nähe und Kontrolle

Wo bist du? Warum viele Paare ihren Standort dauerhaft teilen

Standort-Tracking

Das Smartphone ersetzt zunehmend den klassischen Anruf, wenn es darum geht zu wissen, wo sich der Partner oder die Partnerin gerade befindet.

Eine aktuelle Untersuchung des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass das dauerhafte Teilen des Live-Standorts für viele Menschen in Deutschland längst Teil des Beziehungsalltags geworden ist – gleichzeitig aber auch Fragen nach Privatsphäre und Vertrauen aufwirft.

Anzeige

Standortfreigabe wird vor allem bei Jüngeren beliebter

Laut der Bitkom-Befragung haben bereits 14 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer ihren Standort dauerhaft mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin geteilt. Weitere 23 Prozent können sich vorstellen, diese Funktion künftig zu nutzen. Für mehr als die Hälfte der Befragten kommt ein permanentes Standort-Tracking innerhalb einer Beziehung jedoch nicht infrage.

Besonders verbreitet ist die Nutzung bei jüngeren Menschen. In der Altersgruppe zwischen 16 und 29 Jahren hat fast jede vierte Person den eigenen Standort bereits dauerhaft freigegeben. Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil deutlich. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es dagegen kaum.

Sicherheit und Alltagstauglichkeit als wichtigste Gründe

Wer seinen Standort dauerhaft teilt, tut dies meist nicht aus Misstrauen, sondern aus praktischen Gründen. Für viele steht das Gefühl von Sicherheit im Vordergrund – etwa auf Reisen, bei nächtlichen Heimwegen oder zur schnellen Orientierung im Alltag.

Anzeige

Daneben spielen Komfort und Transparenz eine wichtige Rolle. Viele Befragte geben an, dass die Standortfreigabe den Alltag erleichtert oder in ihrer Beziehung inzwischen als selbstverständlich wahrgenommen wird. Auch das Gefühl von Nähe und Verbundenheit wird häufig als Motiv genannt.

Dagegen sind Gründe wie Kontrolle oder Erwartungsdruck deutlich seltener vertreten. Nur eine kleine Minderheit teilt den Standort, weil der Partner dies erwartet oder weil sie befürchtet, sonst Misstrauen zu erzeugen.

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Digitale Nähe hat auch Schattenseiten

Trotz der praktischen Vorteile sehen viele Menschen die Entwicklung kritisch. Fast die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass digitale Technologien in Beziehungen auch zu mehr Misstrauen führen können. Jede fünfte Person glaubt zudem, dass digitale Medien die Kontrolle über den Partner oder die Partnerin erleichtern.

Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung bei jüngeren Menschen. Dort wird deutlich häufiger die Sorge geäußert, dass digitale Möglichkeiten die Grenzen zwischen Fürsorge und Überwachung verschwimmen lassen könnten.

Leah Schrimpf vom Bitkom betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Transparenz und Freiwilligkeit. Standortfreigaben sollten bewusst eingerichtet, regelmäßig überprüft und jederzeit unkompliziert beendet werden können. Entscheidend sei, dass beide Seiten die Kontrolle über ihre Daten behalten.

Bewusster Umgang mit Standortdaten bleibt entscheidend

Die Ergebnisse zeigen, dass das Teilen des Live-Standorts für viele Paare inzwischen ein normales digitales Werkzeug geworden ist. Gleichzeitig bleibt das Thema sensibel. Während manche Menschen darin vor allem Sicherheit und Komfort sehen, befürchten andere Einschränkungen der Privatsphäre oder einen möglichen Kontrollverlust.

Mit der zunehmenden Verbreitung entsprechender Funktionen gewinnt deshalb ein bewusster Umgang mit Standortdaten an Bedeutung. Wer solche Dienste nutzt, sollte regelmäßig prüfen, welche Anwendungen Zugriff auf den Standort haben und ob bestehende Freigaben weiterhin gewünscht sind. So kann digitale Nähe entstehen, ohne dass persönliche Grenzen verloren gehen.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

Anzeige

Artikel zu diesem Thema

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.