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Bild: rafapress/shutterstock.com

Google wird erstmals in seiner Geschichte mit Zeitungsverlagen Lizenzverträge abschließen und Geld für die Präsentation von journalistischen Inhalten ausgeben. Das kündigte der Internet-Konzern am Donnerstag in einem Blog-Eintrag an. 

Die Inhalte sollen auf Google News und Google Discover erscheinen. Wie die Präsentation der Inhalte für die Nutzer genau aussehen wird, teilte der Konzern noch nicht mit.

Das Programm startet in Deutschland, Australien und Brasilien. Hierzulande sind in der frühen Phase unter anderen die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und «Der Spiegel» als Partner dabei. Nach Informationen werden die Verlagsinhalte vom Oktober an bei Google News und dem Android-Newsfeed Google Discover zu sehen sein. Bislang hatte sich Google hartnäckig geweigert, Inhalte bei Zeitungsverlagen und anderen Medien einzukaufen und sich bei manchen Medienhäusern wie Axel Springer großen Ärger eingehandelt.

Wie viel Geld die Verlage für die Darstellung der Inhalte bekommen werden, teilte Google nicht mit. Das Programm sei aber «breit und langfristig angelegt» und soll auf noch mehr Verlage - darunter auch kleinere Lokalzeitungen - sowie Radiostationen und TV-Sender ausgeweitet werden.

Google-Manager Brad Bender, der als Vice President die News-Produkte des Konzerns leitet, betonte in seinem Blog-Post die Bedeutung der klassischen Medien: «Eine vitale Verlags- und Nachrichtenbranche war vermutlich nie wichtiger als heute, in einer Zeit, in der Menschen nach Informationen suchen, auf die sie sich inmitten einer globalen Pandemie oder angesichts der jüngsten Proteste gegen Diskriminierung verlassen können.» Dies passiere jedoch zu einer Zeit, in der das Geschäft der Branche erheblich unter Druck gerate. Vor diesem Hintergrund werden Lizenzen über qualitativ hochwertige Inhalte für ein neues Nachrichtenformat erwerben. Das neue Programm werde den teilnehmenden Verlagen helfen, die Sichtbarkeit ihrer Inhalte durch ein verbessertes Storytelling-Erlebnis zu vergrößern. Durch das neue Format könnten Leser tiefer in anspruchsvolle Geschichten eintauchen, auf dem Laufenden bleiben sowie neue Themen und Interessen entdecken.

Bender ließ den jahrelangen Streit zwischen der Verlagsbranche und Google unerwähnt. So hatte Google in Deutschland finanzielle Forderungen von Presseverlagen, die durch die Verwertungsgesellschaft VG Media erhoben wurden, für die Darstellung von kleineren «Snippets» - das sind kleine Auszüge von Texten - mehrfach zurückgewiesen. Ein erstes Leistungsschutzgesetz für Presseverlage war dann vom Europäischen Gerichtshof für ungültig erklärt worden.

Der Internetkonzern zahlt nun im Rahmen der Initiative auch für den kostenlosen Zugriff von Nutzern auf kostenpflichtige Artikel auf der Website einzelner Verlage, wenn diese für ihre Inhalte eine «Bezahlschranke» einsetzen. So könnten diese Verlage ihre Reichweite vergrößern und den Nutzern die Möglichkeit geben, Inhalte zu lesen, die sie normalerweise nicht sehen.

Das Konzept stieß beim Medienkonzern Axel Springer auf Skepsis: Generell begrüße und unterstütze Axel Springer Initiativen, die Verlagen dabei helfen, digitalen Journalismus als Geschäftsmodell zu stärken. «Deshalb arbeiten wir auch seit Jahren an verschiedenen Stellen mit Google und anderen Technologieunternehmen zusammen.» Allerdings könne es einen vielfältigen und unabhängigen digitalen Journalismus nur geben, wenn die Verlagshäuser eine eigenständige Rechtsposition erhielten. «Dafür bleibt ein funktionierendes Publisher’s Right die Grundlage, denn es stellt sicher, dass gleiche sowie faire Wettbewerbsbedingungen entstehen und Verlage eine gesetzliche Grundlage für ihre Ansprüche haben.»

Einzelne Initiativen seien keine Lösung für das generelle Problem, erklärte ein Sprecher von Springer. «Der jetzige Vorschlag von Google scheint zwar vordergründig durch die Lizenzierung von Inhalten die Verlagshäuser zu unterstützen. Bei näherem Hinsehen hat er aber das Potenzial, die Medienvielfalt einzuschränken, da Google die Hoheit darüber behalten wird, mit welchen Verlagen Vereinbarungen geschlossen werden.»

Auch beim Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) stieß die Ankündigung von Google auf Vorbehalte. «Journalismus in verantwortlicher Absenderschaft braucht klare Rechte und keine Feigenblattaktionen», erklärte der Verband. Google nutze nach wie vor Inhalte von Verlagen und Journalisten, ohne zu zahlen, und setze - wie zuletzt in Frankreich - seine Marktmacht ein, wenn Schutzrechte das verhindern sollten. «Gegen dieses Verhalten sind robuste Rechte auch in Deutschland nötig.»

dpa


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