Nach fast zwei Monaten ohne neue Version hat das Team hinter OpenClaw ein Update veröffentlicht, das praktisch jeden Teil der Software verändert.
Das Open-Source-Projekt OpenClaw hat mit Version 2.0 das nach eigenen Angaben umfangreichste Update seiner Geschichte veröffentlicht. Beteiligt waren 933 Personen, davon 569 zum ersten Mal, verteilt auf mehr als 16.000 Pull Requests. Betroffen sind laut Projektteam nahezu alle Bereiche: Installation, Messaging, Speicherverwaltung („Memory“), Skills, Modell-Anbindung, Automatisierungen, Browser- und native Apps, Plugins sowie Sicherheitsfunktionen.
Ursprünglich sollte das Update lediglich die Einrichtung vereinfachen und die Browser-Oberfläche überarbeiten. Im Verlauf der Arbeiten entschied sich das Team jedoch, die damit verbundenen Aufräumarbeiten auf das gesamte Projekt auszuweiten. Daraus wurde OpenClaw 2.0.
Ungewöhnlich lange Entwicklungspause
Vor dem aktuellen Update hatte das Projekt in 230 Tagen 106 Releases veröffentlicht, die meisten davon im Abstand von ein bis zwei Tagen. Die knapp siebenwöchige Pause bis zu Version 2.0 wich damit deutlich vom bisherigen Rhythmus ab. Nach Angaben des Teams lag das nicht an einem Entwicklungsstillstand, sondern am Gegenteil: Durch ein wachsendes Team habe sowohl das Arbeitstempo als auch der Umfang der Beiträge die bisherige technische Basis und den Release-Prozess überfordert. Beides sei deshalb parallel überarbeitet worden.
Da das Release schätzungsweise rund die Hälfte aller jemals in OpenClaw eingeflossenen Pull Requests enthält, habe man sich bewusst mehr Zeit genommen, um sowohl Neuinstallationen als auch bestehende Setups nicht zu gefährden.
Einfacherer Einstieg, überarbeitete Browser-App
Bei der Ersteinrichtung greift OpenClaw 2.0 künftig auf bereits vorhandene Ressourcen zurück, etwa bestehende Abonnements bei ChatGPT oder Claude, vorhandene API-Schlüssel oder lokal installierte Modelle. Ein Teil der bisherigen Konfiguration wurde laut Projektteam gestrichen, ein anderer Teil aus dem Ersteinrichtungsprozess herausgelöst. Nutzer sollen so schneller zu einer ersten funktionierenden Konversation kommen und weitere Einstellungen später im Dialog mit dem Assistenten vornehmen können.
Auch die Browser-App wurde neu aufgebaut, da sie für die meisten Nutzer der erste Kontaktpunkt mit OpenClaw ist. Sie öffnet nun direkt in eine laufende Konversation und soll sowohl für die weitere Einrichtung als auch für laufende Aufgaben und deren Live-Verfolgung dienen.
Von einfachen Workflows zu geteilten Cloud-Sessions
Das Projektteam beschreibt als typischen Einstieg einfache, auf eine Quelle beschränkte Automatisierungen, etwa die Überwachung eines E-Mail-Postfachs auf Nachrichten der Schule der eigenen Kinder mit anschließender Benachrichtigung per Telegram. Solche Workflows ließen sich anschließend erweitern, etwa indem der Assistent nach einer eingehenden iMessage-Nachricht selbstständig in älteren E-Mails nach einer passenden Antwort sucht und diese verschickt.
Eine ähnliche Entwicklung habe sich laut Team auch bei der eigenen Nutzung von OpenClaw während der Entwicklung von Version 2.0 gezeigt: Der Wunsch, Aufgaben im Team zu teilen oder zu übergeben, ohne den bisherigen Kontext der Konversation zu verlieren, führte zur Einführung geteilter Cloud-Sessions. Damit lassen sich laufende Sitzungen für weitere Team-Mitglieder öffnen oder vollständig samt Kontext übergeben, eine Art Mehrspieler-Modus für den KI-Assistenten.
Open Source als Geschäftsmodell-Verzicht
Das Projektteam betont, mit OpenClaw kein Geschäftsmodell zu verfolgen, das Nutzer an einen bestimmten Anbieter, ein Modell oder ein Unternehmen binden solle. OpenClaw sei quelloffen und werde von der Community entwickelt und getragen. Projektmitglied Hannes Rudolph fasst die Haltung des Teams so zusammen: „Nutzt es, baut mit uns, und sagt uns, wenn wir Mist gebaut haben.“
Die vollständigen Release Notes zu OpenClaw 2.0 stellt das Projekt auf seiner Website bereit.
(red)