Anzeige

Messenger auf Smartphone

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat plant laut Medienberichten eine Gesetzesänderung, die deutschen Sicherheitsbehörden künftig Zugriff auf die digitale Kommunikation von Verdächtigen gewähren soll.

Hierfür sollen Anbieter von Messenger-Diensten gesetzlich verpflichtet werden, ihre Verschlüsselungstechnik so zu präparieren, dass Behörden bei Verdachtsfällen die Kommunikation mitlesen können. Der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT) bewertet wie bereits in der Vergangenheit solche Bestrebungen kritisch. Eine gesetzlich erzwungene Installation von Hintertüren stünde diametral gegen die "No backdoor"-Zusicherung der deutschen IT-Sicherheitsindustrie, die das Vertrauenszeichen "IT Security made in Germany" trägt.

Würden die Messenger-Betreiber die vorgesehenen Maßnahmen nicht umsetzen, könnten ihre Dienste in Deutschland gesperrt werden. Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, Rechtsanwälte, Journalisten, Steuerberater und Geistliche wären in ihrer schützenswerten Kommunikation in besonderer Weise betroffen. Eine Verpflichtung der Messenger-Betreiber zum Einbau von Schwachstellen würde einen tiefen Eingriff in komplexe Softwaresysteme bedeuten. Solche Schwachstellen könnten von unbefugten Dritten ausgenutzt werden, um illegal schutzwürdige Informationen zu erlangen.

TeleTrusT hat großes Verständnis dafür, dass deutsche Strafbehörden mit modernen Fähigkeiten ausgestattet werden müssen. Die vom Gesetzgeber dem Vernehmen nach geplanten Maßnahmen würden aber dazu führen, das Vertrauen in moderne IT-Systeme im Allgemeinen und in die angebotenen vertrauenswürdigen IT-Lösungen im Speziellen zu erschüttern. Die Eignung zur Verbrechensaufklärung ist fragwürdig, weil Straftäter beispielsweise auf andere Kommunikationsmöglichkeiten ausweichen werden. Die Beeinträchtigung des Grundvertrauens der Öffentlichkeit in den Schutz der kommunikativen Privatsphäre steht in keinem angemessenen Verhältnis zur möglichen Ausbeute bei Strafverfolgungsmaßnahmen. Die geplanten Maßnahmen sind damit industriepolitisch kontraproduktiv, schädigend für den weiteren notwendigen Digitalisierungsprozess und stehen im Widerspruch zur politischen Zielsetzung, "Deutschland zum Verschlüsselungsstandort Nr. 1" zu entwickeln.

Prof. Norbert Pohlmann, TeleTrusT-Vorsitzender: "Der Staat hat die Pflicht, Bürgerinnen und Bürger sowie unsere Wirtschaft zu schützen. Durch die Aushebelung der Verschlüsselung wird diese Schutzpflicht missachtet und das Vertrauen in moderne IT-Systeme staatlich untergraben. Wir bieten daher den Vertretern der Gesetzgebungsverfahren einen offenen Dialog an, gemeinsam und mit der technischen Expertise der TeleTrusT-Mitgliedsunternehmen geeignete Lösungen zu erarbeiten."

Der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. plant einen fachlichen Diskurs, um einen gesellschaftlichen Ansatz dafür zu finden, den Digitalisierungsprozess sicher und vertrauenswürdig zu gestalten und Strafverfolgung ohne Schwächung der IT zu ermöglichen.  

www.teletrust.de
 


Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!

 

Weitere Artikel

Nachhaltigkeit

5 Tipps: Wie Smartphones, Laptops und Co. länger halten

Wer ein wiederaufbereitetes statt ein neues Smartphone erwirbt, spart über 80 Prozent CO2 ein und reduziert den benötigten Rohstoffverbrauch um 77 bis 91 Prozent. Das hat der Online-Marktplatz für gebrauchte und wiederaufbereitete Elektronikgeräte Back Market…
Youtube

YouTube-KI verschärft Altersbeschränkungen

Google-Tochter YouTube will Altersbeschränkungen bei Videos mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) stärker durchsetzen. Ab jetzt werden deutlich mehr Inhalte einen Account-Login erfordern, mit dem User ihre Volljährigkeit nachweisen müssen. Kinder und…
MobilePayment

Mobile Payment: So bezahlen Sie entspannt mit Ihrem Handy

Mobile Payment per Handy oder Smartwatch erfreut sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Insbesondere an Supermarktkassen können Nutzer dank der Unterstützung verschiedener Anbieter ihre Einkäufe kontaktlos bezahlen.
Gamer

Games: Spieler bevorzugen Audio-Werbung

Gamer bevorzugen bei mobilen Videospielen Audio-Werbung gegenüber Videos, die den Spielfluss unterbrechen. Letztere Anzeigen sind bei 86 Prozent der Gamer verhasst. Werbung, die Spieler nur hören können, sind weniger störend und haben einen positiveren Effekt.
Neues release

Neues Release - PostgreSQL 13

PostgreSQL 13 enthält Verbesserungen bei der Indizierung, einschließlich Platzersparnis und Leistungsgewinnen für Indizes, schnellere Antwortzeiten für Abfragen, sowie eine bessere Planung der Anfragen bei Verwendung erweiterter Statistiken. Zusammen mit…
E-Spionage

"Mole" macht Smartphone-User zu Spionen

Mit der neuen US-App "Mole" können User andere Menschen weltweit als Spione anheuern. Diese "Agenten" filmen dann mit ihren Smartphones ein bestimmtes Ziel und schicken dem Auftraggeber das Material als Stream. Die Anwendung ist als "Uber für die Augen"…

Anzeige

Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!