Die neue Plattform Cybercrime Atlas Cosmos kartiert kriminelle Netzwerke, Werkzeuge und Geldflüsse der organisierten Cyberkriminalität.
Orange Cyberdefense und die Cybercrime-Atlas-Initiative des World Economic Forum haben die frei zugängliche Plattform Cybercrime Atlas Cosmos in Betrieb genommen. Bei dieser Datenbank handelt es sich um einen strukturierten Wissensgraphen, der Akteure, digitale Werkzeuge, kriminelle Marktplätze und finanzielle Transaktionen im Bereich der organisierten Kriminalität erfasst und visuell darstellt.
Die Startversion des Systems bildet neun Kernkategorien mit 229 einzelnen Elementen und 849 dokumentierten Beziehungen ab. An der Entwicklung beteiligten sich neben dem Hauptentwickler auch Forscher der Universitat de Girona, des Dienstleisters Scitum sowie die Marke TrendAI. Die Plattform wird kostenfrei über die Internetseite des World Economic Forum zur Verfügung gestellt.
Wirtschaftliche Schäden durch arbeitsteilige Schattenwirtschaft
Hintergrund der Veröffentlichung sind die weltweit steigenden Schäden durch Cyberangriffe. Nach Angaben der Bitkom-Wirtschaftsschutzstudie 2025 betrugen die Schäden in der deutschen Wirtschaft zuletzt 202,4 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Bericht Global Cybersecurity Outlook 2026 des World Economic Forum beziffert die weltweiten Kosten durch digital gestützten Betrug auf jährlich 1,1 Billionen US-Dollar.
Die kriminellen Strukturen operieren zunehmend nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Arbeitsteilung, bei der spezialisierte Gruppen Schadsoftware entwickeln, Marktplätze betreiben oder Erlöse über Kryptowährungsnetzwerke waschen. Die neue Datenbank soll diese Verknüpfungen transparent machen.
Einheitliches Beschreibungssystem für Cybercrime
Bislang erschwerten unterschiedliche Datenformate und Fachbegriffe bei Strafverfolgungsbehörden und IT-Sicherheitsunternehmen eine koordinierte Auswertung. Die Plattform führt ein einheitliches Beschreibungssystem ein, mit dem Abhängigkeiten standardisiert dargestellt werden. Anwender können die interaktive Karte nach spezifischen Kriminalitätssphären, Branchen oder Akteuren filtern. Hugues Foulon, Chief Executive Officer von Orange Cyberdefense, äußerte sich zum Start des Projekts:
„Cyberkriminalität ist zu einer Bedrohung im industriellen Maßstab geworden, die eine kollektive, quelloffene Antwort erfordert. Unsere Zusammenarbeit mit dem WEF und der Start von Cosmos stehen für unser Engagement, durch Transparenz und geteilte Erkenntnisse Vertrauen aufzubauen.“
Hugues Foulon, Chief Executive Officer von Orange Cyberdefense
(Orange Cyberdefense Germany GmbH, red)