Eine neue Studie zeigt: Wer regelmäßig KI-Chatbots nutzt, übernimmt unbewusst maschinelle Denkmuster, Logik und Gesprächstempi.
Die fortlaufende Integration von Künstlicher Intelligenz in den Alltag verändert nicht nur die Art und Weise, wie Aufgaben erledigt werden, sondern beeinflusst zunehmend auch das menschliche Verhalten selbst. Eine im Fachjournal AI & Society veröffentlichte Studie internationaler Forschender zeigt, dass die intensive Interaktion mit KI-Systemen wie ChatGPT oder Claude dazu führt, dass Nutzer maschinenähnliche Verhaltensweisen übernehmen. Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von „Robotoid Humanness“ – einer Entwicklung, bei der Menschen ihr Kommunikationsverhalten so anpassen, dass es für Algorithmen optimal lesbar, strukturiert und verarbeitbar ist.
Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen in Kundenservice-Szenarien, in denen menschliche Ansprechpartner in Rekordtempo durch KI-Agenten ersetzt werden. Da Menschen in Gesprächen unbewusst auf soziale Signale ihres Gegenübers reagieren und diese spiegeln („Mirroring“), führen wiederholte Interaktionen mit Sprachmodellen dazu, dass Anwender maschinelle Logik, prägnante Gesprächstempi und eine oft unbegründete, überheblich wirkende Bestimmtheit in ihren eigenen Sprachgebrauch übernehmen.
KI: Risiken für Identität und Wahrnehmung
Die Forschenden warnen vor den langfristigen ethischen und psychologischen Folgen dieser schleichenden Entfremdung. Durch die ständige Nachahmung der KI-Antworten entsteht eine Verhaltens-Feedbackschleife, die das Selbstbild und die eigene Identität dauerhaft prägen kann. Zudem verstärkt der regelmäßige Austausch mit algorithmisch gesteuertem Feedback Bestätigungsfehler (Confirmation Bias), da die Systeme primär darauf ausgelegt sind, nutzerzentriert zu antworten. Inci Toral-Manson, Marketingforscherin an der University of Birmingham und Ko-Autorin der Untersuchung, fasst die Wechselwirkung wie folgt zusammen:
„Es ist ein beidseitiger Einfluss: Roboter werden mehr wie Menschen, und Menschen werden mehr wie Roboter.“
Inci Toral-Manson, Marketingforscherin an der University of Birmingham und Ko-Autorin der Untersuchung
Die Studie unterstreicht, dass der Austausch zwischen Mensch und KI längst über eine rein funktionale Nutzung von Software hinausgeht und den Charakter einer quasi-sozialen Interaktion angenommen hat. Wie stark Einzelne von diesem Effekt betroffen sind, hängt laut den Studienautoren stark von Faktoren wie der persönlichen Technikaffinität, dem kulturellen Hintergrund sowie individuellen Persönlichkeitsmerkmalen ab.
(red)