Kriminelle im Internet setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI), um automatisch betrügerische Inhalte zu erstellen. Generative KI macht es ihnen leichter, Fälschungen zu produzieren, die von echten Inhalten kaum noch zu unterscheiden sind.
In kürzester Zeit entstehen so gefälschte Online-Shops, Werbeanzeigen in sozialen Medien oder täuschend echte Produktvideos und Kundenbewertungen. Auf diese Weise werden Verbraucher auf Online-Marktplätzen und in sozialen Netzwerken im großen Stil getäuscht.
Die Verbraucherzentrale warnt besonders zu Tagen mit Sonderangeboten vor einer Zunahme betrügerischer Online-Shops. Der „Fakeshop-Finder“ hat bereits im November 2025 rund 86.000 solcher Shops aufgedeckt, und jeden Monat kommen etwa 1.200 neue hinzu. Betrüger nutzen soziale Medien, um eine große Zahl an Menschen zu erreichen. Sie wählen ihre Zielgruppen genau aus und locken mit KI-erstellten Werbemitteln. Oft werben sie mit unglaubwürdigen Rabatten von 50 bis 70 Prozent für angebliche „limitierte Ausgaben“, um die Interessenten zum Kauf zu bewegen.
Die Gefahr, die von diesen Methoden ausgeht, betrifft zwei Seiten. Zum einen erleiden Verbraucher finanzielle Verluste, weil sie für nicht existierende Produkte bezahlen, keine Ware erhalten und ihre sensiblen Daten preisgeben. Zum anderen wird das Vertrauen in Marken systematisch untergraben, da die Fälschungen kaum noch von echten Werbekampagnen zu unterscheiden sind. Schließlich sehen sich auch Plattformen und Strafverfolgungsbehörden mit einer Flut an Betrugsfällen konfrontiert, die durch die hohe Qualität der Fälschungen schwerer zu erkennen sind.
So funktioniert das Betrugs-Fließband
Forscher von Trend Micro zeigen beispielhaft, wie eine vollständig KI-generierte, künstliche Influencerin eine limitierte Handtasche bewirbt – visuell und stimmlich täuschend echt. Diese digitalen Bausteine können flexibel eingesetzt werden: als gefälschte Werbung in sozialen Netzwerken, in professionell gestalteten Online-Shops im Design der Originalmarke oder in Phishing-E-Mails. Die Wirkung über verschiedene Kanäle hinweg schafft Glaubwürdigkeit, denn wer eine Botschaft in unterschiedlichen Umgebungen mehrmals sieht, hält sie eher für vertrauenswürdig. Zusätzlich nutzen die Betrüger bewährte psychologische Tricks wie knapp gehaltene Stückzahlen, Countdowns oder hohe Rabatte. Nach dem Kaufabschluss verschleiern gefälschte Sendungsverfolgungen und allgemeine Bestellbestätigungen den Betrug so lange, bis die Spuren der Täter nicht mehr nachvollziehbar sind.

(Bildquelle: Trend Micro)
Im Hintergrund dieser Betrugsmaschinerie arbeiten verschiedene KI-Systeme zusammen. Bild- und Videomodelle erzeugen passende Produktbilder und Werbevideos, während Stimmen und Gesichter echter Menschen nachgeahmt werden, was Videobotschaften authentisch wirken lässt. Gleichzeitig schreiben Large Language Modells (LLMs) abwechslungsreiche Werbesprüche und Produktbeschreibungen. Ergänzt wird dies durch Systeme, die glaubwürdige Kundenbewertungen erstellen. Automatisierte Arbeitsabläufe sorgen für die massenhafte Veröffentlichung auf verschiedenen Kanälen und Konten. Die technische Tarnung wird durch spezielle Hosting-Anbieter, schnell wechselnde Internetadressen und anonyme Identitäten sichergestellt, was die Erkennung der Betrugsversuche stark erschwert. Betrüger erstellen so mit KI in Minuten hunderte Varianten von Produktbildern, Texten und Videos – ideal für Stoßzeiten wie den Black Friday, Weihnachten oder das Neujahrs-Geschäft. Gleichzeitig wird der Einstieg für Kriminelle immer einfacher, da sie perfekte Bilder, überzeugende Texte und realistische Videos meist ohne Programmierkenntnisse erstellen können.
Empfehlungen für Unternehmen und Verbraucher
Unternehmen sollten ihre Marke proaktiv schützen, indem sie soziale Medien, Marktplätze und neue Domain-Registrierungen auf Missbrauch überwachen. Ebenso wichtig sind technische Schutzmaßnahmen wie Wasserzeichen für Inhalte und eine konsequente Absicherung des E-Mail-Verkehrs. Firmen sollten zudem klare Echtheitsnachweise für offizielle Kampagnen bereitstellen und ihre Kaufprozesse transparent und fälschungssicher gestalten. Die Schulung der Mitarbeiter zu den Gefahren von KI-Fälschungen ist genauso entscheidend wie die Entwicklung von Notfallplänen, um in Zusammenarbeit mit Plattformen und Behörden Fälschungen schnell entfernen zu lassen.
In der Kommunikation mit Verbrauchern ist es wichtig, die offiziellen Verkaufskanäle klar zu benennen und deren Echtheit zu bestätigen. Besonders in Stoßzeiten sollte vor Angeboten gewarnt werden, die zu gut sind, um wahr zu sein. Verbrauchern sollte geraten werden, vor einem Kauf einfache Prüfschritte durchzuführen. Dazu gehört, die Webseite genau zu prüfen, z.B. ob Domain und Impressum stimmen. Ein kritischer Blick auf Bezahlarten und Rückgabebedingungen ist ebenso ratsam wie das Hinterfragen der Glaubwürdigkeit von Kundenrezensionen. Zuletzt hilft ein Abgleich des Angebots mit den Informationen auf der offiziellen Webseite der Marke.
Fazit
Generative KI hat dem Online-Betrug eine neue Dimension verliehen. An die Stelle einzelner Fälschungen treten skalierbare Betrugssysteme, die in großem Stil Schaden anrichten und das Vertrauen in den digitalen Handel untergraben. Um Marken und Verbraucher wirksam zu schützen, ist ein Umdenken erforderlich. Es gilt, Echtheit technisch nachweisbar zu machen, verdächtige Aktivitäten auf Plattformen zu erkennen und das Bewusstsein für diese neuen Gefahren zu schärfen. Ein proaktiver, datengestützter Ansatz, kombiniert mit technischen Herkunftsnachweisen und klarer Kommunikation, ist der Schlüssel, um der künstlich erzeugten Glaubwürdigkeit mit echter Sicherheit zu begegnen.