Anzeige

Huawei USA

Bild: Ascannio / Shutterstock.com

Die US-Regierung will Huawei noch mehr in die Enge treiben. Für den chinesischen Konzern soll es nach verschärften Sanktionen schwieriger werden, eigene Chips zu entwerfen und Fertiger dafür zu finden. Doch es könnte auch ein Schlupfloch geben.

Die USA verschärfen nach einem Jahr ihre Sanktionen gegen den chinesischen Huawei-Konzern. Die neuen Maßnahmen sollen dem Smartphone-Anbieter und Netzwerk-Ausrüster speziell den Zugang zu amerikanischer Halbleiter-Technologie abschneiden. Es gehe dabei sowohl um die Entwicklung als auch um die Produktion der Chips, sagte ein ranghoher Beamter des US-Handelsministeriums am Freitag.

Huawei setze seit der im Mai 2019 eingeführten Blockade zwar verstärkt auf eigene Prozessoren, greife dafür aber weiterhin auch auf US-Technologien zurück, begründete das Handelsministerium die Verschärfung. Eine spezielle Lizenz sei künftig sowohl für US-Software notwendig, die in den Chips verwendet wird, als auch für den Einsatz von Produktionstechnik, die amerikanische Technologie enthält, sagte der Mitarbeiter der Behörde. Zugleich wurde die neue Regelung zunächst für 120 Tage ausgesetzt, um den Unternehmen Zeit für Anpassungen zu geben.

Durch die Verschärfung könnte Huaweis Chiptochter HiSilicon den taiwanischen Fertiger TSMC als Produktionspartner verlieren. Zugleich könnte der chinesische Konzern über Mittelsmänner an die Technik kommen. Die Regel gelte nur, wenn «der Chip für Huawei bestimmt ist und der Lieferant weiß, dass er an Huawei geht», schränkte der Ministeriumsbeamte ein.

Die USA werfen dem Konzern Spionage und die Verletzung von Sanktionen unter anderem gegen den Iran vor. Huawei kam deswegen auf eine schwarze Liste von Unternehmen, mit denen amerikanische Firmen Geschäfte nur mit einer speziellen Erlaubnis der US-Behörden machen können. Der Mobilfunkkonzern kann deswegen unter anderem keine neuen Smartphone-Modelle mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen, was den Absatz der Geräte außerhalb des chinesischen Heimatmarktes bremst. Der Konzern weist die US-Vorwürfe zurück.

Die Ausnahmen unter anderem für amerikanische Mobilfunk-Betreiber von den vor einem Jahr verhängten Sanktionen wurden am Freitag für weitere drei Monate verlängert - zum letzten Mal, wie es hieß. Kurz vor Bekanntgabe der neuen Regelung des Handelsministeriums kündigte TSMC den Bau einer Chipfabrik in den USA an. Der Chipfertiger, der unter anderem Prozessoren für Apples iPhones produziert, will im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen. Das Werk im Bundesstaat Arizona soll den Betrieb im Jahr 2024 aufnehmen.

Dort sollen Chips im 5-Nanometer-Verfahren hergestellt werden - damit werden aktuell zum Beispiel Smartphone-Prozessoren produziert. Unklar ist allerdings, wie zeitgemäß die Technologie in vier Jahren noch sein wird. In dem Werk sollen mehr als 1600 Arbeitsplätze entstehen und TSMC will bis zum Jahr 2029 insgesamt rund zwölf Milliarden US-Dollar investieren. Die US-Regierung machte laut einem Bericht der «Financial Times» bereits im vergangenen Jahr Druck auf TSMC, Huawei als Auftraggeber fallenzulassen.

dpa


Artikel zu diesem Thema

5G
Mai 11, 2020

Neues IT-Sicherheitsgesetz kommt nicht mehr vor Sommer

Das neue IT-Sicherheitsgesetz 2.0 mit Regeln für den Aufbau des superschnellen…

Weitere Artikel

Hacker Russland

Kurz vor der Bundestagswahl - Gezielte Cyberattacke von Russland auf EU-Mitglieder

IT-Sicherheitsexperten haben es bereits befürchtet: Es war nur eine Frage der Zeit bis die ersten Cyberattacken von staatlichen Akteuren den Weg in die Schlagzeilen finden würden. Die aktuelle Beweislage lenkt einen begründeten Verdacht dabei auf Russland.
COVID-Impfzertifikat

COVID-Impfzertifikate: Vier Sicherheitstipps fürs Reisen

Seit dem 1. Juli gilt der digitale Impfnachweis, der einen Monat zuvor eingerichtet wurde und bundesweit erhältlich ist, als EU-weites Impfzertifikat. Dies soll den Nachweis einer Impfung oder einer Genesung und folglich das Reisen innerhalb der europäischen…
Digitalisierung

IT-Mittelstand stellt Zeichen auf Wachstum

Im IT-Mittelstand sind die Auftragsbücher gut gefüllt und die Stimmung ist so positiv wie lange nicht. Das Geschäftsklima hat ein neues Zwei-Jahres-Hoch erreicht. Die Geschäftslage ist gut, auch die Erwartungen entwickeln sich weiter nach oben.
Spionage

FamousSparrow: Cyberspionage im Hotel-Zimmer

Eine bislang eher unauffällige Cyberspionage-Gruppe hat eindrucksvoll bewiesen, wie schnell eine bekanntgewordene Schwachstelle ausgenutzt wird. „FamousSparrow“ begann genau einen Tag nach der Veröffentlichung der Microsoft Exchange Sicherheitslücken (März…
Smartphone Sicherheitslücke

Huawei und Xiaomi betroffen: Sicherheitslücken in 5G-Handys

Update Fr, 24.09.2021, 12:57 Nachdem die Cyberabwehr in Litauen vor chinesischen 5G-Smartphones gewarnt hat, nehmen private Sicherheitsexperten die verdächtigen Geräte unter die Lupe. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik geht dem…
Scam

Scams und Datenschutz: Vertrauen in die digitale Welt sinkt

Die Hälfte der rund 10.000 befragten Konsumenten macht in einer Studie von Callsign Banken, Einzelhändler, Telkos und soziale Medien für das häufige Auftreten von Scamming verantwortlich. Das Problem ist so allgegenwärtig, dass die Verbraucher sogar der…

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.